Von der Skizze zur gebauten Realität: Pfarrer Markus Malitte (v.l.), Leonhard Dingwerth und Organist Hinrich Paul schauen sich den Fortgang des Bauprozesses in der Marienkirche an. - © Kai-Sören Kerkhoff
Von der Skizze zur gebauten Realität: Pfarrer Markus Malitte (v.l.), Leonhard Dingwerth und Organist Hinrich Paul schauen sich den Fortgang des Bauprozesses in der Marienkirche an. | © Kai-Sören Kerkhoff

Spenge Wallenbrücker Orgel nimmt Gestalt an

Fachleute stellen neues Instrument in der Marienkirche auf

Kai-Sören Kerkhoff

Spenge-Wallenbrück. Bisher spielte sich der Bau der neuen Wallenbrücker Orgel im mehr als 300 Kilometer entfernten Lübeck ab. In ihrer dortigen Werkstatt schnitten Mitarbeiter der Orgelbaufirma Klein das Holz für das wuchtige Instrument zurecht. Am vergangenen Montag lieferten sie die Bauteile so dann nach Wallenbrück - und machten sich frisch ans Werk: Schritt für Schritt nimmt die rund 100.000 Euro teure Orgel im Nordschiff der Marienkirche nun Gestalt an. "Als wir in der Wallenbrücker Kirche ankamen, haben wir einen Einschnitt in der Empore und einen sehr gut vorbereiteten Boden vorgefunden", sagt Orgelbauer Tobias Rühl. "Der Boden musste neu gemacht werden, denn der alte Boden hätte die vier Tonnen schwere Orgel nicht getragen." Zunächst haben die Handwerker den Pedalturm im hinteren Teil aufgebaut. "Als der Teil stand, haben wir mit dem vorderen Teil begonnen", erklärt Rühl. "In das neue Gehäuse kommen die neueren Bestandteile der alten Orgel", sagt Organist Hinrich Paul. "Der überwiegende Teil ist von 1976." Die historischen Pfeifen von 1659 dagegen, die vom Bleifraß befallen waren, würden später wieder in die alte Orgel eingebaut werden, wie der Organist berichtet. "Zur Zeit lagern sie noch bei einem Orgelbauer in Dresden." Neben dem hölzernen Gehäuse umfasste die Lieferung der Lübecker Firma somit auch fünf neue Register als Ersatz für die historischen Pfeifen. "Teile der Mechanik wurden an die neuen Gegebenheiten angepasst." "Das neue Gehäuse ist gut 6,50 Meter hoch", schätzt Paul. Somit ist es rund einen Meter höher als das historische Gehäuse der alten Orgel, die auf der Westempore im Eingangsbereich steht. "Daher mussten die Trakturen entsprechend verlängert werden", sagt der Organist. "Auch musste die Brustlade des Windwerkes angehoben werden." Mindestens zwei Wochen soll es dauern, bis die neue Orgel komplett aufgestellt ist. "Bis jetzt läuft alles reibungslos", sagt Tobias Rühl zufrieden. Lediglich bei der Klanggebung nach dem Aufbau sieht der Orgelbauer mögliche Probleme. "Das ist aber Chefsache." Die neuen Pfeifen wird der Lübecker Orgelbaumeister Reinalt Klein höchstpersönlich intonieren. Über den Standort der neuen Orgel hatte es im Vorfeld "viele heiße Diskussionen" gegeben, wie Leonhard Dingwerth berichtet. Er fertigte die Skizze der neuen Orgel im Nordschiff an. "Es war mal ein Aufbau an der Südseite der Kirche geplant." Dies sei von Gemeindemitgliedern aber bemängelt worden. Denn: "Dort hätte die Orgel direkt vor einem Fenster gestanden und viel Licht genommen", sagt Dingwerth. Aber auch bei einem Aufbau an der Nordseite habe es zunächst Probleme gegeben - und zwar mit dem Denkmalamt. "Die Empore ist denkmalgeschützt." Schließlich habe das Amt den baulichen Veränderungen aber zugestimmt. Neben einem Einschnitt in die Empore mussten auch die sieben Kirchenbänke darunter der neuen Orgel weichen. "Sechs Stück haben wir versteigert und eine nachträglich verkauft", sagt Organist Hinrich Paul. Als Inneneinrichtung ist eine Kirchenbank aber denkbar ungünstig. Denn mit sechs Metern Länge ist sie recht sperrig.

realisiert durch evolver group