Schwarz-bunte-Expertin: Carina Nölker (22) mit Lotti, die es nicht so spannend findet, fotografiert zu werden. Pia (l.) ist neugierig und mogelt sich aufs Bild. - © Foto: Anne Neul
Schwarz-bunte-Expertin: Carina Nölker (22) mit Lotti, die es nicht so spannend findet, fotografiert zu werden. Pia (l.) ist neugierig und mogelt sich aufs Bild. | © Foto: Anne Neul

Rödinghausen Stolz auf die ältesten Kühe

Landwirtschaft: Carina Nölker (22) fährt am Sonntag mit 10 der 250 Milchkühe vom Hof Grothaus zur Kreistierschau nach Osnabrück. Sie zeigt die älteste Kuh

Anne Neul

Rödinghausen. Am ersten Jungzüchterwettbewerb teilgenommen hat Carina Nölker mit vier Jahren. Die 60 bis 70 Kilogramm schweren Kälbchen führte die Vierjährige den Preisrichtern vor, als wären es Hunde. "Wir haben schon als Kinder Kälbchen am Strick in den Garten geholt", erzählt die heute 22-Jährige. Sie und ihr Bruder Patrick sind auf dem Milchviehbetrieb ihrer Eltern Edi und Martin Nölker und Jost Heinrich Grothaus aufgewachsen. Anfangs mit 100, heute mit 250 Milchkühen. "Schon im Sandkasten war klar: Ich mach die Kühe, mein Bruder die Maschinen", erzählt Carina Nölker. Liegt ein Kalb bei der Geburt falsch herum oder kommen Zwillinge, packt sie beherzt zu. Bei den Zwillingen Ende Mai kam ein Kalb mit den vier Füßen zuerst. Carina schob zwei Kälbchenbeine zurück in die Kuh und zog an den beiden anderen. Beide Kälbchen kamen lebendig zur Welt. "Ich wollte nie etwas anderes machen", sagt sie über ihren Beruf. Am Sonntag wird sie 10 Milchkühe auf zwei Anhänger verladen und mit ihren Eltern, ihrem Bruder, dessen Freundin und einem Freund aus Hessen nach Osnabrück-Hellern fahren, auf den Hof Meyer zu Strohen. Die Kreistierschau findet nur alle drei Jahre statt, 120 Kühe der Rasse Holstein schwarz-bunt und rot-bunt haben ihre Konkurrenten und sie gemeldet. »Die Kühe, die mitkommen, sind sehr engagiert.« Einen dritten Anhänger werden sie mit Futter, Stroh, Trögen und Eimern füllen, einer Bank zum Hinsetzen, und was man sonst noch so braucht. Seit drei Wochen wäscht Carina die antretenden Kühe immer wieder, damit die Farben leuchten und schert ihnen das Fell - dann wirkt es feiner. Nach der Ankunft wird sie die Kühe noch einmal waschen, sich danach wieder umziehen. Erleichtern sich die Kühe auf dem Vorführplatz erneut, beseitigt sie die Kuhfladen mit Schaufel und Küchenpapier. Von den Kühen fahren Menke, Sally, Mira, Ossi, Passion, Pia, Pya, Ray red, Layla, und Olinde mit. "Der Name des Kalbes fängt mit dem gleichen Buchstaben der Mutter an, das macht es manchmal schwer, einen Namen zu finden", erklärt Carina die teilweise etwas ungewöhnlichen Namen. Menke ist mit 12 Jahren die älteste Kuh, die mitfährt. Sie hat in ihrem Leben schon 143.000 Kilogramm Milch gegeben und sieben Kälbern das Leben geschenkt, ist wieder tragend. Wie oft eine Kuh ein Kalb bekomme, hänge davon ab, wie viel Milch sie gibt, erklärt Carina. Erst wenn sie weniger gebe, werde die Kuh wieder besamt. "Die Kühe, die mitkommen, sind sehr engagiert", sagt Carina. Heißt: Sie geben viel Milch. Zucht, Haltung und Futter beeinflussten das. Menke habe das letzte Mal vor zwei Jahren gekalbt und gebe immer noch 22, 23 Liter pro Tag. "Sie ist eine besondere Kuh." Marietta ist mit 14 Jahren die älteste Kuh im Stall A propos besonders: Auf Hof Grothaus werden die Kühe für einen Milchviehbetrieb ungewöhnlich alt. Die älteste Kuh im Stall ist Marietta, sie ist 14 Jahre alt und hat schon 11 Kälber geboren. NRW-weit würden Milchkühe im Schnitt fünf bis sechs Jahre alt und bekämen zwei bis drei Kälber, dann würden sie geschlachtet, sagt Carina. Sie will zeigen, dass das nicht überall so ist. Es sei viel anspruchsvoller und sage viel mehr über den Halter aus, auf der Schau eine alte Kuh mit sieben Kälbern vorzustellen, "die immer noch will", als eine junge Kuh mit zwei Kälbern. Carina ist stolz, dass sie gleich mehrere ältere Kühe mitbringt. "Ich mag sehr gerne alte Tiere, die was geleistet haben." Es sollte aller Zuchtziel sein, Kühe bis ins höhere Alter zu haben. Carina weiß, worauf es den Preisrichtern ankommt: Sie achten darauf, wie breit Brust und Becken der Kuh sind, wie viel Platz dadurch Herz, Lunge und Kalb haben, sie schauen sich die Beine, deren Winkel und die Klauen an, das so genannte Fundament der Kuh, wie sie geht. Auch das Euter bewerten die Richter. "Ein hoch aufgehängtes Euter mit vielen dicken Adern ist gut." Carina kann noch viel mehr erzählen. "Ich unterhalte mich gerne auf hohem Niveau über Kühe." Sie wünscht sich, von der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden, auf der Kreistierschau und im Alltag. "Die Tür auf dem Hof ist immer auf. Da kann jeder immer fragen."

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