0
Autofrei: Der Blücherplatz soll nach Entscheidung des Spenger Hauptausschusses neu gestaltet und schön gemacht werden. Da hat Autoverkehr dann keinen Platz mehr. - © Andreas Sundermeier
Autofrei: Der Blücherplatz soll nach Entscheidung des Spenger Hauptausschusses neu gestaltet und schön gemacht werden. Da hat Autoverkehr dann keinen Platz mehr. | © Andreas Sundermeier

Spenge Hauptausschuss Spenge stimmt für den Umbau des Blücherplatzes

1,8 Millionen Euro: Lars Hartwig (CDU) sieht Kalkulationsfehler bei den Architekten. Bisher sind Kosten in Höhe von 350.000 Euro angefallen

Andreas Sundermeier
27.09.2019 | Stand 27.09.2019, 18:49 Uhr

Spenge. Lars Hartwig gibt zu bedenken: "Wenn wir das jetzt beschließen, ist die Entscheidung in Beton gegossen". Bildreich trifft er damit genau das Vorhaben des Spenger Hauptausschusses: Den Blücherplatz nicht nur zu sanieren, sondern auch - sicherlich unter Zuhilfenahme von Beton - so richtig schön zu machen. Mit neun zu sechs Simmen bei drei Enthaltungen hat die Spenger Politik jetzt genau das beschlossen. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Hartwig hatte dieses Votum verhindern wollen und einen Antrag auf Zurückweisung der Thematik in den Fachausschuss gestellt. Den lehnten die Lokalpolitiker mit elf zu sechs Stimmen bei einer Enthaltung ab. Hartwigs Begründung: Ihm erscheinen die kalkulierten Baukosten von 1,8 Millionen Euro zu hoch. Er wollte im Fachausschuss von den Architekten erfahren, wie sie auf diese Kosten kämen. Denn ursprünglich habe eine Summe von 900.000 Euro im Raum gestanden. Das bestätigte auf Anfrage auch Bürgermeister Bernd Dumcke. Er erläuterte aber, dass die 900.000 Euro lediglich eine erste Kostenschätzung aus dem Jahr 2015 gewesen seien; zu einem Zeitpunkt also, als die UWG erstmals vorgeschlagen hatte, den Blücherplatz zu sanieren und neu zu gestalten. Diese Summe sei über die Jahre in den Unterlagen stets übernommen worden. Doch eine erste realistische Kostenschätzung habe es erst mit dem Architektenwettbewerb gegeben. Und die betrage nun einmal 1,8 Millionen Euro. Der schönste machbare Entwurf Dumcke: "Wir haben uns für den schönsten machbaren Entwurf entschieden." Der beinhalte auch Wasserspiele, die mit Nebenkosten um die 300.000 Euro kosteten. Und die beinhalten auch die gebrannten Klinkersteine, die nicht flach, sondern aus Gestaltungsgründen hochkant gesetzt würden. Damit benötigen die Pflasterer doppelt so viele Steine. Zudem seien in den vergangenen fünf Jahren auch die Handwerkerkosten arg gestiegen. Dumcke wies in der Ausschusssitzung auch noch darauf hin, dass bisher Kosten in Höhe von 350.000 Euro für die Architekten und die Ausschreibung angefallen seien. "Wenn wir den Platz nicht bauen, ist das Geld trotzdem weg." Im Falle des Baus übernimmt das Land 70 Prozent der Kosten: Macht 550.000 Euro Eigenanteil für die Stadt. Hans-Jürgen Fischer (SPD) erklärte: "Seit 2014 wollen wir den Platz nicht nur neu gestalten und sanieren, sondern bezwecken auch eine Attraktivitätssteigerung. Sicherlich können wir dabei nicht alle Wünsche berücksichtigen. Und auch, dass sich die Summe verdoppelt hat, ist ärgerlich. Doch ehe wir 350.000 Euro in den Sand setzen, sage ich: weitermachen. Denn sanieren müssten wir ihn dann ja trotzdem." Derzeit parken dort nur Autos André Schröder (Grüne) erkannte: "Derzeit parken dort nur Autos. Der Platz hat fürs ,Schöne Leben' in Spenge keine Bewandnis. Der Wettbewerb war aus meiner Sicht aber ein Erfolg. Lasst uns den Platz mit Menschen, Vereinen und Gastronomie, mit Leben füllen." "Sehr ausgiebig" habe die Politik in den vergangenen Jahren den Vorschlag von Andreas Weike von der UWG diskutiert, erklärte dessen Fraktionschef Ralf Kinnius. Doch auch wenn die Umsetzung "teurer als erhofft" werden würde, appellierte er: "Lasst uns diesen Weg weiter gehen." Wenn der Platz nicht gebaut werde, müsse die Stadt mit den von Dumcke erwähnten eh´ anfallenden Kosten "fast das gleiche Geld" einsetzen. Zudem müsse der 30 Jahre alte Platz dann dennoch saniert werden. Komplett anderer Meinung war da Lars Hartwig: "Wir haben im Jahr 2015 schon 914.000 Euro bereit gestellt. Dann kam der Architektenwettbewerb - den wir nicht wollten - und jetzt liegen wir bei 1,4 Millionen. Da hat es doch einen Fehler in der Kalkulation geben. Die Planung enstpricht nicht den Anforderungen. Die Kosten laufen aus dem Ruder. Was passiert, wenn der Platz dann irgendwann 2 Millionen kostet?" Hartwig wollte Klärung. Und zwar im Fachausschuss in den die Angelegenheit zurück verwiesen werden sollte. Folgekosten für die Wasserspiele "Das kann ich nun gar nicht nachvollziehen", erklärte Rainer Kalla (FDP). "Wenn wir in einem Jahr damit durch sind, sind die Kosten doch noch weiter gesteigen." Reinhold Hübers (CDU) wies auf die "Folgekosten" für die Wasserspiele hin, deren Kalkulation er bisher noch nicht gesehen habe und sagte: "Wir hätten das Aussehen des Platzes ohne Wettbewerb mit den Planern und Bürger diskutieren sollen." Und den Bürgern müsse er jetzt sagen: "Ihr müsst viel bezahlen, dafür bekommt ihr aber ein Wasserspiel mit Licht." Ralf Sieker (UWG) erwiderte: "Das Planverfahren war für alle Teilnehmer eine gelunge Geschichte. Wenn wir den Platz jetzt nicht bauen, ist das so, als wenn wir im Sprung die Pferde wechseln würden." Und: "Ich denke, dass die laufenden Kosten überschaubar bleiben." Dumcke stimmte ihm zu. Bauen im Interesse der Enkelkinder Uwe Brinkmann (CDU) erklärte: "Der Platz ist 1986 das letzte Mal saniert worden. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und möchte im Interesse meiner Enkelkinder nicht mehr so lange warten." Pflaster und Brunnen seien "abgängig". Er schlug vor - um die nächsten Generationen nicht so stark zu belasten - die Kosten möglichst schnell abzutragen. Dumcke erwiderte, dass das nicht möglich sei; eine Abschreibung sei linear über 30 Jahre möglich; und damit auch die Verteilung der Kosten.

realisiert durch evolver group