Niedlich anzuschauen: Die Roboter-Robbe hat flauschiges Fell, lange Wimpern und Knopfaugen. - © Mareike Patock
Niedlich anzuschauen: Die Roboter-Robbe hat flauschiges Fell, lange Wimpern und Knopfaugen. | © Mareike Patock

Spenge Roboter-Robbe hilft Demenzkranken

Ungewöhnliche Therapie-Methode: In die DRK-Wohngemeinschaft ist ein Hightech-Robbenbaby eingezogen

Mareike Patock

Paro sitzt auf dem Schoß von Anna-Maria Heinsch und lässt sich das flauschige Fell kraulen. Die Berührung der 89-Jährigen gefällt ihm: Er klimpert mit seinen schwarzen Knopfaugen, wackelt mit dem Schwanz und quietscht vergnügt vor sich hin. Paro ist der neue Bewohner in der DRK-Wohngruppe für demenzkranke Menschen. Vor ein paar Tagen ist er in die Einrichtung an der Spenger Marktstraße eingezogen und ist schon bei allen acht Bewohnern mal auf Tuchfühlung gegangen. Paro ist eine Baby-Robbe. Zwar sieht die aus wie ein Kuscheltier, ist aber weit mehr: Sie ist ein Roboter. In ihrem Inneren, unter dem flauschigen Fell, schlummert Hightech. „Da ist ein Hochleistungscomputer drin", sagt Michael Beimdiek, Geschäftsführer der DRK Soziale Dienste OWL gGmbH.  "Sie versteht ihren Namen, Grüße und auch Lob" Die Robbe sei ausgestattet mit einer Vielzahl von Sensoren. Die ermöglichten es ihr, dass sie sich bewegen kann, einen echten Tag- und Nachtrhythmus hat, Licht und Dunkelheit erkennt, Streicheleinheiten fühlt und erkennen kann, aus welcher Richtung Geräusche kommen. „Sie versteht ihren Namen, Grüße und auch Lob, erinnert sich an ihren sozialen Umgang, passt sich an und imitiert die reale Stimme einer Baby-Robbe." Schon 2013 habe das Deutsche Rote Kreuz eine erste Roboter-Robbe für seine Einrichtungen erworben. Kostenpunkt: rund 6.000 Euro. Im Umgang mit den demenziell erkrankten Menschen habe das Hightech-Tierchen überzeugt.  Zugang zu den Menschen finden Ziel sei es, dass die Mitarbeiter über die Robbe Zugang zu den Menschen mit Demenz finden und mit ihnen ins Gespräch kommen. „Denn viele von ihnen leben in ihrer eigenen Welt und ziehen sich oft immer mehr zurück", sagt Beimdiek. Eines ist ihm jedoch ganz wichtig: „Die menschliche Zuneigung soll die Roboter-Robbe nicht ersetzen." Und sie solle auch kein Beschäftigungstier sein. Bei WG-Bewohnerin Anna-Maria Heinsch kommt Paro jedenfalls gut an. Die 89-Jährige, die seit drei Jahren in der DRK-Wohngruppe in Spenge lebt, kommt sofort ins Plaudern. Sie möchte wissen, ob Paro ein Junge oder ein Mädchen ist. Und was der ungewöhnliche Name eigentlich zu bedeuten hat.  "Ich war zunächst sehr skeptisch" „Ich war zunächst sehr skeptisch und konnte mir den Einsatz einer Roboter-Robbe in unserer WG nicht vorstellen", sagt die Pflegedienstleitung Violetta Jaskulski. „Unsere Bewohner reagieren jedoch sehr gut auf die Robbe, sodass ich gerne bereit bin, weiter mit ihr zu arbeiten." Eine wesentliche Voraussetzung dafür sei jedoch die uneingeschränkte Akzeptanz der Senioren. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass mit Hilfe von Paro Menschen mit demenziellen und neurologischen Erkrankungen in der Pflege und Betreuung unterstützt, aktiviert und beruhigt werden können", sagt Tanja Probst, Wohngruppenkoordinatorin beim DRK. Auch zu zurückhaltenden und ängstlichen Menschen könne die therapeutische Robbe einen Zugang schaffen. Sie vermittele Sicherheit und Wohlbefinden, rufe angenehme Erinnerungen hervor und trage zur Entspannung und Freude bei. „Paro kann die Sinne anregen, Aufmerksamkeit bündeln, Nähe schaffen und so eine Brücke zu den Senioren bauen." In der WG in Spenge wird der flauschige, 2,7 Kilo schwere und einen halben Meter lange Roboter jetzt ein bis zwei Monate bleiben. Dann wird das Hightech-Robbenbaby umziehen – in eine andere Wohngemeinschaft des DRK für demenzkranke Menschen.

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