Ein Autofahrer wurde gleich zweimal mit Alkohol im Blut erwischt. - © Uli Deck
Ein Autofahrer wurde gleich zweimal mit Alkohol im Blut erwischt. | © Uli Deck

Bünde/Spenge Mann aus Spenge verursacht zwei Unfälle mit mehr als zwei Promille im Blut

In einer schweren persönlichen Situation griff der Angeklagte zum Alkohol und baute an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zwei Unfälle.

Celina Allard
12.07.2019 | Stand 11.07.2019, 18:16 Uhr

Bünde/Spenge. Es ist nicht selten, dass sich Autofahrer wegen Trunkenheit am Steuer vor dem Amtsgericht Bünde verantworten müssen. In diesem Fall setzte sich der Angeklagte aber an gleich zwei aufeinanderfolgenden Tagen alkoholsiert ins Auto und baute jedes Mal einen Unfall. Die Unfälle ereigneten sich im Dezember vergangenen Jahres. Vom guten Zuspruch seines Verteidigers ermutigt, berichtet der 55-Jährige, dass seine persönliche Situation damals nicht gut gewesen war. Seit 18 Jahren leite er einen Getränkemarkt und habe ein paar Tage vor den Trunkenheitsfahrten von der drohenden Arbeitslosigkeit erfahren. Der Vermieter des Marktes habe angeblich seit einem Jahr keine Miete bekommen und jetzt die fristlose Kündigung eingereicht. Sein Chef habe ihm dazu auch nichts sagen können, weshalb er sich große Sorgen gemacht und vermehrt zur Flasche gegriffen habe. Hinzu kommt der kaum bestehende Kontakt zu seinen beiden Kindern, die bei seiner geschiedenen Frau leben. Nach "drei bis vier" Liter Bier für die Mutter einkaufen gefahren Am 3. Dezember habe er dann drei bis vier Liter Bier zu sich genommen. Seine Mutter bat ihn daraufhin für sie Besorgungen zu tätigen. "Ich habe gar nicht darüber nachgedacht, dass ich ja schon etwas getrunken habe. Und da wollte ich es hinter mich bringen, damit ich den restlichen Tag wirklich frei habe", berichtet der Angeklagte vor Gericht. Mit einer Blutalkoholkonzentration von 2,42 Promille habe er auf der Fahrt zu spät erkannt, dass das Auto vor ihm bei grün nicht anfuhr. Er habe versucht zu bremsen, sei aber abgerutscht und verursachte so einen Unfall. Der Schaden beläuft sich auf 500 Euro. Noch am selben Tag wurde ihm der Führerschein entzogen. Am nächsten Tag sei der Spenger zur Arbeit gefahren und habe dort noch mehr Alkohol konsumiert. Laut seiner Aussage wollte er mit dem Auto dann nicht mehr nach Hause fahren und sich ein Taxi rufen. Damit der Wagen, der seiner Mutter gehört, an einer geschützteren Stelle steht, habe er ihn auf dem Parkplatz umparken wollen. Dabei fuhr er in den Zaun und beschädigte einen weiteren Pkw. Der Schaden hier beläuft sich auf mehr als 1.400 Euro. Die eintreffenden Polizisten stellten eine Blutalkoholkonzentration von 2,8 Promille fest. Zusätzlich kommt noch hinzu, dass er diese Tat ohne den Besitz eines Führerscheins begangen hat. Erst Entgiftung, dann Psychotherapie Jetzt arbeitete der Angeklagte daran, sich von seiner Alkoholerkrankung zu lösen. Im Februar begab er sich in Behandlung bei der Caritas in Melle, im April ließ er sich im Klinikum Herford entgiften. Anschließend ließ er sich sechs Wochen lang in einer Fachklinik für Suchtmedizin und Psychotherapie betreuen. Ab nächster Woche Mittwoch werde er sechs Monate lange eine ambulante Rehabilitation machen. Seit zwölf Wochen sei er nun schon trocken. Das kommt ihm auch bei der Verurteilung zugute. Die Richterin verurteilt ihn zu 90 Tagessätzen zu jeweils 40 Euro und neun weiteren Monaten Führerscheinentzug. "Sie haben sich geständig und einsichtig gezeigt. Sie haben sich außerdem nach der Tat direkt selbst um Hilfe gekümmert. Das zeigt, dass Sie ihr Fehlverhalten reflektiert haben. Zudem haben Sie keine weiteren Vorstrafen", sagt die Vorsitzende. Das Privatleben des Angeklagten habe sich in der Zwischenzeit wieder verbessert. Die Arbeitsstelle habe er behalten und dort würde man ihn unterstützen. Von einer drohenden Kündigung habe er lange nichts gehört. "Ich habe wahnsinnige Fehler gemacht und ich weiß, dass das jetzt die letzte Chance ist", sagt er im Schlusswort.

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