Pastorin Elke Berg leitete den Gottesdienst unter freiem Himmel. - © Mareike Patock
Pastorin Elke Berg leitete den Gottesdienst unter freiem Himmel. | © Mareike Patock

Spenge Gemeindehaus Mantershagen feiert Jubiläum

Vor 50 Jahren wurde das Gebäude am Kreuzfeld eingeweiht - das feierte die evangelische Gemeinde am Pfingstsonntag mit einem Freiluftgottesdienst, buntem Programm und skurrilen Anekdoten

Mareike Patock
10.06.2019 | Stand 10.06.2019, 11:38 Uhr

Spenge. Auf einem Tisch im großen Saal des evangelischen Gemeindehauses Mantershagen liegen zwei alte, ledergebundene Alben. Schwarzweiß-Bilder sind darin und Zeitungsausschnitte. Sie erinnern an das Gemeindeleben in den späten 1960er und frühen 70er Jahren: an Theaterstücke und Feiern - besonders aber an ein Ereignis im Jahr 1969. Damals, am 31. Oktober, wurde das neue Gemeindehaus in Mantershagen feierlich eingeweiht. 50 Jahre ist das her. Zwar ist es bis zum offiziellen Geburtstag im Oktober noch ein paar Monate hin, die Gemeinde feiert das 50. Jubiläum aber schon an diesem Pfingstsonntag. Und dabei kommt so manch skurrile Geschichte über das Gebäude zutage: Es geht zum Beispiel um eine alte Ulme, eine Zinkwanne voll mit Kartoffelsalat, zivilen Ungehorsam - und einen Beinahe-Brand. Am Morgen lädt die Kirche zunächst zu einem Freiluftgottesdienst auf die Wiese hinter dem Gemeindehaus ein. Mehr als 100 Besucher kommen bei perfektem Wetter. Einige haben große Schirme mitgebracht, um sich vor der Sonne zu schützen. Der Kirchenchor Wallenbrück singt und auch der örtliche Posaunenchor spielt einige feierliche Stücke. Die Predigt hält Pfarrerin Elke Berg - und sie erinnert in dem Gottesdienst auch daran, welch große Rolle das Gemeindehaus nach wie vor für viele Gemeindeglieder spiele. "Für viele Menschen bedeutet es sehr viel", sagt sie. Um es erhalten zu können, werde zum Teil sogar freiwilliges Kirchgeld gezahlt. Zeitzeugen berichten Nach dem Gottesdienst füllt sich der große Saal des Gebäudes. Die Gemeinde lädt jetzt zu einer Diskussionsrunde mit Zeitzeugen ein, die den Bau des Hauses miterlebt oder sogar daran mitgewirkt haben. Als besonderer Gast ist Heinz-Georg Scholten gekommen. Von 1965 bis 1972 war er Pastor in Wallenbrück. Viele Besucher im Saal kennen ihn noch von damals - als er ihr Pfarrer war. Neben Scholten auf dem Podium sitzen Gerd Deuker, der als Maurer für den Bau des Gemeindehauses zuständig war, und Karl Stöwe, der die Tischlerarbeiten übernommen hat. Außerdem ist der ehemalige Presbyter Fritz Sabbert dabei und Christa Gerdener, die sich ebenfalls noch gut an den Bau erinnern kann. Der Vorsitzende des Spenger Presbyteriums, Ingo Thiele, moderiert die Runde. Als das alte Gemeindehaus aus dem Jahr 1928 abgerissen werden sollte, weil es nicht mehr zeitgemäß war, habe es groß keine Abrissfirma gebraucht, erinnert sich Scholten: "Ein paar Tage vorher kamen die Bauern aus der Gegend und holten sich alle Ziegel." Und auch anderes Baumaterial, was sie weiterverwerten konnten. Eine Art frühes Recycling. "Ich wollte für die Gemeinde bauen - und nicht für die Behörde" Scholten berichtet auch, dass die von der Gemeinde ursprünglich angedachte Planung für das neue Gemeindehaus vom zuständigen Kirchenamt so zunächst nicht durchgewunken worden sei. Er habe das jedoch ignoriert - und die Ursprungsplanung umgesetzt. "Denn ich wollte für die Gemeinde bauen und nicht für die Behörde." An eine buchstäblich brenzlige Situation erinnert sich der ehemalige Wallenbrücker Pastor auch noch. Nur kurz nach der Einweihung des Hauses, im Jahr 1971, sei es zu einem Beinahe-Brand gekommen. Die damalige Gemeindeschwester habe eine brennende Kerze in ihrem Raum vergessen. Glücklicherweise hätten Bläser des Posaunenchores, die zu der Zeit ebenfalls im Gebäude waren, den Qualm bemerkt und das Schlimmste verhindert. "Aber der Raum der Gemeindeschwester war schwarz." Baumaterial aus dem Pfarrgarten Tischlermeister Karl Stöwe erzählt anschließend, wie die hölzerne Kassettendecke im großen Saal entstanden ist: "Ihr Ursprung liegt im Pfarrgarten in Wallenbrück." Um Baumaterial für die Decke zu bekommen, sei eine Ulme aus dem Pastorengarten gefällt worden. Aus ihrem Holz sei die gesamte Kassettendecke mit 375 Platten entstanden. Nach der Diskussionsrunde steht ein Auftritt der Gruppe Spieltrieb auf dem Plan. Außerdem singt der Chor des Vereins "Asyl Spenge". Dazu können sich die Besucher mit Kaffee, Kuchen und Bratwurst stärken. Was es kulinarisch am Tag der Einweihung des Gemeindehauses 1969 gab, weiß Heinz-Georg Scholten ebenfalls noch: "Da brachte die Familie Mönk Kartoffelsalat vorbei - und zwar eine ganze Zinkwanne voll."

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