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Ab November wird der neu gestaltete Pralinen-Adventskalender verkauft. Zwei Euro des Verkaufspreises sollen jährlich an
ein Projekt in Bünde gespendet werden – 2014 an die Musikschule. Otto-Karl Pollner und sein Neffe Julian Gronau verkaufen neben Zigarren, Pfeifen, Wein und Spirituosen auch Pralinen. Eine trägt sogar die Aufschrift "Bünde – die Zigarrenstadt". - © Foto: Annika Falk
Ab November wird der neu gestaltete Pralinen-Adventskalender verkauft. Zwei Euro des Verkaufspreises sollen jährlich an
ein Projekt in Bünde gespendet werden – 2014 an die Musikschule. Otto-Karl Pollner und sein Neffe Julian Gronau verkaufen neben Zigarren, Pfeifen, Wein und Spirituosen auch Pralinen. Eine trägt sogar die Aufschrift "Bünde – die Zigarrenstadt". | © Foto: Annika Falk

Bünde Fünfte Generation in den Startlöchern

Die Zigarrenstadt heute (2): Bei Pfeifen Pollner übernimmt der Neffe zum Jahreswechsel

Von Annika Falk
09.08.2014 | Stand 23.09.2014, 17:56 Uhr

Bünde. Im Jahr 1900 gab es in Bünde 84 Betriebe in der Zigarrenindustrie, heute sind nur noch sehr wenige übriggeblieben. Was sich aber seit 136 Jahren gehalten hat, ist Pfeifen Pollner. Das Familienunternehmen hat sich von der Holzdrechselei zum Handelspartner in Sachen Genuss gemeistert. Das Sortiment wurde immer wieder erweitert – mit pfiffigen Ideen rund um Bünde. "Wir vertreten heute die Handelsseite der Zigarrenstadt", sagt Inhaber Otto-Karl Pollner.

Carl und Elise Pollner gründeten 1878 ihre Holzdrechselei, damals noch in der Eschstraße Nr. 25. Tischfüße, Möbelteile und Treppensprossen waren das Hauptgeschäft. Elise Pollner spezialisierte sich zudem auf das Reparieren von Schirmen. "Die wurden bis 2008 bei uns verkauft", sagt Urenkel Otto-Karl Pollner, der das Geschäft seit 1990 mit Ehefrau Lil führt.

Die Pfeife als Hobby

Damals schon verkauften Pollners Pfeifen. Gründer-Sohn Otto Pollner absolvierte eine Ausbildung zum Pfeifendrechsler – zu den Pfeifen kam dann bald der Tabak dazu. Beides wird heute noch im Laden, der sich seit 1920 an der Bahnhofstraße befindet, verkauft. "Pfeifen entwickeln sich schnell zu einem Hobby, ein Kunde hatte sogar mal 800 verschiedene", so Otto-Karl Pollner. Zum Verkauf der Zigarren kam die Familie damals, weil die Bünder Tabakindustrie anfragte, ob der Holzdrechsler nicht Holzrohlinge für die Zigarren herstellen könnte.

In der Werkstatt im Keller des Hauses war dann der Enkel der Gründer, Otto Pollner II, sehr aktiv. Bis 2003 stellte er hier Einzelstücke in liebevoller Handarbeit her, schrieb Fachbücher über Pfeifen – und landete als Pfeifenmacher sogar mal in der "Sendung mit der Maus".

"Die vorletzte Pfeife meines Vaters hat der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder dem südafrikanischen Präsidenten geschenkt", sagt Sohn Otto-Karl stolz. Auch er und sein Neffe Julian Gronau wissen, wie man Pfeifen herstellt, haben aber keine spezielle Ausbildung, kommen eher von der kaufmännischen Seite. "Mein Vater war der letzte Pfeifendrechsler, der in Deutschland ausgebildet worden ist", sagt Otto-Karl Pollner.

Übernahme der fünften Generation
Information
Hier finden Sie alle Teile der Serie "Die Zigarrenstadt heute"

Bald wird das Geschäft von der fünften Generation übernommen – der 60-Jährige übergibt zum Jahreswechsel an seinen Neffen Julian Gronau. "Meine Frau und ich arbeiten weiter im Geschäft mit, aber er wird dann der Inhaber sein", sagt der Onkel. "Man muss so einen Wechsel zeitnah durchführen, das hat mein Vater bei mir auch gemacht." Denn auch die Kundschaft muss Vertrauen fassen – viele Stammkunden nehmen einen Weg von ein bis zwei Stunden auf sich, um von Familie Pollner und den langjährigen Mitarbeiterinnen beraten zu werden.

Julian Gronau arbeitet – nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann und der Höheren Handelsschule – bereits seit Oktober 2005 im Unternehmen. Er ist passionierter Pfeifenraucher und Genussmensch: "Eine Pfeife muss man in Ruhe rauchen, braucht Muse dafür, das ist nichts auf die Schnelle." Dem 32-Jährigen merkt man ebenso wie seinem Onkel an, dass er für seinen Beruf brennt. Anders lässt sich der Genuss und "Wohlfühlfaktor", wie beide betonen, wohl nur schwer dem Kunden vermitteln.

Und so erweitern Pollners ihr Sortiment stetig, finden immer wieder Neues: Vertreten sind natürlich alle Bünder Zigarrenunternehmen – Schuster, Arnold André, Woermann, Bentley, Villiger. Auch Zigarren aus Kuba, der Dominikanischen Republik, Nicaragua, Brasilien und Honduras werden verkauft.

Ein Paradies für Genießer

"Diese Importe brauchen 70 Prozent Luftfeuchtigkeit und 17 bis 18 Grad, damit sie nicht austrocknen", erklärt Otto-Karl Pollner, autorisierter Händler für Havanna-Zigarren. Dieser sogenannte Depot-Gedanke wird in der Branche immer wichtiger. So ist Pollner einer von nur 130 Läden deutschlandweit, die Davidoff-Zigarren verkaufen dürfen.

Der Laden ist ein Paradies für Genießer – neben Zigarren, Pfeifen, Tabak werden auch Spirituosen und gute Weine verkauft. "Das ist mein Hobby", verrät Otto-Karl Pollner, der in seinem Garten Weinreben stehen hat, aus denen er privat eigenen Wein keltert. "Es ist wohl der einzige Sauvignon-Weinstock in Bünde."

Auch mehr als 100 verschiedene Whiskys gibt es. "Wir haben eine Liste, auf die unsere Kunden eintragen können, welche Sorten sie noch gerne haben würden", so Pollner. "Whisky hat eine große Zukunft, auch Rum ist im Kommen." Zu Wein und Zigarre passe wunderbar eine Praline – bei Pollners sogar mit Bünde-Schriftzug zu erwerben. Die süßen Leckereien runden das Genuss-Konzept ab.

Otto-Karl Pollner liegt zudem seine Heimatstadt sehr am Herzen. Im September startet die zweite Edition des Laurentius-Weines. Ein Euro pro verkaufter Flasche geht an den Förderverein zur Sanierung der Kirche. Die ersten 1.200 Flaschen waren in wenigen Monaten ausverkauft.

Ein weiterer Baustein, der in der Weihnachtszeit ein gutes Geschäft bringt, ist Holzkunst aus dem Erzgebirge. Dieses Produkt erinnert an die Ursprünge des Familienunternehmens, die Holzdrechselei.

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