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Hanspeter Stegh (Geschäftsführer operativ) und Frauke Schwietert (Chefin der Arbeitsagentur) setzen in Zeiten des digitalen Umbruchs in der Arbeitswelt auf berufsbegleitende Qualifizierung. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Hanspeter Stegh (Geschäftsführer operativ) und Frauke Schwietert (Chefin der Arbeitsagentur) setzen in Zeiten des digitalen Umbruchs in der Arbeitswelt auf berufsbegleitende Qualifizierung. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Kreis Herford Zahl der Beschäftigten im Kreis Herford auf historischem Höchststand

Die Arbeitsagentur rechnet zwar mit einem leichten Anstieg der an sich niedrigen Arbeitslosenzahlen im ersten Halbjahr 2020. Ende des Jahres soll sich die Lage aber wieder erholen.

Frank-Michael Kiel-Steinkamp
25.01.2020 | Stand 05.02.2020, 10:52 Uhr

Kreis Herford. Der Arbeitsmarkt hat sich im Kreis Herford im vergangenen Jahr insgesamt weiterhin positiv entwickelt. Allerdings ist die erste Jahreshälfte deutlich besser verlaufen als die zweite. Die Vorsitzende der Geschäftsführung der Arbeitsagentur, Frauke Schwietert, rechnet damit, dass die Arbeitslosigkeit auch im ersten Halbjahr 2020 aufgrund der Konjunkturflaute weiter leicht steigt, aber im zweiten Halbjahr eine Erholung eintritt.

Im Vergleich ist die Zahl der Arbeitslosen in den vergangenen Jahren stetig auf zuletzt 7.044 gesunken. Die Zahl der Beschäftigten ist mit 95.237 auf einem historischen Höchststand angekommen. Das liegt auch an einer höheren Erwerbstätigkeit der Frauen.

Wirtschaftliche Lage macht sich bemerkbar

Die Zahlen für 2019 und den Ausblick ins neue Jahr stellte Schwietert zusammen mit dem operativen Geschäftsführer Hanspeter Stegh vor. Der Jahresdurchschnitt der Arbeitslosenzahl sank demnach von 2018 auf 2019 um 168 oder 2,3 Prozent auf 7.044 Betroffene. Die Arbeitslosenquote sank damit von 5,3 auf 5,1 Prozent.

Die Zahl der arbeitslosen Männer und Frauen im Bereich Arbeitslosenversicherung betrug 2.694, im Bereich Grundsicherung 4.350. Der Einfluss der abgedämpften wirtschaftlichen Lage macht sich mehr im Versichertenbereich bemerkbar. "Der Anstieg ist aber nur schwach ausgeprägt und sollte nicht dramatisiert werden, sagte Stegh.

Bei den jungen Arbeitnehmern unter 25 Jahren verzeichnete der Kreis Herford im Jahresdurchschnitt einen Rückgang um 10 auf 676 Jugendliche. Bei den Älteren über 50 Jahre waren es 52 Arbeitslose weniger - insgesamt 2.570. 1.877 ausländische Menschen waren im Schnitt 2019 arbeitslos - 36 weniger als im Vorjahr. Die Hälfte aller Arbeitslosen sind un- oder angelernt. Um 5,9 Prozent rückläufig ist die Zahl der Langzeitarbeitslosen im Kreis. Ostwestfalen-Lippe insgesamt steht mit - 7,4 Prozent besser da.

Über 9.000 freie Arbeitsstellen

Betriebe und Verwaltungen meldeten 9.450 freie Arbeitsstellen in 2019, das sind 783 Stellen oder 7,7 Prozent weniger als 2018. Durchschnittlich waren 2019 3.344 Arbeitsstellen im Bestand der Arbeitsagentur, 0,3 Prozent mehr, als im Jahr zuvor. Für Hanspeter Stegh lässt sich an der Zahl der als frei gemeldeten Stellen die wirtschaftliche Lage besser ablesen, als an den Arbeitslosenzahlen. Die Arbeitgeber im Kreis Herford melden weniger neue Stellen.

Andererseits werden Entlassungen vermieden, weil Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels versuchen, schwer ersetzbares Stammpersonal zu halten. "Der Arbeitsmarkt reagiert zeitverzögert und verhalten auf wirtschaftliche Entwicklungen", erklärt Frauke Schwietert. Dazu trägt auch der Anstieg von Beschäftigung bei konjunkturell unabhängigen Branchen bei.

Digitalisierung weiter Thema

Für das neue Jahr sieht Schwietert drei große Herausforderungen, die unabhängig von kurzfristigen konjunkturellen Schwankungen sind. Das sind die Digitalisierung in der Wirtschaft, der Demographische Wandel und der Fachkräftebedarf.

"Die Digitalisierung wird Wirtschaft und Arbeitsmarkt entscheidend verändern", sagt Schwietert. "In der Entwicklung sind wir schon mittendrin." Die Zahl der Arbeitsplätze müsse sich nicht unbedingt ändern, doch: "Berufe werden sich verändern, neue entstehen und andere verschwinden." Das hat es schon immer gegeben, doch das Tempo, das dahintersteht, ist neu.

Jeder fünfte Beschäftigte - überwiegend Fachkräfte - wird in den nächsten zehn Jahren das Rentenalter erreichen. Fachkräfte bleiben gesucht, viele ältere werden heute länger gehalten, als noch vor Jahren. Agenturchefin Schwietert sieht als Lösungsansatz für die Problematik die Qualifizierung - auch aus einer Beschäftigung heraus.

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