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Jakob F. (42) aus Bad Salzuflen verdeckt sein Gesicht mit einem Schnellhefter. Ein Justizbeamter (rechts im Bild) geleitet ihn zu seinem Platz. - © ARCHIVBILD: ANDREAS ZOBE
Jakob F. (42) aus Bad Salzuflen verdeckt sein Gesicht mit einem Schnellhefter. Ein Justizbeamter (rechts im Bild) geleitet ihn zu seinem Platz. | © ARCHIVBILD: ANDREAS ZOBE

Spenge/Bielefeld "Was muss diese Frau gelitten haben"

Bielefelder Landgericht verhängt lebenslange Haftstrafe für heimtückischen Mord an Olga P.

VON NILS MIDDELHAUVE
20.11.2012 | Stand 19.11.2012, 19:41 Uhr

Spenge/Bielefeld. "Sie haben in Ihrem letzten Wort von der Wertschätzung des menschlichen Lebens gesprochen, die Sie für sich in Anspruch nehmen", wandte sich die Vorsitzende Richterin Jutta Albert zu Beginn der Urteilsbegründung direkt an den Angeklagten. "Ihre menschenverachtende Gesinnung haben Sie aber schon oft genug zum Ausdruck gebracht." Das Bielefelder Landgericht verurteilte gestern den 42-jährigen Jakob F. aus Bad Salzuflen wegen heimtückischen Mordes zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe.

F. habe im Februar 2009 eine Prostituierte mit zwei Kabelbindern getötet. Die Leiche habe er anschließend drei Jahre lang in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt.

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Freigänger

Jakob F. hatte im Oktober 2008 eine Haftstrafe im offenen Vollzug in Herzebrock angetreten. Dieser war an die Bedingungen geknüpft, dass sich F. nicht im Rotlichtmilieu aufhalte und sein Auto lediglich für Fahrten zu seiner Arbeitsstelle – einem Dachdeckerbetrieb – verwende. F. hielt sich an keine dieser Weisungen: Am Tattag war er nicht zur Arbeit gefahren. Vielmehr nutzte er laut Ermittlungsbehörden seinen Pkw, um zu einem Bordell in Salzuflen zu gelangen, wo er die Prostituierte Olga P. wenig später mit zwei Kabelbindern ermordete. (nim)

Olga P. war Ende 2007 in die Bundesrepublik eingereist. Hier arbeitete sie in mehreren Bordellen in der Region. Schon bald entwickelte sich zwischen ihr und dem wegen Menschenhandels vorbestraften F. eine sexuelle Beziehung.

Doch Olga P. wollte mehr: Sie verliebte sich in den verheirateten Angeklagten. Möglicherweise findet sich hier auch das Motiv für die grausame Tat, die nun vor dem Bielefelder Landgericht ihren vorläufigen juristischen Schlusspunkt fand.

"Vielleicht hatte Olga die Schnauze voll und drohte F., dessen Frau über das Verhältnis zu informieren", sagte Richterin Albert. Vieles spreche jedoch auch dafür, dass die als Prostituierte erfolgreiche Frau viel Geld angespart hatte, dessen sich der Angeklagte habe bemächtigen wollen.

Dies, so Albert, könne man jedoch nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachweisen.

Am 19. Februar 2009 habe Jakob F. die junge Frau mit zwei Kabelbindern in einem Bordell in Bad Salzuflen getötet. Olga P. wies keinerlei Abwehrverletzungen auf, dafür fand sich Blut des Angeklagten an den Zugenden der beiden jeweils 25 Zentimeter langen Kabelbinder. "P. hätte sicherlich Abwehrverletzungen gehabt, wenn sie auch nur im Ansatz geahnt hätte, dass ihr jemand nach dem Leben trachtet", sagte Albert in der Urteilsbegründung. Drei bis fünf Minuten dauerte es einer Sachverständigen zufolge, bis P. bewusstlos geworden war, bevor der Tod durch Erdrosseln eintrat. "Was muss diese Frau in den mindestens drei Minuten gelitten haben", sagte die Richterin.

Im Anschluss habe F. die Leiche in einen Koffer gepackt, den er am Folgetag in eine Tiefkühltruhe in einer Garage neben dem Bordell brachte. Im Sommer 2009 habe er schließlich eine Garage an der Bielefelder Straße in Spenge angemietet, wohin er die Truhe samt samt Leiche verfrachtet habe. 2011 wurde ein erneutes Ermittlungsverfahren wegen Menschenhandels gegen F. eingeleitet. Polizeibeamte entdeckten die Tiefkühltruhe mit der Leiche bei einer Durchsuchung der Garage im Februar dieses Jahrs.

"Wer in der Lage ist, ein Opfer zusammenzulegen und in eine Gefriertruhe zu stopfen, der handelt so menschenverachtend, dass es fast nicht mehr zu beschreiben ist", sagte Albert.

Lange hatte der Angeklagte zu den Vorwürfen geschwiegen.
Erst am fünften Verhandlungstag vor dem Landgericht – die Beweisaufnahme war fast geschlossen – sprach er über den Tod seiner Ex-Geliebten. Begründung: Er habe zunächst die Angaben der Zeugen und Sachverständigen abwarten wollen.

Der Tod von Olga P., so F. in seiner Einlassung, sei ein Unfall bei Sex-Spielen mit den Kabelbindern gewesen.

Eine reine Schutzbehauptung, so Richterin Albert: "Diese Version ist Quatsch und völlig lebensfremd, weil Sie – sollte es wirklich so gewesen sein – nichts getan haben, um das Leben der Frau zu retten. Eine Märchenstunde brauchen wir hier nicht."

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