0
Ein Hofladen auf Rädern: Jörg Höke kommt mit seinen Produkten, die alle nach dem Konzept der drei Gs hergestellt werden, zu seinen Kunden nach Hause. Diese können zuvor Ware bestellen, aber sich auch spontan von dem Angebot inspirieren lassen. - © Foto: Friderieke Schulz
Ein Hofladen auf Rädern: Jörg Höke kommt mit seinen Produkten, die alle nach dem Konzept der drei Gs hergestellt werden, zu seinen Kunden nach Hause. Diese können zuvor Ware bestellen, aber sich auch spontan von dem Angebot inspirieren lassen. | © Foto: Friderieke Schulz

Kreis Herford Raus aufs Land: Eierhof Höke

Friderieke Schulz
27.05.2015 | Stand 01.09.2015, 17:37 Uhr
Die Hühner sind der Höhepunkt: Joris (v. l.), Ilai, Caroline Lühring, Geburtstagskind Jake, Lenn, Jaqueline, Emma und Sila finden sie super.
Die Hühner sind der Höhepunkt: Joris (v. l.), Ilai, Caroline Lühring, Geburtstagskind Jake, Lenn, Jaqueline, Emma und Sila finden sie super.

Kreis Herford. Als vor rund zehn Jahren der gepachtete Hof von Jörg Höke verkauft wurde, musste der Landwirt eine Alternative finden. "Mein Onkel und meine Tante kamen auf mich zu und fragten, ob ich nicht auf ihrem Hof weiterarbeiten möchte", erinnert sich der 52-Jährige. Er entschied sich, die bis dahin erfolgreiche Direktvermarktung weiter auszubauen und entdeckte bald ein weiteres Standbein: Kindergeburtstage. Wie ihm ging es vielen Landwirten im Kreis Herford. Überall haben sie ihre Höfe weiterentwickelt und ihr Angebot erweitert. Zu finden sind diese in der Broschüre des "Landservice" der Landwirtschaftskammer NRW. Einige davon stellt die NW immer dienstags vor.

1990 übernahm Jörg Höke den Hof seines Vaters in Hücker-Aschen. "Schwerpunkt war neben dem Ackerbau schon die Direktvermarktung", erzählt Höke. Zudem feierte der Landwirtschaftsmeister in Ahlen, wo er einen Hof pachtete, regelmäßig Hoffeste, deren Erlös er dem guten Zweck spendete. Nachdem dieser verkauft wurde, stand Höke vor einer schweren Entscheidung: "Entweder ich würde eine neue Hofstelle finden, oder ich wäre aus der Landwirtschaft ausgestiegen."

Doch das wollten auch sein Onkel und seine Tante nicht, die den mütterlichen Hof in Enger-Herringhausen bewirtschafteten und denen Nachwuchs fehlte. "Damals war hier Pferdehaltung in kleinem Rahmen", erinnert sich Höke. Aus dem Vorhandenen wollte der Landwirt etwas machen und so erweiterte er die Pferdehaltung und entschied sich gegen den Ackerbau und für die Direktvermarktung.

Auf dem Teppich: Die holprige Fahrt macht den Kindern Spaß.
Auf dem Teppich: Die holprige Fahrt macht den Kindern Spaß.

Denn sein Lieferwagen war damals bereits weit über die Grenzen Ahlens hinaus bekannt und angenommen. Neben Eiern, Fleisch- und Wurstwaren von Geflügel, Schwein, Rind und Lamm gibt es noch heute allerlei frisches Gemüse, Obst, Milchprodukte, aber auch Eintöpfe und Suppen darin zu kaufen.

"Um ein bisschen Werbung zu machen und neue Kunden zu gewinnen, begann ich Kindergeburtstage anzubieten - die Resonanz war viel größer als ich gedacht hatte", erinnert sich Höke. Seit zwei Jahren unterstützt ihn dabei Caroline Lühring, die mit den Kindern Pony reitet, Schweine streichelt, Hühner dressiert oder auf einer Treckertour die Landwirtschaft erkundet.

Auf Pferd Sveinnsson: Kim Treybig (v. l.)führt Lenn, Jake und Silas.
Auf Pferd Sveinnsson: Kim Treybig (v. l.)führt Lenn, Jake und Silas.

"Die Kinder sollen Spaß haben, sich dreckig machen dürfen, aber auch etwas über die Tiere und Pflanzen lernen", so die 42-Jährige. Stargast der Geburtstage ist stets der zahme Hahn Moritz, der manchmal denkt, er sei ein Papagei. "Ich finde das Strohspringen toll und die Schatzsuche im Stroh", freut sich Emma, die hier den Geburtstag ihres Freundes Jake feiert. Zu Hause hat sie nur einen Hasen, hier kann sie mit allen Tieren in Kontakt kommen.

Im vergangenen Jahr feierten hier 160 Kinder ihren Geburtstag - die Nachfrage ist steigend. Und bei dem abendlichen Grillen schließt sich am Ende auch wieder der Kreis zur Direktvermarktung. Denn das Fleisch, dass auf den Grill kommt, stammt aus Hökes Verkaufswagen.

Und dahinter steckt ein klares Konzept. "Ich gehöre zu einer Erzeugergemeinschaft, von der ich alles beziehe, was ich nicht selbst produziere", sagt Höke und erzählt, dass die Tiere artgerecht und in Freiland gehalten werden. Zudem verzichten er und seine Kollegen gänzlich auf den Einsatz von Antibiotika und künstlichen Farbstoffen. "Aber auch die Regionalität ist uns wichtig. Kurz gesagt: Geschmack, gesund, gerecht, garantiert und gezielt - das sind die Gs, nach denen wir arbeiten", sagt Höke.

Und das Konzept kommt an. Denn der Wagen fährt auf Bestellung vor - auch Großkunden nehmen den Dienst gern in Anspruch und lassen sich Hökes Freilandeier und Fleisch gern liefern.

Bereut hat Höke den Umzug bis heute nicht: "Ohne ihn wäre ich vermutlich nie auf die Idee mit den Kindergeburtstagen gekommen. Die glänzenden Augen geben einem sehr viel." Und auch Lühring hat Freude an ihrem neuen Job gefunden. "Natürlich ist so ein Nachmittag anstrengend, aber die Kinder geben einem sehr viel zurück."

Das Angebot

Der „Bauwagen“ zur Selbstbedienung steht in Bünde an der Ahler Straße 41.

Liefertouren fährt Jörg Höke von Ennigloh über Bünde, Spenge, Bad Salzuflen bis nach Hiddenhausen.
Jährlich Ostersonntag: Tag des offenen Hofes mit Osterfeuer und vielen Angeboten für Kinder.

Anmeldung für Kindergeburtstage oder Verkaufstouren unter Tel. (05224) 939877 oder (0172) 5278375.

Weitere Informationen und Angebote auf www.eierhof-hoeke.de.

Nächste Folge: Am nächsten Dienstag lesen Sie, warum die Löhner Ulenburg Vorreiter im Bereich Bioanbau war und ist.

Information

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken
realisiert durch evolver group