Großeinsatz: Die Spenger Feuerwehr bringt den Brand im Uhren- und Schmuckgeschäft und im dahinter liegenden historischen Teil des Gebäudes unter Kontrolle. - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Großeinsatz: Die Spenger Feuerwehr bringt den Brand im Uhren- und Schmuckgeschäft und im dahinter liegenden historischen Teil des Gebäudes unter Kontrolle. | © Frank-Michael Kiel-Steinkamp

Spenge Sprengung eines Geldautomaten zerstört historisches Haus in Spenge

Haus Seippel mit Schmuckgeschäft Hellmann an der Langen Straße nach anschließendem Brand schwer beschädigt

Frank-Michael Kiel-Steinkamp
31.03.2018 | Stand 31.03.2018, 14:41 Uhr |

Spenge. Das Uhren- und Schmuckgeschäft Hellmann und das baulich verbundene historische Haus Seippel an der Langen Straße 49 gegenüber dem Spenger Rathaus sind am Samstagmorgen kurz vor  4 Uhr bei der  Sprengung eines  Geldautomaten der Deutschen Bank im Gebäude  schwer beschädigt worden. In dem  Haus lebt ein 78 und 73 Jahre altes Ehepaar, das vom Knall geweckt wurde aber unverletzt blieb, aus dem Haus fliehen   und unter dem Eindruck des schrecklichen Geschehens  bei erwachsenen Kindern unterkommen konnte. Verletzt wurde niemand. Die Höhe des Schadens ist noch nicht zu beziffern. Ob Beute gemacht wurde, mochte die Polizei nicht sagen. Es darf vermutet werden, dass die Täter die Wirkung ihres explosiven Stoffes unterschätzt haben. Täter auf der Flucht Die Polizei fahndet aufgrund konkreter Hinweise nach  den Tätern in der Region. Polizeisprecher Steven Haydon hat die Sprengung des Geldautomaten inzwischen bestätigt.  Die Lange Straße war bis 11 Uhr gesperrt. Der Tatort ist für die Experten der Kriminalpolizei aber noch nicht betretbar. Nach Einschätzungen der Fachleute vom Technischen Hilfswerk, das sagte am Samstagmorgen der stellvertretende Spenger Wehrführer Klaus Greulich, sei das Haus ""ganz klar einsturzgefährdet". Kurz nach 4 Uhr wurden Nachbarn in der  gegenüberliegenden Buchhandlung Nottelmann von einem lauten, explosionartigen  Knall geweckt.  Anne-Juliane Nottelmann  beobachtete aus dem Fenster ein kleines Feuer am Geldautomaten, der sich noch als Überbleibsel einer früheren Filiale der Deutschen Bank im Eingangsbereich des Uhren-, Brillen- und Schmuckfachgeschäftes Hellmann befindet, und alarmierte die Feuerwehr. "Ich war noch am Telefon, da gab es einen zweiten, noch lauteren Knall", beschreibt sie  die dramatischen Minuten. "Da war auf einmal alles kaputt." In dem Moment brach ein größerer Brand aus, der große Teile des Hauses erfaßte, bevor die Feuerwehr eintraf. Die Nachbarin: "Alles brannte lichterloh." Nach ihrer Beobachtung wurden die Auslagen des Schmuckgeschäftes nicht geraubt. Historisch wertvolles Gebäude Der Feuerwehr gelang es zu verhindern, dass der Dachstuhl "durchzündete". Damit hätte es eine Verpuffung gegeben und vom Haus wäre wohl wenig zu retten gewesen. Das Haus Seippel ist eines der historisch bedeutendsten Gebäude in Spenge. In den Neubau von 1865 zog die 1841 eröffnete Spenger Post ein. Das ist heute von der Durchgangsstraße Lange Straße aus kaum mehr zu ahnen.  Ein moderner  Vorbau, in dem  lange Jahre eine Filiale der Deutschen Bank untergebracht war und in dem aktuell das Schmuckgeschäft betrieben wird, bestimmen das Bild. Nach Explosion und Brand bot sich Nachbarn und Feuerwehr ein verheerendes Bild: Die großen Schaufensterscheiben des Schmuckgeschäftes waren aus den Rahmen auf die Straße geschleudert worden. Scherben haben sich über die Straße und den Parkplatz des Rathauses verteilt. Das Mauerwerk rund um den Geldautomaten ist von der Wucht herausgebrochen. Das Dach des historischen Gebäudeteils ist zum Teil zerstört. Nach Angaben der Polizei muss das Geschäft wegen Einsturzgefahr abgerissen werden. Zersprungen sind auch zahlreiche teils über hundert Jahre alte Scheiben des ebenfalls historischen Gebäudes der fast 120 Jahre alten Buchhandlung Nottelmann. Ein in der Nähe geparktes Auto wurde ebenfalls beschädigt. Harte Woche für die Feuerwehr Im Einsatz waren unter Leitung des stellvertretenden Stadtbrandmeisters Thomas Greulich rund 80 Leute der gesamten Spenger Feuerwehr, die von Kräften aus der Nachbarstadt Enger unterstützt wurden. Im Einsatz war auch die gemeinsame Drehleiter von Enger und Spenge sowie die Drehleiter aus Hiddenhausen und der Gerätewagen Atemschutz der Feuerwehrleitstelle des Kreises Herford. Für die Spenger Feuerwehr ist es eine beispiellos harte Woche. Sie musste bereits zum Brand eines Recycling-Unternehmens im Industriegebiet Wallenbrück und zum Brand einer Remise am Wäldchen Nagelsholz im Ortsteil Lenzinghausen ausrücken. "So etwas haben wir noch nicht gehabt. Das lässt unsere technischen Ressourcen schrumpfen", sagt der Spenger Feuerwehrchef Thomas Reschke. So musste  die Ausrüstung gereinigt  und insbesondere der Atemschutzausstattung  wieder aufbereitet werden. Reschke muss an eine Serie von acht Brandstiftungen in einer Nacht vor einigen Jahren denken, doch die aktuellen Brände haben untereinander wohl keinen Zusammenhang. Die Polizei ist dankbar für weitere Zeugenaussagen.

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