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Patt up Platt: Karl Stöwe (89 Jahre) sitzt auf einer der Bänke, die er gefertigt und mit plattdeutschen Spruch versehen hat. Der Vorsitzende des Dorfgemeinschaftskreises Wallenbrück Leonhard Dingwerth (links) lobt den 89-Jährigen: "Karl Stöwe ist ein Segen für unseren Verein." - © Ingo Kalischek
Patt up Platt: Karl Stöwe (89 Jahre) sitzt auf einer der Bänke, die er gefertigt und mit plattdeutschen Spruch versehen hat. Der Vorsitzende des Dorfgemeinschaftskreises Wallenbrück Leonhard Dingwerth (links) lobt den 89-Jährigen: "Karl Stöwe ist ein Segen für unseren Verein." | © Ingo Kalischek

Spenge-Wallenbrück Karl Stöwe beschriftet Bänke mit plattdeutschen Versen

Handwerkliches Geschick: Karl Stöwe baut Sitzbänke zusammen und beschriftet sie mit plattdeutschen Versen. Jetzt werkelt der 89-Jährige an einem neuen Exemplar

Ingo Kalischek
02.02.2016 | Stand 02.02.2016, 11:55 Uhr

Spenge-Wallenbrück. Seine Finger seien heute nicht mehr so beweglich und ruhig. Ans Aufhören denkt Karl Stöwe aber noch lange nicht. In der Tischlerei seines Sohnes tüftelt der 89-Jährige aktuell wieder an einer neuen Bank. Er misst Einzelteile ab, sägt sie klein und schraubt alles zusammen. Anschließend legt er eine Schablone auf und verpasst der Bank eine Inschrift auf Plattdeutsch. Im September feiert Karl Stöwe seinen 90. Geburtstag. Manche Gleichaltrige sind da schon längst ans Bett oder den Rollstuhl gebunden. Der gelernte Tischler aber steht noch voll im Saft. "Bewegung ist die beste Medizin", sagt Karl Stöwe trocken. Wenn es draußen zu ungemütlich wird, verbringt er viel Zeit an der Werkbank. Sein Ziel: eine neue Sitzbank. Auf dem von ihm getauften Wanderweg "Patt up platt" in Wallenbrück stehen bereits sieben davon am Wegesrand. Die erste seit rund 20 Jahren. "Ein bisschen heimatverbunden bin ich ja wohl", antwortet Karl Stöwe auf die Frage, warum er so viele Bänke baut und beschriftet. Als Ehrenwanderwart des Dorfgemeinschaftskreises Wallenbrück kennt er die Landschaft wie seine eigene Westentasche. So lassen sich auch die Sprüche auf den sieben Sitzbänken entlang des Wanderwegs "Patt up platt" erklären. Stöwe hat sie erst eingefräst und dann weiß aufgepinselt. Alle sind verschieden. "Unner duesse Luinen hesse denn Wiehen inn Blicke un denn Teuto inn Knicke!", heißt es auf einer Bank. "Unter diesen Linden hast du den Wiehen im Blick und den Teuto im Genick". Die plattdeutschen Verse beschreiben also die Landschaft, die vom Standpunkt der jeweiligen Bank aus, zu sehen ist. Ausgedacht hat sie sich Karl Stöwe höchst persönlich. Damit die Bänke am rund acht Kilometer langen Weg auch stets gut sichtbar sind, mäht er im Sommer das umliegende Gras. Die bislang schönste Bank steht laut Stöwe am Niedermühlenweg. Am "Helliger Weg" soll eine neue Bank aus Eichenholz hinzukommen. "Kiefer oder Pappel eignen sich nicht so gut", sagt Stöwe. Mehrere Wochen wird er daran arbeiten. "Unsere Tischlerei wurde schriftlich erstmals 1854 erwähnt", erklärt der ehemalige Wanderwart. "Ich komme also vom Fach." Mittlerweile führt sein Sohn den Betrieb weiter. Ist die Sitzbank fertig, wird sie mit dem Traktor oder Hänger an den entsprechenden Ort gebracht. Darum kümmern sich Mitglieder des Dorfgemeinschaftskreises. Die 120 Mitglieder sind überwiegend 60 Jahre und älter. "Wir brauchen neue junge Leute", betont der Vorsitzende Leonhard Dingwerth. Über "Urgestein" Karl Stöwe sagt er lobend: "Der ist ein Segen für unseren Verein." Im Frühjahr dürfte Karl Stöwe auch die achte Bank auf dem "Patt up platt" aufgestellt haben. Langeweile kommt danach sicher nicht auf. Denn: Neben seinen regelmäßigen Kontrollgängen und Aufräumarbeiten hat der 89-Jährige schon wieder ein neues Projekt in Aussicht: "Ich baue jetzt unser Badezimmer altersgerecht um."

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