Die erste Hürde ist geschafft: Gabriele (l.) und Grit-Marie Rautenberg dürfen in ihrer Wohnung bleiben, bis sie in die neue Wohnung ziehen können. Auf dem Küchentisch stehen Fotos des im Juli verstorbenen Mannes bzw. Vaters der Rautenbergs. - © Foto: Anne Neul||
Die erste Hürde ist geschafft: Gabriele (l.) und Grit-Marie Rautenberg dürfen in ihrer Wohnung bleiben, bis sie in die neue Wohnung ziehen können. Auf dem Küchentisch stehen Fotos des im Juli verstorbenen Mannes bzw. Vaters der Rautenbergs. | © Foto: Anne Neul||

Rödinghausen/Bruchmühlen Bewohner des Bruchmühlener Bahnhofs können aufatmen

Familie Rautenberg darf im Bahnhof bleiben, bis sie in die neue Wohnung zieht. Für zwei Männer sucht die Wohnungsbau Grönegau noch eine Lösung

Anne Neul

Rödinghausen/Bruchmühlen. Die Bewohner des Bahnhof Bruchmühlen können aufatmen. Gestern gab das Bauamt der Stadt Melle sein Ok, dass sie zunächst im Bahnhof Bruchmühlen bleiben können und das Bauamt sie nicht in den nächsten Tagen vor die Tür setzen wird. Das Bauamt hatte vor einem Monat verfügt, dass die fünf Bewohner bis zum 10. September ausziehen müssen (die NW berichtete mehrfach). Andernfalls drohte es, die Wohnungen zu versiegeln. Grund sind die desolaten Wohnverhältnisse, in denen die Bewohner leben. Die neue Eigentümerin des Bahnhofs, die Wohnungsbau Grönegau (WBG), hatte bei einer Begehung Anfang August Lebensgefahr für die Bewohner festgestellt, weil offene Stromleitungen aus den Wänden guckten. Zudem läuft die Heizung in einer der Wohnungen seit bald zwei Jahren nicht mehr, Wände schimmeln, die Familie lebte mehr als ein Jahr ohne Strom. "Gefahr für Leib und Leben ist gebannt" Er habe gestern mit dem Bauamt gesprochen, sagte WBG-Geschäftsführer Dirk Hensiek auf Anfrage der NW. Man sei zu dem Schluss gekommen, dass jetzt, wo der Strom abgestellt sei, die "Gefahr für Leib und Leben gebannt" sei. Da die Wohnungen über Kabeltrommeln notdürftig mit Strom versorgt seien, stufte sie das Bauamt als vorübergehend bewohnbar ein. "Das Bauamt wird die sofortige Vollziehung der Verfügung morgen aufheben", kündigte Hensiek gestern an. Für Familie Rautenberg hat die WBG wie berichtet eine städtische Wohnung gefunden, in die sie dauerhaft einziehen kann. Vor zehn Tagen war noch unklar gewesen, ob sie dort dauerhaft würde bleiben können. Da die Wohnung jedoch erst noch umgebaut und Brandschutztüren eingebaut werden müssen, kann die Familie erst zum 1. November einziehen. Am Wochenende hatte sich Gabriele Rautenberg alarmiert an die Neue Westfälische gewandt, weil sie befürchtete, am Montag vom Bauamt vor die Tür gesetzt zu werden und für sechs Wochen in die Obdachlosenunterkunft ziehen zu müssen. Das wollte sie auf keinen Fall. Zwei Umzüge in sechs Wochen seien zu viel. "Ich bin Herrn Hensiek dankbar", sagte sie gestern. "Er hat getan, was er konnte." Vollziehung kann jederzeit wieder ausgesprochen werden Ihr Nachbar Bernd Sawukanis (63) habe in Panik am Freitag seine beiden Hunde einschläfern lassen, berichtete Rautenberg. Seitdem sei er völlig am Boden zerstört. Die Hunde hatte er von seiner verstorbenen Frau übernommen, die vor elf Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs gestorben ist. Sawukanis älterer Sohn, der bei Bremen lebt, habe ihn am Sonntag abgeholt, nächste Woche wolle er sich in Behandlung begeben. Sawukanis hatte schon vor zwei Wochen der NW gesagt, sein Sohn habe ihm angeboten, er könne vorübergehend bei ihm wohnen. Er wollte jedoch seine Freunde und Bekannten in Bruchmühlen nicht verlassen. Für ihn und seinen jüngeren Sohn Brian (30), der ebenfalls im Bahnhof Bruchmühlen lebt, sucht die WBG noch eine Wohnung. Er wisse nicht, für wie lange das Bauamt die sofortige Vollziehung aufhebe, sagte Dirk Hensiek. Wenn sich das Wetter verschlechtere oder durch andere Faktoren könne die Vollziehung jederzeit wieder ausgesprochen werden. "Wir hoffen, dass wir bis dahin für die zwei Herren eine Wohnung gefunden haben."

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