Das Gebäude, in dem Ursula Haverbeck das "Collegium Humanum" betrieb, einen Treffpunkt für die rechte Szene. Es wurde 2008 vom Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble geschlossen. - © NW
Das Gebäude, in dem Ursula Haverbeck das "Collegium Humanum" betrieb, einen Treffpunkt für die rechte Szene. Es wurde 2008 vom Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble geschlossen. | © NW

Verden/Bielefeld Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck in Vlotho festgenommen

Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck hätte am vergangenen Mittwoch eine zweijährige Haftstrafe antreten müssen - aufgetaucht war sie bislang nicht

07.05.2018 | Stand 08.05.2018, 06:13 Uhr

Verden/Bielefeld (mat/epd). Die Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck ist von der Polizei festgenommen worden. Das erfuhr nw.de aus Ermittlerkreisen. Die Beamten nahmen die 89-Jährige am Montag gegen 13.30 Uhr in Vlotho fest, offenbar in ihrem Wohnhaus. Wie die Polizei am Nachmittag bestätigte, übergaben die Beamten Haverbeck an die zuständige Justizvollzugsanstalt, in diesem Fall die JVA Bielefeld-Senne. "Sie wird jetzt hier zuerst das Zugangsverfahren im Frauenhaus des Hafthauses Ummeln durchlaufen", sagte JVA-Leiterin Kerstin Höltkemeyer-Schwick. Wo sie ihre Haft absitzen wird, ist unklar. Eine Haftanstalt für lebensältere Frauen gibt es in NRW nicht. Haverbeck hätte am vergangenen Mittwoch eine zweijährige Haftstrafe wegen Volksverhetzung in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld-Senne antreten müssen, erschien aber nicht. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, begrüßte das Durchgreifen der Justiz und dass Haverbeck „ihre Haftstrafe endlich antritt". Auf ihrer Internetseite heißt es, Haverbeck habe die Haft nicht angetreten, weil sie ein Gutachten über ihre Haftfähigkeit abwarten wolle, das noch nicht vorliege. Über einen entsprechenden Eilantrag sei noch nicht entschieden worden. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte dazu, die Angaben seien falsch. Seit dem 20. April liege ein amtsärztliches Gutachten vor, das die Haftfähigkeit der Verurteilten bestätige. Deshalb habe sie die Staatsanwaltschaft Verden am 23. April zum Haftantritt geladen. "Hart durchgreifen" Nachdem Haverbeck innerhalb der ihr gesetzten Frist nicht in der Haftanstalt erschienen sei, habe die Staatsanwaltschaft am vergangenen Freitag den Haftbefehl erlassen. Das Internationale Auschwitz Komitee hatte Polizei und Justiz aufgefordert, hart durchzugreifen, um Haverbeck hinter Gitter zu bringen. „So wie Haverbeck seit Jahrzehnten die historische Wahrheit von Auschwitz und dem Holocaust leugnet, so bestreitet sie nun auch die Legitimität der deutschen Justiz", erklärte der Exekutiv-Vizepräsident des Interessenverbands von Auschwitz-Überlebenden, Christoph Heubner. Spitzenkandidatin der Partei "Die Rechte" Eine Verurteilung des Landgerichts Verden war nach dem Scheitern von Haverbecks Revision vor dem Oberlandesgericht Celle im Februar rechtskräftig geworden. Die Holocaust-Leugnerin ist wegen Volksverhetzung auch in Detmold, Hamburg und Berlin zu Haftstrafen verurteilt worden. In Verden ging es um Beiträge, die 2014 und 2015 in der rechtsextremen Zeitschrift „Stimme des Reiches" erschienen waren. Haverbeck, die jüngst zur Spitzenkandidatin der Partei „Die Rechte" für die Europawahl 2019 erklärt wurde, hatte unter anderem bestritten, dass das Konzentrationslager Auschwitz ein Vernichtungslager war.

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