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Das Paßglas hat Florian Westphal (r.) aus über 30 kleinen Scherben, die Dr. Werner Best (l.) 2008 an der Werburg ausgegraben hatte, wieder zusammengesetzt. Das Material ist sehr empfindlich. Foto: Christina Zimmermann
Das Paßglas hat Florian Westphal (r.) aus über 30 kleinen Scherben, die Dr. Werner Best (l.) 2008 an der Werburg ausgegraben hatte, wieder zusammengesetzt. Das Material ist sehr empfindlich. Foto: Christina Zimmermann

Spenge Puzzeln für Fortgeschrittene

Aus dem Fund von zahlreichen Scherben an der Werburg wird ein besonderes Glas restauriert

29.11.2013 , 18:52 Uhr

Spenge. Als Dr. Werner Best während der Grabungen an der Werburg 2008 auf unzählige grünliche Scherben gestoßen war, ahnte er nicht, was sich hinter diesem Fund verbirgt. Erst während der Restaurierung im Herbst diesen Jahres wurde klar: Es handelt sich um ein sogenannten Paßglas, das den Burgherren und -damen in den Anfängen des 17. Jahrhunderts für Trinkspielchen diente.

Den Namen hat das Glas aufgrund der dezenten Ringe, die in einem gewissen Abstand - den Päßen - angeordnet sind. Best erläutert das Trinkspiel, das sich hinter dem Glas verbirgt: "Die Mitspieler haben auf Ansage bis zu einer gewissen Markierung Bier getrunken. Haben sie diese verfehlt, wurde wieder eingeschenkt und ein neuer Versuch gestartet."

Dass die Scherben der Ausgrabung in dieser Form restauriert wurden, verdankt Best Florian Westphal aus Münster, der in der Restaurierungswerkstatt der LWL-Archäologie derzeit ein Praktikum macht. Er ist Student im Studiengang "Konservierung und Restaurierung/Grabungstechnik" in Berlin.

"Geduld ist in dem Beruf eine große Tugend", sagt Westphal. Als der 24-Jährige die Spenger Scherben gesichtet hatte, war für ihn schnell klar: "Hier liegen mindestens zwei Drittel des ursprünglichen Gegenstandes." Anfang Oktober machte er sich dann an die Arbeit. Über 30 Teile galt es, wieder zusammenzupuzzeln. "Vorher musste ich jedoch den Zustand des Materials bewerten", sagt Westphal. Glas sei sehr fragil und anfällig für Korrosion, also dafür, sich wegen Witterungsbedingungen zu zersetzen. "Das Glas war in keinem guten Zustand", erinnert sich der Student. "Ich musste die Scherben zunächst mit einem speziellen Klebstoff behandeln." Erst dann konnte er sich ans Zusammensetzen machen. "Das hat ungefähr eine Woche gedauert."

Problematisch dabei sei gewesen, dass der Boden des Glases fehlte. "Restaurierung beginnt normalerweise mit dem Boden." Trotzdem hat er es geschafft, aus den vielen Scherben ein Glas zu formen.

"Die Markierungen sind wunderbar zu erkennen und helfen bei der Datierung des Gegenstandes", sagt der Student. Best weiß: "Solche Gläser kamen Ende des 17. Jahrhunderts wieder aus der Mode. Deswegen gehen wir davon aus, dass der Fund aus der Zeit davor stammt."

Da das Glas sehr empfindlich auf Witterungsbedingungen reagiert, wird es zunächst wieder ins Zentralarchiv des LWL überführt. "Es soll aber auf jeden Fall ausgestellt werden", sagt Dr. Birgit Münz-Vierboom, Leiterin der LWL-Archäologie.

Der Fund ist sehr wichtig für die Werburg, sagt Best. "Er eröffnet uns eine weitere Facette des Lebens auf der Burg." Auch Spenges Bürgermeister Bernd Dumcke freut sich: "Die Werbung ist für viele ein Identifikationspunkt." Und ein solche Fund trage dazu bei.

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