In die weite Welt: Abiturientin Jette Momberg verbringt die nächsten zwölf Monate im südamerikanischen Peru. Dort leistet sie im Haus der Kulturen Lerndienst, indem sie Schülern das Flötespielen beibringen wird. Foto: Alexander Lange - © Alexander Lange
In die weite Welt: Abiturientin Jette Momberg verbringt die nächsten zwölf Monate im südamerikanischen Peru. Dort leistet sie im Haus der Kulturen Lerndienst, indem sie Schülern das Flötespielen beibringen wird. Foto: Alexander Lange | © Alexander Lange

Spenge Spengerin gibt Musikunterricht im Schatten der Anden

Auslandsjahr: Jette Momberg aus Spenge leistet ab August ein Jahr Lerndienst in Peru. Dort wird sie im Haus der Kulturen Querflötenunterricht geben und den Grundschülern Englisch beibringen

Alexander Lange

Jette Momberg will weg. Einfach weg und raus in die weite Welt. Am 18. August startet ihr Flieger vom Frankfurter Flughafen. Ziel: Lima in Peru. Dann heißt es für die frischgebackene Abiturientin Mazamorra Morada statt ostwestfälischem Pickert und wandern in den Anden statt im Teutoburger Wald. In Peru, genauer gesagt in der Kleinstadt Pacasmayo, wird sie dann Lerndienst leisten. Im Casa de la cultura, dem Haus der Kulturen: „Ich habe schon seit ein oder zwei Jahren darüber nachgedacht, was ich nach dem Abi machen möchte." Nach längerer Überlegung stand für sie fest: Kein Studium und auch keine Ausbildung. „Ich brauche erstmal Abstand von dem ganzen Lernalltag. Ich möchte jetzt etwas machen, wo ich so richtig Lust drauf habe." Aufstände in Nicaragua Über eine Veranstaltung an ihrer Schule, der Regenbogen-Gesamtschule, wurde sie auf einige Freiwilligendienste aufmerksam. Einer dieser Dienste war „Weltwärts" des Welthauses Bielefeld. Über die Einrichtung, so Momberg, werden Freiwillige in die ganze Welt entsendet, vor allem nach Südamerika und Afrika. Jette Momberg bewarb sich für ein Hilfsprogramm in Nicaragua. Doch die dortigen Aufstände machten ihr einen Strich durch die Rechnung: „Ende Mai, pünktlich zu meinem Geburtstag, kam dann die Absage. Eine Ausreise nach Nicaragua findet nicht statt." Also alles auf Anfang: „Wir durften uns dann für andere Länder entscheiden, meine Wahl fiel nach etwas Überlegung auf Peru." Trotz allem hin und her ist Jette Momberg jetzt aber glücklich und voller Vorfreude: „Das Projekt im Haus der Kulturen ist total toll. Direkt an der Küste, dann kann ich auch ein bisschen Sonne tanken." Dort wird Momberg dann Kindern und Jugendlichen Musikunterricht auf der Querflöte geben und in einem Orchester spielen und helfen. Denn seit ihrem dritten Lebensjahr ist die Musikschule Mombergs zweites Zuhause. Begonnnen hat alles mit der Blockflöte, dann folgte die Querflöte und dann das Klavier. Ganz alleine wird sie dort aber nicht sein. Gemeinsam mit einem Mädchen aus Oerlinghausen, die Geige spielt, wird sie Musik unterrichten: „Wir haben uns auch schon kennengelernt, haben geplant wann wir einkaufen und sowas. Wir verstehen uns schon echt gut." Rassismus, Konflikte, Sexismus und Gewalt Beim reinen Musikunterricht wird es aber wohl nicht bleiben. Auch in der örtlichen Grundschule soll Momberg Englisch-Unterricht geben, eventuell sogar ganz alleine: „Schulmaterial gibt es da gar nicht. Ich habe deshalb schon bei meiner Grundschule in Spenge angerufen, um Materialien zu beschaffen." Durch die Vorbereitungsseminare fühle sie sich aber gut auf die Zeit vorbereitet, sagt sie. Auch wenn es noch etwas an den Spanisch-Kenntnissen hapere: „Wir haben natürlich viel über die Projekte und über das Land kennengelernt. Aber genauso über Rassismus, interkulturelle Konflikte, Sexismus und Gewalt." Ein bisschen aufgeregt ist sie aber trotzdem noch: „Ich glaube schon, dass es eine Herausforderung wird. Ich glaube es ist einfach anders als hier in Deutschland, ein anderes Land, eine andere Kultur." Ein Jahr Back-Packing in Australien oder Au-Pair in den USA, das stand für sie deshalb nicht zur Debatte: „Ich möchte einfach etwas für die Entwicklungszusammenarbeit machen. Und weil ich mir vorstellen kann, später in dieser Richtung zu arbeiten, war die Entscheidung schon relativ klar." Ihr Zuhause, Spenge, Familie und Freunde wird sie natürlich vermissen, sagt Momberg: „Aber das gehört dazu. Es gibt einfach Phasen, da muss man sich durchbeißen. Aber Angst habe ich nicht." Denn jetzt will sie erstmal weg und raus in die weite Welt.

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