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SPENGE Glückliche Kinder im Wald

Waldgruppe des AWO-Kindergartens Pusteblume tobt, spielt, und lernt die Natur lieben

28.01.2014 | Stand 27.01.2014, 20:09 Uhr |
So sieht das aus, wenn die Waldigel Ivonne Sundermeier, Finn, Paula, Nils und sein Bruder Gustav (v.l.) mit selbst gebastelten Waldigeln spielen. Paula gibt den ganz igelig aussehenden Bucheckern-Schalen, die im selbstgebauten Gehege warten, gern Hähnchenfleisch-Holzschnipsel zu essen. - © FOTO: ANDREAS SUNDERMEIER
So sieht das aus, wenn die Waldigel Ivonne Sundermeier, Finn, Paula, Nils und sein Bruder Gustav (v.l.) mit selbst gebastelten Waldigeln spielen. Paula gibt den ganz igelig aussehenden Bucheckern-Schalen, die im selbstgebauten Gehege warten, gern Hähnchenfleisch-Holzschnipsel zu essen. | © FOTO: ANDREAS SUNDERMEIER

Spenge. Klitschnass steht Finn am Bach. "Macht nix. Ich bin doch wasserfest." Stimmt. Und auch seinen Kumpeln, Silas und Nils, macht das Wasser nichts aus. Die Temperatur von lediglich vier Grad auch nicht. Der Vierjährige und seine Freunde spielen ausgelassen. Was gibt es Wichtigeres? Vielleicht, dass die Matschhose und die Gore-Tex-Stiefel dicht sind. Und dass Britta Freese auf sie achtet. "Umziehen" ruft die Erzieherin. Und sofort und ohne Widerworte laufen die drei Waldigel in den Bauwagen. Die anderen sieben Kinder bleiben mit ihren Erzieherinnen im Katzenholz. Spielen und tollen.

"An sich haben wir hier zwölf Kinder", erklärt Freese, die an diesem Tag zusammen mit Jean Collinson und Ivonne Sundermeier auf die Kinder aufpasst. "Normalerweise achten nur zwei Erzieherinnen auf die Kinder." Und die haben dann alle Hände voll zu tun. Langeweile gibt es mit den Kindern, die sich von 8 bis 12.30 Uhr im Katzenholz tummeln, nicht. Stets haben Britta, und "Jeanny", aber auch "Ivi", die manchmal als Vertretung die warmen Räume des AWO-Kindergartens Pusteblume mit dem Erlebnis Wald tauscht, Ideen für Spiele.

Aber auch die Kinder sind natürlich kreativ: Vor einer Gruppe steht ein kleines Gehege; gut einen halben Meter breit und mit einem fünf Zentimeter hohen geflochtenen Zaun. Darin liegen Reste der stacheligen Bucheckern-Schalen und ein Haufen heller Holzsplitter. "Das sind unsere Igel", erklärt die vierjährige Paula. "Und die essen das Hähnchenfleisch, das vor ihnen liegt." Von wegen: Holzsplitter . . .

Britta Freese fasst die Begeisterung und die Lern- und Entwicklungseffekte der Kinder in Worte: "Sie erleben hier Natur pur. Und alle Sinne und alle Bildungsbereiche werden gefordert. Hier ergibt sich vieles von selbst." Und wenn es nur der starke Zusammenhalt und das Aufeinander-Achten sei: "Da rufen sie schon ganz laut, um die anderen Kinder vor dem Hundehaufen auf dem Weg zu warnen. Und beim Händewaschen halten sie sich gegenseitig die Wasserkanister." Ivonne Sundermeier ergänzt: "Hier wird alles geschult: Bewegung, Wahrnehmung, Sprache, das sozial-emotionale Verhalten und natürlich auch der kognitive Bereich". Beispiel: Ilias (5) ist nicht stark genug, einen Stock durchzubrechen. Als er ihn in eine Astgabel steckt, nutzt er die Hebelkräfte und ruckzuck ist der Stock entzwei. Ilias strahlt. Physik lernen im Wald macht Laune.

Am meisten zählen aber dennoch der Spaß und die Fröhlichkeit. Bei jedem Wetter toben die Kinder durch´s Katzenholz. Silas (6): "Ich bin gern hier, weil ich auch Tiere sehen kann. Meine Lieblingstiere sind Blaumeise und Eichelhäher. Und ich hab schon dreimal ein Reh gesehen." Gustav (3) ist einfach nur "gern draußen".

Gesund ist es auch, sich in der freien Natur aufzuhalten. "Ich glaube, dass die Kinder hier weniger krank sind", sagt Ivonne Sundermeier. "Denn hier werden die Kinder schon abgehärtet. Und wenn im geschlossen Raum ein Kind krank ist, dann steckt es schon recht schnell die anderen an. Das passiert hier draußen nicht." Das Risiko, sich im Wald zu verletzen, sei auch nicht höher als im Raum.

Doch nicht nur die Kinder sind gern draußen. Als alle zusammen in ihrem Bauwagen sitzen und gemeinsam essen, erklärt Britta Freese: "Ich bin viel lieber draußen als im Gruppenraum." Jean Collinson holt gar ihre Naturphase nach: "Ich bin in Osnabrück in der Stadt aufgewachsen. Jetzt kann ich erst mal so richtig den Wald kennen lernen."

Das tun dann auch alle. Ivonne Sundermeier: "Mittags sind wir alle dreckig und haben Matsch an den Hosen. Na und? Die Sachen müssen für eine Woche reichen."

Es sei denn, die Sachen sind nass: Elias, der es Finn gleich tat und ist Wasser sprang, hat jetzt trockene Socken an. Damit die in den nassen Stiefeln nicht wieder durchfeuchten, hat Britta Freese ihm einen Plastikbeutel darüber gezogen. "Das sind jetzt meine Tütenfüße".

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