Behandlungs-Becken: Heiko Holtmann steht neben einem der drei 3.000 Kubikmeter großen Becken in denen das Abwasser zunächst biologisch und dann chemisch gereinigt wird. - © Andreas Sundermeier
Behandlungs-Becken: Heiko Holtmann steht neben einem der drei 3.000 Kubikmeter großen Becken in denen das Abwasser zunächst biologisch und dann chemisch gereinigt wird. | © Andreas Sundermeier

Spenge Sauberes Wasser in drei Stufen

Kläranlage Spenge: Sechs Fachleute kümmern sich um jährlich bis zu 2,7 Millionen Kubikmeter Abwasser. Die Anlage ist auch online steuerbar. Kleine Feuchttücher machen der großen Anlage Probleme

Andreas Sundermeier

Spenge. 90 Prozent aller Spenger liegen falsch. „Denn so viele Leute glauben, dass das Wasser, das aus dem Klärwerk kommt, Trinkwasser ist. Das stimmt aber nicht." Abwassermeister Heiko Holtmann weiß, wovon er spricht. Pro Jahr durchlaufen 2,2 bis 2,7 Millionen Kubikmeter Abwasser den Klärungsprozess im Werk an der Neuenkirchener Straße. Und die werden dort in drei Stufen so behandelt, dass sie problemlos über die Vorfluter wieder in die Warmenau gelangen. Und dann vielleicht irgendwann wieder trinkbar sind. Am Anfang steht die mechanische Reinigung. Das Abwasser kommt im Klärwerk an und fließt durch eine Art Stufen-Rechen mit 3-Millimeter-Zwischenräumen. Feststoffe wie Papier oder Hölzer bleiben hängen und werden mechanisch in einen Auffangebälter befördert. Gewaschen und gepresst landen sie in der Verbrennung. Das restliche Abwasser wird von Sand und Fett befreit und landet im 1.500 Kubikmeter großen Pufferbecken. Die Heimat der Mikroorganismen In Stufe zwei fließt das Wasser in eines von drei 3.000 Kubikmeter große Becken und wird zunächst biologisch geklärt. Um den Mikroorganismen in den großen Becken optimale Lebensbedingungen zu schaffen – und damit sie sich an den Schadstoffen richtig satt fressen können – versorgt die Anlage sie je nach Bedarf automatisch mit Luft. „Wir schieben eine Riesen-Arzneiwolke durch die Flüsse Richtung Nordsee" Danach folgt die chemische Reinigung der Abwässer: Durch die Zugabe von Aluminat, erklärt Holtmann, werde der Phosphat-Anteil gesenkt und die Reinigung in Gang gesetzt. Der Überschuss-Schlamm – mit den Mikroorganismen – wird abgepumpt und in einem 200 Kubikmeter großen Behälter gelagert. Das Wasser fließt in den so genannten Schönungs-Teich und dann in den Mühlenbach. Dann ist das Abwasser je nach Wetterlage und Verdünnung durch Regen vier bis acht Stunden behandelt worden. In einigen großen Kläranlagen, sagt Abwassermeister Holtmann, sei bereits eine vierte Stufe installiert. Dort werde mittels Ozon oder Aktiv-Kohle oder mit deren Kombination der Anteil der Arzneimittelrückstände im Abwasser behandelt: „Da schieben wir alle eine Riesen-Arznei-Wolke in den Flüssen Richtung Nordsee vor uns her." Nach seiner Einschätzung würden demnächst auch in den kleineren Anlagen diese speziellen Klärstufen installiert. Alles online Der gesamte Prozess wird stetig überwacht. Denn auch online halte der Bereitschaftsdienst Kontakt zur Elektronik der Anlage. „Ich kann die Anlage hier auch von zu Hause aus steuern", sagt der Klärwerksleiter. Und auch die Überwacher stehen auf dem Prüfstand. „Zwölfmal im Jahr werden wir von der Bezirksregierung kontrolliert. Auch nachts. Auch am Wochenende oder Feiertag." Zudem überwachen die Spenger Klärwerksmitarbeiter auch ihre eigene elektronischen Messverfahren. Im eigenen Labor werden die Werte kontrolliert, die Anlage wird neu justiert und den Bedingungen angepasst. Acht Regenrückhaltebecken in der Stadt Es gibt aber auch Situationen, in denen die Kläranlage an ihre Grenzen gelangt. „Bei Regen können wir bis zu 200 Liter in der Sekunde behandeln", sagt Holtmann. Wenn das nicht reicht, helfen sechs Regenüberlaufbecken im Stadtgebiet, fünf Stauraumkanäle, zwei Regenklärbecken und acht Regenrückhaltebecken, das Wasser zu puffern. All diese Bauwerke werden von des sechs Männern des Klärwerks betreut. Dazu kommen noch acht Kompressorstationen. Und natürlich die 65 Kilometer Mischwasserkanal, 35 Kilometer Schmutzwasserkanal, 40 Kilometer Regenwasserkanal und 40 Kilometer Abwasserdruckrohrleitungen. In den 35 Pumpstationen gibt es manchmal Probleme. Und zwar mit Feuchttüchern. „Die gehören nicht in die Toilette", sagt Holtmann. „Das steht übrigens auch auf den Verpackungen. Ganz klein." „Die Schneideradpumpen können jede Jeans zerschneiden, scheitern aber an den Tüchern und verstopfen." Und: „Ebenfalls nicht ins Abwasser gehören Q-Tips." Jahresbedarf  670.000 Kilowattstunden Stolz ist der Leiter des Klärwerkes auf die in diesem Jahr neu installierte Photovoltaikanlage. „Die erzeugt pro Jahr bis zu 18.000 Kilowattstunden Strom. Und den verbrauchen wir komplett in der Anlage." Der Jahresbedarf liegt dort bei bis zu 670.000 Kilowattstunden. Und auch wenn die Bürger der Stadt in den vergangenen Jahren immer weniger und immer weniger verschmutztes Wasser entsorgen, so appelliert Holtmann dennoch: „Jeder Kubikmeter Abwasser, der nicht in die Kläranlage fließt, spart uns viel Geld. Denn die Energiekosten für die Belüftung der Becken und auch für die Pumpstationen seien „extrem hoch".

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