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In Stein gemeißelt: Der Kurs Steinbildhauerei war bei den Werburger Kreativtagen stets ausgebucht – auch im letzten Jahr. Nun fällt er wie alle anderen Angebote erst einmal aus. - © Eric Pielsticker
In Stein gemeißelt: Der Kurs Steinbildhauerei war bei den Werburger Kreativtagen stets ausgebucht – auch im letzten Jahr. Nun fällt er wie alle anderen Angebote erst einmal aus. | © Eric Pielsticker

Spenge Keine Kreativtage an der Spenger Werburg

VHS streicht Sommerakademie: Zu wenig Anmeldungen für die meisten Kurse. Bildungsträger orientiertsich an gesellschaftlichem Bedarf und setzt Prioritäten. Stadt Spenge will den Dialog suchen

Martina Chudzicki
05.04.2019 | Stand 04.04.2019, 16:15 Uhr

Spenge. In diesem Jahr wird es an der Werburg in Spenge keine Kreativtage geben. Zehn Jahre lang wurde im malerischen Ambiente der Werburg Sommer für Sommer gewerkelt und gehämmert, gewebt, geflochten, geschnitzt oder gemalt. Jetzt hat die Volkshochschule im Kreis Herford die weit über die Spenger Stadtgrenzen hinaus bekannte „Sommerakademie" aus dem diesjährigen Programm genommen. Der Grund: zu wenige Anmeldungen in vielen der angebotenen Kurse, so die zuständige Fachbereichsleiterin Ulrike Koebke. Optimismus war nicht angebracht Das hatte am Ende der Kreativtage im letzten Sommer noch ganz anders geklungen. Dort hatte sich Koebke gegenüber der NW noch über „stets 50 bis 70 Teilnehmer" gefreut und die nächsten Kreativtage für den 17. bis 25. August diesen Jahres angekündigt. Dieser Optimismus, so räumt die Bereichsleiterin für Kultur und Gestalten jetzt ein, sei aber schon damals nicht angebracht gewesen. Nur fünf von elf Kursangeboten kostendeckend belegt Tatsächlich seien im Sommer 2018 von den elf angebotenen Kursen nur fünf so stark belegt gewesen, dass sie kostendeckend waren. „In sechs Kursen hat es dagegen nur jeweils zwei Teilnehmer gegeben", sagt sie. Fünf müssten es aber mindestens sein, wenn ein Kurs sich rentieren solle. Insgesamt besuchten im letzten Jahr nur 42 Teilnehmer einen der Kurse. In Absprache mit der VHS-Leitung habe man deshalb beschlossen, in diesem Sommer zu pausieren. Darüber sei die Stadt in einem Gespräch bereits vor einiger Zeit informiert worden. Kein endgültiges Aus Koebke betont, dass die diesjährige Pause nicht das endgültige Aus der Werburger Kreativtage bedeute. „Wer weiß, wozu diese Pause gut ist", sagt sie. Die Stadt Spenge habe darum gebeten, neue Konzepte und Ideen zu entwickeln, damit die Werburg künftig wieder mit Leben gefüllt werde. „Denn das war ja mal ein Ziel des Angebots", sagt Koebke. Möglicherweise hat zu der Entscheidung der VHS, in Spenge zu pausieren, auch die Tatsache beigetragen, dass sich die Fachbereichsleiterin in diesem Jahr gleich um zwei weitere Projekte – „zusätzlich zu meinem Teilzeitjob" – kümmern muss. Kreativtage waren sehr arbeitsintensiv In Bünde startet im Sommer das Angebot „BünderGestalten". Dieses Kreativangebot ähnelt den Spenger Kreativtagen, allerdings wird es mit öffentlichen Geldern gefördert und richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene. Darüber hinaus, so Koebke, betreue sie in Zusammenarbeit mit dem Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Herford ein Projekt für junge Migranten. „Beides ist sehr arbeitsintensiv", betont Ulrike Koebke. Genau das seien auch die Spenger Kreativtage stets gewesen, ergänzt sie. Unterstützung von der Stadt Spenge habe sie dabei allerdings nur wenig bekommen. Über die Vorbereitung, das Herrichten der Räumlichkeiten bis hin zum Klo putzen habe sie quasi alles allein machen müssen. „Der Aufwand war enorm und alles lag auf meinen Schultern." Genügend andere Angebote Nicht zuletzt, so sagt Koebke schließlich, sei die VHS ein gemeinnütziger Bildungsträger und ein Dienstleister, der genau schauen müsse, was der gesellschaftliche Bedarf sei und welches Angebot dazu passe. Die Spenger Kreativtage hätten sich an eine Zielgruppe gerichtet, die andere Möglichkeiten hätte, entsprechende Kurse zu besuchen: „Kreativkurse wie in Spenge gibt es in erreichbarer Nähe beispielsweise in Borgholzhausen oder in Hiddenhausen." Das sei für Jugendliche oder junge Menschen mit Migrationshintergrund anders, als VHS müsse man da auch Prioritäten setzen. Stadt will das Gespräch suchen Die Stadt Spenge bedauert das vorläufige Aus für die Werburger Kreativtage. Bürgermeister Bernd Dumcke äußert allerdings auch Verständnis dafür, dass die VHS ein Angebot aus dem Programm streiche, wenn es nicht mehr auf genügend Resonanz stoße. Man müsse jetzt in einen Dialog mit der VHS eintreten, um gemeinsam zu schauen, was künftig vielleicht das richtige Angebot für Spenge sein könnte – auch, was die Räumlichkeit angehe. Gesprochen werden  müsse dann sicherlich auch über den für ihn nicht nachvollziehbaren Vorwurf der VHS-Mitarbeiterin, von der Stadt Spenge nicht genügend unterstützt worden zu sein. Fototag statt Kreativtagen Eins schließt der Bürgermeister jedoch schon jetzt kategorisch aus: die Stadt Spenge werde nicht in die Bresche springen und einige der bis zum Schluss gut besuchten Kurse wie etwa die Holz- oder Steinbildhauerei in Eigenregie anbieten. „Wir sind keine zweite Mini-VHS, für Bildungsangebote ist ausschließlich die VHS zuständig!" Die hat sich entschieden, statt der Kreativtage an der Werburg in diesem Sommer einen Fotografie-Workshop in Spenge anzubieten. Im Blick hat sie dabei auch hier offensichtlich vor allem junge Leute, denn angeboten wird der Fototag im Jugend- und Kulturzentrum Charlottenburg.

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