0
Rückstände aus Kläranlagen auf landwirtschaftlichen Flächen auszubringen, wird künftig weitgehend verboten. - © Roland Thöring
Rückstände aus Kläranlagen auf landwirtschaftlichen Flächen auszubringen, wird künftig weitgehend verboten. | © Roland Thöring

Enger/Spenge Klärschlamm: Wie die Städte Enger und Spenge das Problem lösen wollen

In den Klärwerken von Enger und Spenge fällt eine Menge Klärschlamm an. Bis jetzt landet der auf den Feldern der Bauern. Jetzt wird nach neuen Lösungen gesucht.

Andreas Sundermeier
13.07.2019 | Stand 12.07.2019, 22:06 Uhr

Enger/Spenge. Sowohl der Engeraner als auch der Spenger Rat beschlossen in dieser Woche einstimmig, dass Westfalen Weser Energie (WWE) eine gemeinsame Klärschlammentsorgung der angeschlossenen Städte weiter verfolgen möge. Denn beide Städte sind - wie 52 andere Städte auch - Gesellschafter bei WWE. Und das Unternehmen hat vor, für Städte der Region die Entsorgung von Klärschlamm und Rückgewinnung von Phosphor zu übernehmen. Und um einen weiteren Schritt auf dem rechtlich komplizierten Weg dahin gehen zu können und weitere Verhandlungen führen zu dürfen, müssen alle 54 an der WWE beteiligten Kommunen zustimmen. "Phosphor for future" Der Gedanke: Die WWE-Gesellschaft bietet ein Rundum-Paket an: Sie organisiert den Klärschlamm-Transport von den jeweiligen Klärwerken per Lkw, Bahn oder auch Schiff zu dem Ort, an dem der Schlamm verbrannt wird. Zudem sollen der Masse Phosphorsäure, Metallsalze und Gips entzogen und recycelt werden. "Auch um die Umwelt zu schonen", sagte Markus Schmitt von der WWE, der in beiden Städten zu Gast war um die Politik zu informieren. "Wir müssen etwas für unsere Zukunft tun und nennen das ,Phorsphor for future'. " Im WWE-Angebot ist auch die Lagerung der entstandenen Klärschlammasche. Zudem soll auch die Abwärme in einem noch zu bauenden Wirbelschicht-Kraftwerk genutzt werden. Eine erste Modellkalkulation ergab einen Preis von bis zu 47 Millionen Euro für das Kraftwerk. Kraftwerk maximal 200 Kilometer entfernt Die WWE hat in den vergangenen Monaten europaweit Angebote eingeholt, denn die Gesellschaft sucht einen Partner, der das Kraftwerk baut, sämtliche Vorgaben der WWE erfüllt und - so ist es geplant - ab 2022 den gesammelten kommunalen Klärschlamm verbrennt. Mögliche Partner haben sich beworben und um die weiteren konkreteren Gespräche eintreten zu können, benötigte die WWE-Gesellschaft die Zustimmung der Anteilseigener. Laut Information von Markus Schmitt würden wohl mit drei potenziellen Partnern Gespräche geführt. Das Kraftwerk würde in einer Entfernung "von unter 200 Kilometern" gebaut. Die kalkulierten Entsorgungs- und Transportkosten je Tonne würden unter 100 Euro liegen. Zudem würde WWE den Kommunen anbieten, ihren Klärschlamm bereits ab 2020 zu entsorgen.Wie teuer die Entsorgung dann genau werden würde, könne derzeit noch nicht kalkuliert werden. Um mit dem Kraftwerksbetreiber und möglichen weiteren Dienstleistern verhandeln zu können, benötigt WWE als Kalkulationsgrundlage die genaue Menge an Klärschlamm. Wären das unter 80.000 Tonnen, würde sich das Modell nicht rechnen und käme nicht zustande. Bis 160.000 Tonnen könnte das Kraftwerk aber wohl pro Jahr verarbeiten. Vertragszeit: 25 Jahre Zur Kalkulation benötige WWE auf jeden Fall im Herbst dieses Jahres eine genaue und bindende vertragliche Übereinkunft mit den Städten über ihre Abgabemengen. Diese Entscheidung müssen die Politiker beider Städte spätestens im September fällen. Sie würden sich damit mindestens 25 Jahre - also über die Abschreibungszeit des Kraftwerkes - und gegebenenfalls noch für die Entsorgungszeit in den zwei Jahren davor vertraglich an die WWE-Gesellschaft binden.

realisiert durch evolver group