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Jeannine (v.l.), Lara, Susanne, Vanessa, Sophie, Anna, Katja, Maren und Christine. - © FOTO: THOMAS KLÜTER
Jeannine (v.l.), Lara, Susanne, Vanessa, Sophie, Anna, Katja, Maren und Christine. | © FOTO: THOMAS KLÜTER

Bünde "Wir lachen und weinen miteinander"

BESTE FREUNDE (2) Auf dem Reiterhof "Alter Junges Little Ranch" gibt es eine besondere Gemeinschaft

VON ANNE WEBLER
14.02.2013 | Stand 14.02.2013, 04:51 Uhr

Bünde-Südlengern. Auf die Mädels vom Hof "Alter Junges Little Ranch" an der Südlenger Straße ist Verlass: Wenn ein Pferd krank ist, schauen alle nach ihm. Als der Pferderipper umging, hielten sie abwechselnd Wache, auch Ehemänner und Geschwister fuhren bis in die Nacht und früh morgens zum Stall. Sie fahren zusammen mit den Pferden in den Urlaub und helfen sich gegenseitig – auch im Leben außerhalb des Pferdehofes.

Das Reiterstübchen ist das Herz der Gemeinschaft auf dem Reiterhof "Alter Junges Little Ranch". Die Wand ist Holz vertäfelt, hinten rechts steht eine Theke, an der Wand hängen Fotos von Pferden und Hunden, die im tiefen Schnee über die Weide galoppieren oder hechelnd in die Kamera gucken. "Hier im Reiterstübchen passiert alles", sagt Jeannine Albrecht (34). Sie hat den Hof mit ihrem Mann Michael (41) seit 2007 gemietet. Im Reiterstübchen treffen sich die Pferdebesitzerinnen und Reitbeteiligungen jeden Sonntag zum Kaffee trinken, bringen dafür abwechselnd selbst gebackenen Kuchen mit, stoßen mit Sekt an ("wir finden immer einen Grund").

Information

Freundschaften gesucht

"Beste Freunde" heißt die neue Serie der NW.

In ihr stellen wir Freundschaften vor.

Das können zwei Menschen sein, die sich schon seit der Kindheit kennen, eine Gruppe oder ein Ehepaar.

Es haben sich schon einige Freunde bei der NW gemeldet, darüber freuen wir uns sehr. Sie werden alle vorgestellt.

In der nächsten Folge stellen wir den "Club 38" vor, fünf Bünder Jahrgang 1938, die zusammen in Ahle zur Volksschule gegangen sind.

Wer der NW von seiner Freundschaft erzählen möchte, kann sich melden unter Tel. (05223) 924 55 oder anne.webler@nw.de

Im Winter ist das Reiterstübchen der einzige warme Ort auf dem Hof. Jede Reiterin, die kommt, guckt hier erstmal, wer da ist. Alle drei Monate treffen sie sich hier zum Stammtisch, gehen zusammen essen oder kegeln. Die Frauen laden sich gegenseitig zum Geburtstag ein, helfen sich beim Umzug oder wenn das Auto stehengeblieben ist. "Am meisten zusammengeschweißt hat uns das Feuer", sagt Katja Meier. Sie reitet seit sieben Jahren auf dem Hof. Im Jahr 2008 brannte die gesamte Fachwerkdeele mit dem Heu- und Strohlager ab. Die Umstände danach waren abenteuerlich: Das Trinkwasser für die Pferde mussten sie vom Wasseranschluss am Wohnhaus holen. Dafür mussten sie quer über den Reitplatz. Mit der Schubkarre fuhren sie täglich mehrere Regentonnen voller Wasser zu den Ställen und zur Weide. Vorher mussten sie jedesmal den Wasserhahn mit dem Bunsenbrenner auftauen, es herrschten minus zehn Grad Celsius. "In der Zeit hatten wir alle wahnsinnige Muskeln!", sagt Katja.

Über die Pferde beraten sie sich gegenseitig. "Einmal rief ich Katja an, weil ich dachte, mein Pferd sei krank", erzählt Sabrina Pflug. Katja wohnt in der Nähe und kam gleich vorbei. Immer mehr Reiterinnen kamen dazu. "Am Ende haben wir zu siebt entschieden, den Tierarzt anzurufen." Als Sophie Erdmanns Pferd Alf nach einer Impfung Fieber bekam, Katja das bemerkte und Sophie noch arbeitete, rief Katja den Tierarzt. "Unser Hobby verbindet uns", sagt Katja. "Wir sind sehr verschieden, aber wir verstehen uns alle." Sie sind Bankkauffrau, Rettungssanitäterin, Lehrerin, Versicherungskauffrau, Sozialpädagogin, Bürokraft und Ver- und Entsorgerin. "In vielen Reitställen bilden sich Grüppchen und es wird gelästert", sagt Jeannine Albrecht. Hier sind sie alle Freundinnen. "Mir ist es wichtig, wie die Leute im Stall miteinander umgehen", sagt Jeannine. Deshalb habe sie so manchen Pferdebesitzer auch "gehen lassen müssen". Als sich eine Besitzerin eine sehr wichtige Operation ihres Pferdes nicht leisten konnte, veranstalteten sie einen Flohmarkt und sammelten Geld für die OP.

Muss ein Pferd dreimal am Tag Medikamente verabreicht bekommen, macht Jeannine das, ohne dafür extra Geld zu berechnen. "Dafür können wir auch in den Urlaub fahren." Dann erstellen die Pferdebesitzer einen Plan, wer welche Arbeiten übernimmt, die sonst Jeannine täglich erledigt. Als sie ein total vernachlässigtes Pony gerettet und aufgenommen haben, überwiesen alle jeden Monat zehn Euro auf ein Konto, ein Jahr lang, bis das Pony starb. Jeannine Albrecht stellte Stall und Futter umsonst. "Wir lachen und weinen miteinander", sagt Jeannine.

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