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Indiefolk-Orchester aus Bardüttingdorf: Wenn „Von Weiden“ spielt, wird es eng auf und vor der Bühne. Die Fangemeinde feiert im Forum die neuen Songs. Foto: Ralf Bittner - © ralf bittner
Indiefolk-Orchester aus Bardüttingdorf: Wenn „Von Weiden“ spielt, wird es eng auf und vor der Bühne. Die Fangemeinde feiert im Forum die neuen Songs. Foto: Ralf Bittner | © ralf bittner

Spenge "Von Weiden" aus Spenge mit neuem Album

Volles Haus: Plattentaufe im Forum / "Crystal Pasture" mit neuem Namen

Ralf Bittner
06.03.2017 | Stand 06.03.2017, 18:49 Uhr

Ein wenig war die Spannung vor dem Auftritt spürbar als die von „Crystal Pasture" zu „Von Weiden" gewandelte Spenger Band aus dem Dunkel ins Licht der Forum-Bühne trat. Würden neuer Name, neue CD und neue Songs ankommen? Schon beim ersten Song wird mitgesungen, die Antwortet lautet „Ja". „Im Dunkeln bleiben woll’n wir nicht" heißt es im Auftrittssong „Die letzten ihrer Art" der inklusive Bläsern zwölfköpfigen Band. Vorgeheizt von der Ruhrfolk-Formation „Dieselknecht" fällt der Einstieg leicht. Dass das Video zum Song schon seit einigen Monaten den „Ruf der Provinz" – so der Titel der im Forum getauften CD – auf Displays und Monitore getragen hatte, hilft auch. „Hügelland" mit trügerisch ruhigem Anfang steigert sich, in die klare Stimme Greta Schwekendieks mischt sich die sich steigernde Bläsersektion. Mit rockiger Gitarre, Bläsern, Polka- und Ska-Anleihen feiert die Band mit „Direktsaft" die Gaben der Natur. 14 Songs finden sich auf der CD, und alle 14 hat „Von Weiden" im Programm. Die Band um den Sänger, Akkordeonisten und Gitarristen Henning Kreft meint es ernst mit dem Neuanfang. Zwar sind die heimlichen Hits wie der Westfalenreggae „Jägerblut", die Hymne auf das heimatliche Bächlein „Warmenau" oder „Kirmescasanovas" weiter im Programm, doch sie wirken wie die Rückversicherung bei der eigenen Herkunft von den Weiden Bardüttingdorfs. Doch so wie einige Bandmitglieder inzwischen in Berlin oder Bielefeld leben und etwas Abstand zwischen sich und die Provinz gebracht haben, bewegen sich die neuen Songs zwischen augenzwinkerndem Rückblick, Erinnerungen an durchzechte Nächte und erkaltete Beziehungen („Leg die Pistole weg") oder seltsamen Träumen von „Verbotenen Früchten". Eins haben alle Songs – egal ob Reggae-infiziert oder im Blaskapellensound – gemeinsam: sie laden zum Bewegen ein. Schunkeln, mit den Füßen stampfen oder auf- und abhüpfen ist zwei Stunden lang gehopst wie gesprungen. Auch wenn Henning und Greta die musikalischen Fäden bei der Livepremiere in der Hand halten, präsentiert das musizierende Dutzend, das fröhlich auch Ennio Morricones „The Good the Bad" zitiert, einem mitreißenden Musikmix. Kräftige Bläsersätze gehen in die Beine, Gitarrensoli (Falk Ebeler) klingen bald nach Country bald ebenso nach Balkan wie die Klarinette Antoine Boeckers. Für das vielfältige rhythmische Fundamant sorgen Simon Kreft (Schlagzeug) und Veit Osthoff (Bass). „Sieben Sachen", ein südländisch verspielter Ausflug in die „Bar am Hafen", oder die Erinnerungen an die Ausflüge mit dem Mofa machen schlicht Spaß. „Von Weiden" findet viele Wege die „Polka in Your Head" zu treiben und ihr „Adieu Tristesse" in die Welt zu schmettern. Gelungene Premiere für die zum Indiefolk-Orchester gewandelte Dorfkapelle.

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