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Beim ersten Ausflug des ,,Club 38´´ im Jahr 1999 unternahmen die Männer eine Kutschfahrt. Am ehemaligen Standort der Volksschule Ahle legten sie eine Gedenkminute ein. - © Anne Webler
Beim ersten Ausflug des ,,Club 38´´ im Jahr 1999 unternahmen die Männer eine Kutschfahrt. Am ehemaligen Standort der Volksschule Ahle legten sie eine Gedenkminute ein. | © Anne Webler

Bünde "Wir erzählen viel von früher"

BESTE FREUNDE (3): Die fünf vom „Club 38“ sind schon zusammen zur Volksschule in Ahle gegangen

VON ANNE WEBLER
15.03.2013 | Stand 25.06.2013, 11:57 Uhr

Bünde. Die fünf „Jungs“, wie sie sich nennen, sind schon zusammen zur Volksschule in Ahle gegangen. 1944 wurden sie eingeschult. Auf einem Klassentreffen nach 45 Jahren beschlossen Willi Fäth, Ernst Dix, Reinhard Heidemann, Günter Link und Rudolf Schwidde, sich regelmäßig zu treffen. Seit 15 Jahren machen sie viermal im Jahr zusammen eine Radtour, eine Städtereise - oder sie treffen sich einfach in der Gaststätte. Dann erzählen sie von früher und lachen zusammen.

Was die fünf zusammenschweißt, sind ihre Erinnerungen an ihre gemeinsame Kindheit: Im Winter 1944 bekamen sie oft Kältefrei, weil die Schule nicht beheizt wurde. Nach einem Bombenangriff 1945 hatten sie ein halbes Jahr lang keinen Unterricht, die Schule war zerstört.

Nach ihrem Geburtsjahr 1938 nennen sie sich „Club 38“. Durch den Unterrichtsausfall im Krieg war ihre Klasse, 9 Jungs, 4 Mädels, die einzige, die neun Jahre an der Volksschule blieb. Normalerweise umfasste die Volksschule die Klassen eins bis acht. Vier von ihnen gingen auch schon zusammen in den Kindergarten, Ernst Dix und Rudolf Schwidde sind sogar in einer Nachbarschaft zusammen aufgewachsen. Nur Willi Fäth stammt aus Hücker Aschen, deshalb kam er erst später dazu.

Damals gingen sie in Holzschuhen zur Schule, wenn sie Blödsinn machten, mussten sie sich vornüberbeugen, die Fingerspitzen an die Fußspitzen, damit sich die Hose über dem Gesäß glatt zog und der Rohrstock mehr schmerzte. Die fünf erzählen all das mit einem Lachen. Das waren damals andere Zeiten. Bis zur Währungsreform 1948 bekamen alle Essensmarken zugeteilt, fast jede Familie hatte ein Schwein und versorgte sich selbst. Die Duschen im Keller der Schule waren samstags für die Gemeinde geöffnet, duschen kostete 50 Pfennig, ein Wannenbad 1,50 Mark. Viele hatten damals zu Hause kein Bad. Am 17. September 1971 wurde die Schule abgerissen, ein großes, schönes Gebäude mit Fachwerkgiebel. Die fünf bedauern das, ein Verlust für Ahle.

Nachdem sie die Schule verlassen hatten, wussten sie alle, was die anderen machten. Aber eher aus der Ferne. Jeder ging seinen beruflichen Weg. Sie sahen sich nur mal beim Fußball. Ernst Dix fand schade, dass sie nicht mehr Kontakt hatten. Deshalb schlug er auf dem Klassentreffen 1998 vor, sich öfter zu treffen. Sie trafen sich ein paarmal in der Gaststätte Elseterrassen, im Jahr drauf machten sie die erste gemeinsame Kutschfahrt. Ernst Dix hatte zwei Kutschpferde, zwei Schimmel, deutsche Reitponys. „Die gingen ab wie Schmidts Katze“, sagt Willi Fäth und lacht.

Bei der ersten Ausfahrt fuhren sie von Bruchmühlen nach Ahle, wo früher ihre Schule stand, und hielten eine Gedenkminute ab. Kutsche fahren sei ihnen inzwischen zu aufregend, witzeln sie, deshalb hätten sie sich aufs Fahrradfahren verlegt.

In diesem Jahr werden sie alle 75, im vergangenen Jahr feierten sie diamantene Konfirmation. Dass sie sich immer noch so gut verstehen, liege daran, dass sie gegenseitig alle sehr tolerant seien, sagt Willi Fäth. „Der Respekt voreinander ist groß“, sagt Ernst Dix.

„Wir nehmen uns kein Wort krumm“, sagt Reinhard Heidemann. Er ist ein bisschen der erste Vorsitzende des Clubs, organisiert die Termine.

Ihre Frauen gehören inzwischen dazu: Wenn sie eine Radtour machen, stoßen die Frauen abends in der Gaststätte dazu „eine Stunde nachdem wir angekommen sind, wenn wir uns schon wieder etwas erholt haben“, witzelt Willi Fäth.

Auch bei Mehrtagesfahrten sind die Frauen dabei. Nur beim alljährlichen Treffen im November sind die Männer unter sich. Da legen sie die Termine für das nächste Jahr fest. An dem Abend treffen sich auch die Frauen. „Dass wir heute noch so gut befreundet sind, hat auch viel damit zu tun, dass sich unsere Frauen untereinander und auch mit den anderen „Jungs“ so gut verstehen“, sagt Willi Fäth.

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