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Mit Messingaugen: Würfelbecher und Würfel sind aus Knochenstreifen gefertigt. Meistens wurden dafür Rinderknochen verwendet. - © Alexandra Wilke
Mit Messingaugen: Würfelbecher und Würfel sind aus Knochenstreifen gefertigt. Meistens wurden dafür Rinderknochen verwendet. | © Alexandra Wilke

Spenge Alte Spiele in der Spenger Werburg neu entdeckt

In der jetzt neu eröffneten Ausstellung können Besucher Geschicklichkeits- und Strategiespiele aus früheren Zeiten ansehen - und diese auch auch direkt vor Ort selbst ausprobieren.

Alexandra Wilke
13.08.2019 | Stand 13.08.2019, 14:15 Uhr

Spenge. Normalerweise ist es ein absolutes Tabu, Exponate einer Ausstellung zu berühren. Das gilt jedoch – abgesehen von einzelnen Stücken – nicht für die neue Sonderausstellung in der Werburg, die am Freitagabend offiziell eröffnet wurde. Dem Titel „Spielerei!" entsprechend sind Besucher ausdrücklich dazu aufgefordert, mitzuspielen und anhand von Museumsrepliken und Nachbauten alte Spiele neu zu entdecken. „Tauchen Sie mit uns in die Welt der Spiele ein", forderte der Vorsitzende des Werburg-Vereins Werner Best und probierte sich sogleich selbst am Shuffleboard. Früher spielten Jung und Alt in allen Schichten zum Zeitvertreib Im Museum gibt es bereits seit einiger Zeit einen ganzen Raum, der über Spiele aus früheren Zeiten informiert. „Das Thema Spiel ist hier in der Werburg gewachsen und jetzt ist es so groß, dass wir eine ganze Ausstellung anbieten können", erläuterte Museumspädagogin Sonja Voss. Spiele als Format der Freizeitgestaltung hätten früher alle Schichten miteinander verbunden und seien ein Thema mit einer weit zurückreichenden Geschichte. So habe es vor 5.000 Jahren schon die ersten Brettspiele in Ägypten gegeben und auch regional deuten Funde auf die lange Historie hin, wie Werner Best berichtete: Bei Ausgrabungen an der Engeraner Umgehungsstraße im Jahr 2000 habe man etwa runde Keramikscherben gefunden, die wohl zu einem alten Mühlespiel gehörten und bei den Grabungsarbeiten an der Werburg sei man auf Murmeln gestoßen. „Das Schubsen von Murmeln übt Geschicklichkeit und Konzentration. Allerdings ging es früher weniger um die Ehre, sondern vielmehr um Geld. So mancher hat dabei Haus und Hof verloren", erläuterte Best. Abseits der Murmeln warteten Themen-Tische mit Glücks-, Brett- und Geschicklichkeitsspielen auf die Besucher: Bilboquet, Schach, Mühle, Dame oder auch Dodelschach. Letzteres lässt sich bis in das 12. Jahrhundert v. Chr. zurückverfolgen und ist heutzutage besser bekannt als Tic-Tac-Toe. Zinnfiguren für ein Ritterturnier und Würfel aus Knochenstreifen Außerdem zu sehen waren Zinnfiguren aus dem 17. und 18. Jahrhundert für ein Ritterturnier und Würfel mit Messingaugen, die aus Knochenstreifen vom Rind gefertigt wurden. Sogar Trinkspiele kannte man früher bereits und die hatten es in sich. „Spiele mit dem sogenannten Passglas begannen in der Regel auf dem Tisch und endeten unter dem Tisch", sagte Werner Best lachend. Die Regeln lauten wie folgt: Das mit Alkohol befüllte Passglas muss in einem Zug bis zu einem vorher festgelegten Pass (einem Ring im Glas) ausgetrunken werden. Hat sich der Spieler verschätzt und den Pass verfehlt, muss er das Glas leer trinken und es mit einem neuen, vollen Glas erneut versuchen. Zur Sicherheit aller Beteiligten wurde das Passglas dann doch in einer Vitrine aufbewahrt. Ansonsten hieß die Devise jedoch, selbst ausprobieren und drauflos spielen.„Die Ausstellung ist wirklich höchst interessant. Bei vielen Spielen kommt man sehr ins Nachdenken", verriet Regine Fißenebert. „Es ist schade, dass einige Spiele in Vergessenheit geraten sind." Umso wichtiger also, dass die Sonderausstellung in der Spenger Werburg zum spielerischen Wiederentdecken einlädt. Zukünftigen Besucher dieser kurzweiligen Ausstellung riet Regine Fißenebert: „Man muss alles in aller Ruhe ausprobieren. Dann bekommt man nach und nach auch die Fingerfertigkeit für diese Spiele."

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