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Bünde Gemeinschaft ist aus der Not entstanden

Beste Freunde (10): Zehn Mütter treffen sich seit fast 30 Jahren zum Kindergarten-Stammtisch

VON THOMAS KLÜTER
22.06.2013 | Stand 03.07.2013, 11:45 Uhr

Bünde. Heute sprechen die Frauen vom Kindergarten-Stammtisch über Kino, Theater und Politik. Am Anfang war das anders. Da ging es um Pausenbrote, Regenjacken und den Tagesablauf des Nachwuchses im evangelischen Kindergarten Spradow.

Fast 30 Jahre ist es her, dass sich die Mütter zum Kindergarten-Stammtisch zusammentaten. Eigentlich entstand dies aus der Not heraus, denn die zehn Frauen wurden mit Anfang 30 als "Spätgebärende" betrachtet und fühlten sich etwas ausgegrenzt. "Heute ist das ja ganz normal, aber damals bekamen die Frauen viel jünger ihr erstes Kind", erinnert sich Gudrun Wetzorke, die Stammtischmutter. Außerdem sei man damals schon eine Fremde in Spradow gewesen, wenn man aus einem anderen Bünder Stadtteil kam und einige der Stammtisch-Frauen kommen aus Herford, Cloppenburg, Gifhorn oder sogar aus Waldburg in Baden-Württemberg.

Jedes Mal, wenn sie beim Abholen vor dem Kindergarten warteten, unterhielten sich die Mütter und irgendwann kam die Idee, dasselbe mal in gemütlicherer Atmosphäre zu tun. Seitdem treffen sich die Frauen einmal im Monat. Bei jedem Treffen legen sie den Termin für das nächste Mal fest. Jeden Monat sucht ein anderes Mitglied das Restaurant oder das Café aus – mal morgens zum Frühstück, mal zum Abendessen. Bei besonderen Anlässen trifft sich der Stammtisch auch bei einer der Frauen Zuhause. "Dann legen wir das Geld für Essen und Getränke zusammen", sagt Rita Heuer.

Nach der Kindergartenzeit kam die Grundschulzeit, und die Mütter verabredeten sich weiter zum Stammtisch. Mittlerweile treffen sich sogar einige der Kinder mit ihren Kindern. Und bei Ausflügen nehmen die Stammtisch-Mitglieder auch oft Kinder und Enkelkinder mit. "Wir haben uns schon gemeinsam Starlight-Express und das Phantom der Oper angeschaut", erzählt Karin Anders, "und wir waren mit den Kindern auf Wangerooge". Bei größeren Aktionen sind auch die Männer mit dabei. Bei den monatlichen Treffen bleiben die Frauen aber lieber unter sich.

Geklönt wird da und angestoßen und über alles geredet, was die eine oder andere gerade bewegt. "Wir haben uns aber vorgenommen, nicht über Krankheiten zu sprechen, denn so alt fühlen wir uns noch nicht", so Gudrun Wetzorke. Ganz lässt sich das Thema aber nicht aussparen. Eine der Stammtisch-Damen ist ernsthaft erkrankt. Und natürlich sind die Freundinnen dann da, um zuzuhören und Mut zu spenden.

"Es half auch schon, dass ich wusste, die anderen denken an mich und würden helfen, wenn ich Hilfe bräuchte", sagte die Betroffene. Das tue gut, auch wenn nicht bei jedem Treffen über dieses Thema gesprochen würde. Besonders schöne Treffen außer der Reihe gibt es auch bei den Frauen des Stammtisches: "Jedes Mal, wenn ein Enkelkind geboren wird, dann begrüßen wir das natürlich."

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