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So wird der Blücherplatz bald aussehen. - © Büro Franz Reschke Landschaftsarchitektur
So wird der Blücherplatz bald aussehen. | © Büro Franz Reschke Landschaftsarchitektur

Spenge Streit um den Blücherplatz in Spenge geht weiter

Weil die Kosten für die geplante Umgestaltung um einige hunderttausend Euro gestiegen sind, gibt es erneut Reibereien. Eine Entscheidung fiel erst nach zähem Ringen.

Mareike Patock
12.10.2019 | Stand 11.10.2019, 19:43 Uhr

Spenge. Es war ein zähes Ringen, das sich die Politiker jetzt im Stadtrat geliefert haben. Wiederholtes Streitthema: die Umgestaltung des Blücherplatzes - und die Kosten dafür. Die Neugestaltung ist Teil des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) der Stadt Spenge. Für Projekte, die darin festgeschrieben sind, gibt es eine Förderung von 70 Prozent. Als die Stadt das ISEK vor einigen Jahren aufgestellt hat, waren ungefähre Kosten von rund einer Million Euro für die Modernisierung des Blücherplatzes kalkuliert worden. Inzwischen hat es einen Planungswettbewerb zum Thema gegeben und es gibt einen konkreten Siegerentwurf (nw.de berichtete). Der sieht deutlich mehr Grün, eine kleine Tribüne zum Verweilen, vor allem aber ein ebenerdiges Wasserspiel als zentrales Platz-Element vor. Kostensteigerung von rund 700.000 Euro Gegenüber der ursprünglichen, groben Kalkulation von rund einer Million Euro liegen die Kosten jetzt bei knapp 1,8 Millionen Euro. Der Eigenanteil der Stadt Spenge erhöht sich damit von rund 330.000 Euro auf jetzt 550.000 Euro. Die Steigerung bedingt sich laut Verwaltung unter anderem durch den deutlichen Preisanstieg der vergangenen Jahre im Baugewerbe. Bei der ersten Kostenschätzung habe man außerdem nur sehr grob kalkuliert - eine detaillierte Planung wie heute habe es damals noch nicht gegeben. Das kritisiert die CDU Für die CDU eine zu drastische Kostensteigerung, die sie nicht mittragen wollte. "Die Kosten laufen aus dem Ruder, es ist erforderlich, die Notbremse zu ziehen", betonte Fraktionsvorsitzender Lars Hartwig. Für die Stadt Spenge sei das eine finanzielle Last, die sie nicht schultern könne. Er befürchtete, dass "der Blücherplatz zu einem Fass ohne Boden" werden könnte. Auch im Hinblick auf die Betriebskosten für das Wasserspiel. Laut Bürgermeister Bernd Dumcke werden sich die Unterhaltungskosten dafür - großzügig kalkuliert - auf rund 10.000 Euro im Jahr belaufen. "Lasst uns den Bürgern auch mal was bieten" "Ich wundere mich über die Argumentation der CDU", hielt Rainer Kalla (FDP) dagegen. Die Sanierung der Langen Straße sei damals auch teurer geworden. "Aber da hat die CDU mitgestimmt." Beim Blücherplatz handele es sich jetzt nicht nur um eine Straße, sondern um einen zentralen Platz, der den Bürgern durch die Umgestaltung Aufenthaltsqualität bieten könne. Und die Bürger würden hohe Steuern zahlen. "Also lasst uns ihnen auch mal etwas bieten." Er gab außerdem zu bedenken, dass die Betriebskosten für das Wasserspiel umgelegt auf alle 15.000 Bürger der Stadt gerade mal bei 66 Cent pro Einwohner und Jahr lägen. "Töricht, hier abzubrechen" Die Lange Straße sei die Haupteinkaufs- und Verkehrsstraße der Stadt, entgegnete Lars Hartwig. "Eine Investition in diese Straße wirkt sich positiv auf unseren Einzelhandel aus - darum war das eine sinnvolle Investition." "Es wäre sowas von töricht, in diesem Moment zu sagen, wir wollen das hier abbrechen", betonte Ralf Kinnius (UWG). Denn wenn der Platz nicht umgestaltet wird, müsste die Stadt die schon entstandenen Kosten von 350.000 Euro für den Planungswettbewerb und die Feinplanung des Siegerbüros komplett selber bezahlen. Die ISEK-Förderung von 70 Prozent hierfür gäbe es dann nicht. Wird der Platz umgestaltet, kommt ein Eigenanteil von insgesamt rund 550.000 Euro auf die Stadt zu. "Wir bekommen also für 200.000 Euro mehr einen fertig gestalteten Platz", betonte Kinnius. Auch CDU hat in der Jury für den Siegerentwurf gestimmt Er unterstrich außerdem, der Siegerbeitrag aus dem Planungswettbewerb sei einstimmig ausgewählt worden - mit den Stimmen der CDU. Ruth Pilgrim, die für die Christdemokraten in der Jury saß, entgegnete: "Ich war für diesen Entwurf - unter der Prämisse, dass wir die 1,1 Millionen Euro halten. Wenn ich gewusst hätte, dass es 1,8 Millionen Euro werden, hätte ich mich anders entschieden." "Es ist Geld, das gut eingesetzt ist, denn die Bürger haben einen unmittelbaren Nutzen davon", betonte dagegen Ralf Sieker (UWG). Das Konzept sei "in sich schlüssig", fand auch Alexander Luttermann (SPD). So hat die Politik abgestimmt Die Politik der letzten Jahre sei geprägt gewesen durch Mut, sagte Annegret Beckmann (SPD). Durch Mut, mit Fördermitteln etwas Positives für die Stadt zu erreichen. Das sei bei verschiedenen Projekten gelungen und habe der Stadt gut getan. "Und wir gehen diesen Weg weiter", unterstrich die SPD-Politikerin für ihre Partei. Bei 20 Ja-Stimmen und einer Enthaltung wurde der Blücherplatz-Entwurf des Siegerbüros Franz Reschke letztlich gegen zehn Nein-Stimmen der CDU angenommen. Die Planung soll jetzt umgesetzt werden - je nachdem, wann der Förderbescheid eintrifft noch im kommenden Jahr, spätestens aber 2021.

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