Bedeutend: Die Wallenbrücker Orgel in der Marienkirche. Archivfoto: Julia Gesemann
Bedeutend: Die Wallenbrücker Orgel in der Marienkirche. Archivfoto: Julia Gesemann

Spenge Entdeckung macht Wallenbrücker Orgel zum bedeutenden Kunstwerk

Eine zufällig am Unterbau des Instruments entdeckte Signatur weist darauf hin, dass es vor rund 400 Jahren von einem namhaften Orgelbauer errichtet worden ist. Experten sprechen von einer Sensation.

Ekkehard Wind
14.06.2019 | Stand 14.06.2019, 17:04 Uhr

Spenge. Es gibt neue Erkenntnisse zur Geschichte der Wallenbrücker Orgel. Orgelhistoriker Andreas Kamm hat eine Inschrift am Orgelgehäuse gefunden, aus der nach aller Wahrscheinlichkeit zu schließen ist, dass die erste Orgel in Wallenbrück 1624 von Ernst Bader erbaut wurde. Die Initialen E und B sowie die Jahreszahl 1624 habe Kamm bei Fotoaufnahmen durch Zufall am Unterbau des Rundturmes der Orgel entdeckt, berichten Hinrich Paul, Vorsitzender des Orgel-Fördervereins, und Markus Malitte, der den Orgelausschuss leitet. Eine Entdeckung, die Folgen haben könnte. Sensationeller Fund "Das ist schon sensationell", sagt Hinrich Paul. Es gibt nach Angaben von Andreas Kamm allen Grund zu der Annahme, in den Initialen ein Signum von Ernst Bader zu sehen. Dessen Vater Daniel sei der Begründer einer schon im 17. Jahrhundert hoch angesehenen Orgelbauer-Dynastie, deren Werke in gutem Ruf standen. Über Ernst Bader sei wenig bekannt. Er habe 1626/27 am Umbau der Herforder Münsterorgel zusammen mit seinem Vater gearbeitet, war also ganz in der Nähe tätig. Die Orgelbauerfamilie Bader habe zwischen 1600 und 1742 eine führende Position im nordwesteuropäischen Raum gehabt. Demnächst in der Liste Nationaler Denkmäler? Die Bedeutung der Wallenbrücker Orgel ist nach Einschätzung des Experten Kamm jetzt neu zu bewerten "und es ist danach zu fragen, ob sie als Kunstwerk von europäischem Rang jetzt auch in die Liste der Nationalen Denkmäler aufgenommen werden kann". Etwas andere "Rückrufaktion" Die Kirchengemeinde hatte vor wenigen Wochen eine etwas andere "Rückrufaktion" gestartet. Bei einer Versteigerung im Februar 1976 kamen rund 600 Pfeifen aus der damaligen Orgel der Marienkirche unter den Hammer – darunter auch etwa 200 barocke Metallpfeifen. Sie wurden für den Neubau des Instruments 1976 nicht mehr benötigt. Heute allerdings sind die rund 200 Barockpfeifen, die damals verkauft wurden, für die Kirchengemeinde wieder von großem Interesse. Wie berichtet, soll die barocke Orgel der Marienkirche restauriert werden. Die Gemeinde fragte darum, ob aus dem Verkauf von damals noch Pfeifen aus dem 17. und 18. Jahrhundert in der Bevölkerung existieren. Rund 70 alte Pfeifen hat die Gemeinde aus der Bevölkerung zur Ansicht bekommen. "Drei von den 70 wird ein Orgelexperte noch genau prüfen", sagt Markus Malitte. Den gesuchten Pfeifen kommt aus heutiger Sicht besondere Bedeutung zu. Denn ein Restaurierungsziel sei es, den originalen Klang der Barockorgel zurückzugewinnen, sagt Hinrich Paul. Und für die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands seien schon einzelne barocke Pfeifen von größtem Wert: Sie enthielten viele wichtige Informationen zur Bauart eines ganzen Registers und zum Klangcharakter.

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