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Hermann Scheck (l.) und seine Frau Hildegard besuchen Ernstaugust Tschaschnig (r.) extra immer wenn der Rhododendron blüht. Das Ehepaar liebt die Pflanze sehr, sie wächst im österreichischen Kalkboden und dem kalten Klima dort jedoch nicht. - © FOTO: KARL-HENDRIK TITTEL
Hermann Scheck (l.) und seine Frau Hildegard besuchen Ernstaugust Tschaschnig (r.) extra immer wenn der Rhododendron blüht. Das Ehepaar liebt die Pflanze sehr, sie wächst im österreichischen Kalkboden und dem kalten Klima dort jedoch nicht. | © FOTO: KARL-HENDRIK TITTEL

Rödinghausen Freunde über 830 Kilometer

Beste Freunde (8): Ernstaugust Tschaschnig aus Rödinghausen und Hermann Scheck aus Österreich

VON ANNE WEBLER
15.05.2013 | Stand 03.07.2013, 11:27 Uhr

Rödinghausen. Ernstaugust Tschaschnig und Hermann Scheck sind seit 50 Jahren befreundet. Hermann Scheck ist Österreicher und lebt in Leonstein, einem Teil der Gemeinde Grünburg im Steyrtal. Die beiden Männer leben mehr als 800 Kilometer voneinander entfernt, trotzdem hält die Freundschaft. Gestern haben Hermann Scheck und seine Frau Hildegard Ernstaugust Tschaschnig besucht.

1963 fuhren Ernstaugust Tschaschnig und seine Frau Erika zum ersten Mal nach Leonstein in Oberösterreich. "Wir waren Sommergäste", sagt Ernstaugust Tschaschnig, so nannte man Urlauber damals. Vier Wochen verbrachte das Ehepaar in der 4.000-Einwohner-Gemeinde. Sie wohnten im Gasthof/Pension Waldklause. Zum Kirchweihfest spielte Hermann Scheck dort mit seiner Kapelle, er war der Kapellmeister. Tschaschnig und er kamen ins Gespräch. Fortan machten Ernstaugust Tschaschnig und seine Frau Erika jedes Jahr Urlaub in Leonstein. Wo immer Hermann Scheck mit seiner Kapelle spielte gingen sie hin und unterhielten sich mit ihm. Irgendwann lud sie Scheck zu sich ein, 1971 folgte die Gegeneinladung nach Rödinghausen. "So entstehen durch Zufall Verbindungen", sagt Tschaschnig und schlägt Hermann Scheck auf die Schulter.

Ernstaugust Tschaschnig und Hermann Scheck haben sich gegenseitig durch ihr Leben begleitet. Als sie sich trafen, waren beide junge Männer, Tschaschnig 37, Scheck 24. Tschaschnig war verheiratet, Scheck noch nicht, aber bereits mit seiner jetzigen Frau Hildegard zusammen. Beide Ehepaare bekamen zwei Kinder, Tschaschnigs Sohn und Tochter, Schecks zwei Söhne. "Unsere Kinder sind in der Waldklause groß geworden", sagt Ernstaugust Tschaschnig. Wenn im Birnbaum die Schaukel aufgehängt wurde, fragten die Nachbarn: "Ach, sind die Tschaschnigs wieder da?" "50 Jahre – wo sind die geblieben?", sagt Tschaschnig.
1987 reiste die ganze 50-Mann-Kapelle von Hermann Scheck nach Bünde, um auf der Goldenen Hochzeit von Hermann und Frieda Merz zu spielen, ebenfalls regelmäßige Gäste in Leonstein. Hermann Scheck und seine Frau Hildegard kamen zu Tschaschnigs 80. Geburtstag, er fuhr zu Schecks 70. Seit 1993 sind Ernstaugust Tschaschnig und seine Frau Erika Ehrenbürger des Steyrtals. Die Urkunde hängt gerahmt über Tschaschnigs Schreibtisch.

Tschaschnigs Frau ist inzwischen verstorben, trotzdem fährt er weiter jedes Jahr nach Leonstein. Er geht mit Hermann und Hildegard Scheck wandern, sie fahren nach Wien oder in die Wachau, das Donautal zwischen Linz und Wien, besichtigen Klöster oder Ausstellungen. "Der Ernstaugust kennt ja schon alles", sagt Hermann Scheck. Die beiden telefonieren jede Woche, erzählen wie es jedem in der Familie geht. "Wenn einer krank ist, versucht man beizustehen", sagt Tschaschnig. "Wir telefonieren auch, wenn der eine im Krankenhaus liegt", sagt Scheck. Er ist 74, Tschaschnig 87.

Jedes Jahr um Pfingsten besuchen die Schecks Ernstaugust Tschaschnig, immer wenn der Rhododendron blüht. Den lieben die Schecks, er wächst leider nicht in Österreich. "Bei unserem kalten Klima gedeiht der nicht", sagt Hildegard Scheck. Einmal hat Tschaschnig ihnen einen Rhododendronbusch mitgebracht, der ging nach zwei Jahren ein.

Die meisten Leonsteiner kennen Tschaschnig. "Ach, sa'ns wieder da?", sagen viele, wenn er durch den Ort geht. Nach Hause nehme er immer Frankfurter Würstchen mit, die so besonders gut schmecken. Kommt er in die Fleischerei, sagt die Chefin: "Ach, Sie wollen wieder die Würstel eingeschweißt mitnehmen, nicht wahr?" Ende März war er gerade wieder da, die Wirtin der Waldklause ist 90 geworden. Tschaschnig hat ihr eine Rede gehalten. "So wird man allmählich einheimisch", sagt er. "Ich fühle mich so wohl da." Im September fährt er wieder hin. Hinter seinem Schreibtisch hängt ein Bild von Schecks 70. Geburtstag, es zeigt Scheck und Tschaschnig Arm in Arm. Auf dem Schreibtisch steht ein Aufsteller mit einem Spruch von Oskar Wilde, den Scheck Tschaschnig geschenkt hat: "Ein Freund ist jemand der weiß, dass man ihn gerade braucht."

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Freundschaften gesucht

In der "Beste Freunde"-Serie stellen wir Freundschaften vor. Das können zwei Menschen sein, die sich schon seit der Kindheit kennen, eine Gruppe oder ein Ehepaar.
Es haben sich schon viele Freunde gemeldet, darüber freuen wir uns sehr. Sie werden alle vorgestellt.
In der nächsten Folge stellen wir Meike Stühmeyer-Freese und ihre drei ehemaligen Arbeitskolleginnen vor. Seit Stühmeyer-Freeses Schwangerschaft 1999 treffen sie sich alle sechs Wochen.
Wer der NW von seiner Freundschaft erzählen möchte, kann sich melden unter Tel. (0 52 23) 9 24 55 oder         anne.webler@nw.de.

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