Jede Menge Äpfel: In diesem Jahr hängen die Bäume besonders voll. Profitieren davon könnte die Ev. Kirchengemeinde Spenge, denn für ihren Paradiesapfelsaft werden viele Früchte gebraucht. Ab heute werden die Äpfel wieder angenommen. Foto: NW-Archiv/Boss
Jede Menge Äpfel: In diesem Jahr hängen die Bäume besonders voll. Profitieren davon könnte die Ev. Kirchengemeinde Spenge, denn für ihren Paradiesapfelsaft werden viele Früchte gebraucht. Ab heute werden die Äpfel wieder angenommen. Foto: NW-Archiv/Boss

Spenge/Enger Apfelernte 2018: Wohin bloß mit den vielen Früchten?

Gartenbesitzer verschenken Früchte gleich eimerweise, Lohnmosterei stellt sich auf Riesenansturm ein und die Ev. die Kirchengemeinde Spenge auf ganz viel Paradiesapfelsaft

Martina Chudzicki

Spenge/Enger. „Kann ich dir einen Eimer voll Äpfel vorbei bringen?" In diesem Jahr ist das die Standardfrage vieler Apfelbaumbesitzer. Freunde, Nachbarn, Arbeitskollegen – niemand entkommt dem Apfelsegen, denn in diesem Jahr hängen die Apfelbäume übervoll. So, als wollten sie ihre Besitzer für den katastrophalen Ernteausfall im vergangenen Herbst überreich entschädigen. Manch einen aber treibt das Super-Apfel-Jahr fast in die Verzweiflung. Wohin bloß mit den vielen leuchtend roten, grünen und gelben Früchten? Im Garten von Dirk und Sybille Löbbe stehen vier Apfelbäume: ein Glockenapfel, eine Goldparmäne, ein Ontario und ein Klarapfel. Letzterer, so sagt Sybille Löbbe, ist eigentlich ein typischer Augustapfel und für den schnellen Verzehr gedacht. „In diesem Jahr haben wir bereits im Juni mit der Ernte angefangen," sagt sie. Der heiße Sommer hat es möglich gemacht. Die Äpfel hätten am Baum regelrecht „gekocht". Derzeit sind sie und ihr Mann dabei, die anderen Bäume abzuernten. Der Ontario macht dabei noch am wenigsten Probleme, wenn es um die Frage der Verwertung geht. „Das ist ein toller Lagerapfel, der im Winter eine speckige Haut entwickelt und sich toll für Bratäpfel eignet." Goldparmäne und Glockenapfel verarbeiten die Löbbes dagegen auf vielfältige Weise: Apfelmus, Apfelkuchen, Gelee, Apfelbutter – sie tüfteln an vielen Rezepten, um den Erntesegen irgendwie zu konservieren. Dörrautomat ist ständig im Einsatz Ständig in Betrieb ist derzeit auch ihr Dörrautomat. Gleich in mehreren Lagen trocknen die Äpfel zu knusprigen Apfelringen. „Die tauchen wir anschließend oft auch in Schokolade. Diese Apfel-Schoko-Ringe sind immer ein beliebtes Mitbringsel." Und weil trotz all dieser Anstrengungen die Apfelernte nicht komplett verarbeitet werden kann, greifen die Löbbes zu einer weiteren Lösung, mit der sie schon in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht haben und die man in diesen Tagen immer öfter sieht: sie stellen eine Kiste voller Äpfel an den Straßenrand. Jeder, der vorbei kommt, kann sich bedienen. Im Garten von Gaby Schlüter steht ein James-Grieve-Apfelbaum – auch er hängt voller Früchte. Allerdings gibt es bei der Ernte ein Problem: „Wenn ich einen Apfel pflücke," sagt Gaby Schlüter, „fallen zehn weitere herunter! So dicht hängen die Äpfel an den Ästen." Ein großer Ast, so bedauert sie, sei unter der Last der Früchte sogar komplett abgebrochen. Äpfel kleiner als sonst Der lange heiße Sommer, das sagt Simone Barteldrees von der gleichnamigen Lohnmosterei in Halle habe zwar viele Früchte hervorgebracht. Die Äpfel aber, so hat sie festgestellt, seien „kleiner als sonst und relativ trocken". Für die Lohnmosterei, zu der auch viele Gartenbesitzer aus Spenge und Enger ihre Früchte bringen, bedeutet das vor allem erst einmal mehr Arbeit. Denn es müssen deutlich mehr Früchte gepresst werden, damit am Ende so viel Saft dabei herauskommt, wie in normalen Erntejahren. In der Lohnmosterei rechnet man in diesem Herbst mit „einem Riesenansturm". Die Pressen wurden bereits im August angeworfen. „Sonst starten wir erst in der ersten oder zweiten Septemberwoche", sagt Barteldrees. Normalerweise geht die Saison für den Apfelsaft bis in den November hinein. „Diesmal werden wir wohl Ende Oktober durch sein", sagt die Firmenchefin, die den Betrieb gemeinsam mit ihrem Mann Joachim führt. „Bis dahin liegen aber harte Wochen vor uns", prognostiziert sie. Der Betrieb richtet sich darauf ein, die Presszeiten auszuweiten. „Dann arbeiten wir in Wechselschichten auch in der Nacht."  Erlös ist für einen guten Zweck bestimmt Ein Großkunde der Mosterei ist die Ev. Kirchengemeinde Spenge. Schon seit zehn Jahren sammeln ehrenamtlich Mitarbeitende von heimischen Gartenbesitzern überschüssige Äpfel, um sie in Halle vermosten zu lassen und das Produkt für den guten Zweck zu verkaufen. Der Erlös geht jeweils zur Hälfte an die eigene Jugendarbeit und an in soziale Not geratene Menschen in Spenge. In diesem Jahr könnte den Spengern ein Spendenrekord beschert werden. Denn, so schreibt auch die Kirchengemeinde: „Im Jahr 2018 scheint es der Herr besonders gut zu meinen mit den Apfel-Freunden." Und weil die Ernte durch das „ganz besondere" Wetter in diesem Sommer schon früher begonnen hat als in vergangenen Jahren, startet die Kirchengemeinde mit ihrer Apfelsammel-Aktion ebenfalls früher. Am Gemeindehaus abgeben Bereits ab diesem Samstag, 8. September, können in der Zeit von 9 bis 13 Uhr wieder Äpfel am Gemeindehaus in Spenge, Lange Straße 70-72, abgegeben werden. Bis Ende Oktober wird an jedem Samstag in dieser Zeit Obst angenommen. Wer samstags keine Zeit hat, kann die Äpfel auch montags oder dienstags jeweils von 7 bis 18 Uhr direkt zur Fruchtsaftkelterei Barteldrees nach Halle, bzw. zur Annahmestelle St. Annen, gleich hinter der Landesgrenze zu Niedersachsen bringen und sich dort einen entsprechenden Gutschein ausstellen lassen. Das Etikett des Spenger „Paradies-Apfelsaftes" wird in diesem Jahr ein Vers aus dem 13. Psalm zieren: „. . . dass uns auch der Herr Gutes tue, und unserem Land Frucht gebe." In diesem Sinne kann auch Gutes tun, wer keinen eigenen Apfelbaum im Garten hat – indem er später den Saft aus Spenge kauft.

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