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Spenge "Igel" kehren im März in den Wald zurück

Förderverein übernimmt vom Kreis die Verkehrssicherungspflichtfür Kindergruppe im Katzenholz

VON ANDREAS SUNDERMEIER
05.01.2013 | Stand 04.01.2013, 19:16 Uhr

Spenge. Seit einem dreiviertel Jahr dürfen die Kinder der Waldigel-Gruppe nicht mehr im Wald spielen. Die Frage nach der Verkehrssicherungspflicht hatte der Gruppe des Kindergartens der Arbeiterwohlfahrt (AWO) das vorzeitige Aus beschert. Seit gestern gibt es eine neue Entwicklung: Ab März 2013, davon gehen die Eltern aus, können sich die Waldigel wieder im Katzenholz tummeln.

Die Voraussetzungen dafür sind aus Sicht des Kreisdirektors Ralf Heemeier geschaffen. Der Kreis hatte es im Mai 2012 abgelehnt, die Verkehrssicherungspflicht weiter zu übernehmen. Die AWO als Kindergartenbetreiber sah sich dazu ebenfalls nicht in der Lage. Nach der Sitzung des Spenger Hauptausschusses am 6. Dezember und dem ablehnenden Votum der Mehrheit war klar: Die WaldigelGruppe hat keine Zukunft.

Gestern die Kehrtwende: "Der Waldkindergarten kann mit den Kindern und Erzieherinnen wieder in das Katzenholz zurückkehren", teilte der Kreis mit. Die umstrittene Frage um die Verkehrssicherungspflicht sei geklärt. Der Förderverein für Wald- und Naturkindergärten und -gruppen in Spenge habe die Verkehrssicherungspflicht vom Kreis übernommen. Der Förderverein besteht seit zwei Jahren und zählt derzeit 15 Mitglieder. Mit der Unterschrift unter dem entsprechenden Vertrag seien die Voraussetzungen geschaffen, die Waldkindergartengruppe fortzuführen.

Klaus Dannhaus, Vorstandvorsitzender der AWO Ostwestfalen-Lippe, ließ gestern auf NW-Nachfrage von Pressesprecher Erwin Tälkers mitteilen, dass die AWO "sehr froh" über dieses Lösung sei. In zwei bis drei Wochen sollen die Gespräche mit dem Förderverein über die Gestattungsverträge laufen, die die Modalitäten der Nutzung betreffen. Die AWO wolle "zu ihrem Wort stehen und die Kinder und die Eltern mit ihrem großen Interesse und Engagement" unterstützen. Nachdem der Kreis die Kosten für die erste Durchforstung der zwei ausgewiesenen Gebiete übernimmt, werde sich die AWO an den Kosten für die folgenden Maßnahmen beteiligen.

Ralf Heemeier begrüßt die Lösung: "Der Kreis Herford ist der waldärmste Kreis in Nordrhein-Westfalen - da wäre es besonders traurig gewesen, wenn ein Waldkindergarten gescheitert wäre und Kinder nicht die Möglichkeit bekommen hätten, im Wald sein zu dürfen." Der Vertrag zwischen dem Kreis Herford und dem Verein gelte zunächst für ein Jahr, werde aber automatisch verlängert, wenn er nicht gekündigt wird. Der Kreis teilt mit: "Der Förderverein übernimmt die Haftung im Schadensfall - allerdings nur für Personen und Gruppen, denen er die Nutzung zuvor erlaubt hat. Gruppen und Personen, die aus pädagogischen Gründen die ausgewiesenen Waldflächen nutzen wollen, soll das auch gestattet werden."

Spenges Bürgermeister Bernd Dumcke freute sich für die Kinder und erklärte, analog zur Entscheidung des Kreises handeln zu wollen. Die Stadt werde das direkte Gebiet ums Hühnerhaus - gut 1.000 Quadratmeter - zur Verfügung stellen.

Sieghardt Kröger, Vater eines Waldigels, erklärte, warum der Verein die Haftung übernehmen könne. Im Falle eines Unfalls übernehme die Landesunfallkasse die Kosten. Und der strafrechtliche Aspekt - den Kreis, AWO und Stadt gefürchtet hatten - sei "überschaubar"; wenn denn alle Sicherungsmaßnahmen im Wald zur rechten Zeit vorgenommen worden seien. "Mehr kann man dann nach menschlichem Ermessen im Wald nicht machen."

Nicole Ronellenfitsch-Sabbert und Claudia Kröger vom Vorstand des Fördervereins freuen sich, dass die Waldigel voraussichtlich im März in das Katzenholz zurückkehren können.

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KOMMENTAR

Kinder dürfen wieder in die Natur zurück

Persönliches Engagement

        
Es ist doch bemerkenswert, was persönliches Engagement so bewegen kann. Noch im Dezember – zu einer Zeit, als es beim Kreis, der AWO und auch bei der Stadt nur um juristische Fachfragen ging – war so gut wie klar: Die Waldigel sind Geschichte.
Und dann machen sich die schon bis dato sehr engagierten Eltern und Mitglieder des Fördervereines noch mehr Gedanken, loten alle Möglichkeiten aus, und denken quer – und schon bekommen sie mit einer kreativen Lösung alle Parteien wieder an einen Tisch. Dass die jetzt von Kreis und AWO in allen erdenklichen Situationen getragen wird, ist doch Ehrensache. Nicht wahr?

andreas.sundermeier@ihr-kommentar.de

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