Vorfreude und viel Arbeit: Geschäftsführer Alexander Müller (l.), Bürgermeister und Vereinsvorstand Ernst-Wilhelm Vortmeyer sowie Pressesprecher Max Moldehn fiebern schon jetzt dem Pokalduell zwischen dem SV Rödinghausen und dem FC Bayern München entgegen, das am 30. oder 31. Oktober stattfinden wird. ⋌Fotos (2): Jan Ahlers  - © Jan Ahlers
Vorfreude und viel Arbeit: Geschäftsführer Alexander Müller (l.), Bürgermeister und Vereinsvorstand Ernst-Wilhelm Vortmeyer sowie Pressesprecher Max Moldehn fiebern schon jetzt dem Pokalduell zwischen dem SV Rödinghausen und dem FC Bayern München entgegen, das am 30. oder 31. Oktober stattfinden wird. ⋌Fotos (2): Jan Ahlers  | © Jan Ahlers

Rödinghausen Vorfreude: Rödinghausen sucht Stadion für das Bayern-Spiel

Jan Ahlers

Rödinghausen. Kurz nach 18 Uhr wurde am Sonntagabend die Welt in einer ostwestfälischen 10.000-Seelen-Gemeinde auf den Kopf gestellt. Denn Losfee Gina Lückenkemper bescherte dem Fußball-Regionalligisten SV Rödinghausen in der zweiten Runde des DFB-Pokals den „absoluten Jackpot", wie es Geschäftsführer Alexander Müller bezeichnet: Rekordmeister FC Bayern München ist Ende Oktober zu Gast beim SVR. „Als die Loskugel geöffnet wurde, bin ich aufgesprungen und habe laut gejubelt", sagt Rödinghausens Bürgermeister Ernst-Wilhelm Vortmeyer strahlend vor Freude. Er kann das Spiel von zwei Seiten aus betrachten, denn er ist gleichzeitig erster Vorsitzender des Viertligisten. Er meint: „Es ist etwas ganz Besonderes für unseren Ort und das Highlight der Vereinsgeschichte." Schon am Montagmorgen werden er und der Verein mit Glückwünschen, Kartenanfragen und Medienterminen überhäuft. Mitarbeiterin Melanie Husemeyer berichtet von Dutzenden Menschen, die am Vormittag vor den Stadiontoren stehen und einen Weg zu den begehrten Tickets suchen. Hunderte Mails und Anrufe trudeln ein. Es hilft kaum, dass sich der SV Rödinghausen auf seiner Webseite 14 Tage Organisationszeit erbeten hat, bevor er die Modalitäten für den Verkauf bekannt gibt. Zu groß ist die Nachfrage aus der ganzen Region, zu groß die plötzliche Pokal-Euphorie. Wo wird das Spiel stattfinden? „Wir müssen uns selbst erst sortieren", sagt Geschäftsführer Müller, der persönlich bei der Auslosung im Dortmunder Fußballmuseum vor Ort war und anschließend eine kurze Nacht verbracht hat. „Die plötzliche Aufmerksamkeit ist der Wahnsinn", sagt er. Selbst der WDR und Sat.1 machen sich am Montag auf den Weg ans Wiehengebirge, um vom David aus Rödinghausen zu berichten, der sich dem süddeutschen Goliath stellen wird. Der Ort selbst wird vom Trubel dann nicht viel mitbekommen. Wo gespielt wird, steht zwar noch gar nicht fest – das nur 3.000 Zuschauer fassende Häcker-Wiehenstadion fällt aber mangels Größe definitiv aus. Als Ausgleichsstätte bewährt hat sich das Frimo-Stadion von Drittligist SF Lotte, das 10.000 Besuchern Platz bietet. Mehr Zuschauer könnten in Paderborn (15.000) oder Osnabrück (16.000) begrüßt werden. Doch die Tendenz geht zu Lotte. „Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht", sagt Vortmeyer. „Außerdem kennt die Mannschaft das Stadion, das ist wichtig", ergänzt Müller, der eine Zuschauerin besonders gerne begrüßen würde: „Gina Lückenkemper wird von uns noch persönlich zum Spiel eingeladen", sagt er grinsend. Fanartikel geplant Auch im Ort wird mehr denn je über den SVR gesprochen. Ob im Supermarkt oder beim Bäcker – das Pokalspiel ist Thema, jeder will hin. Die Nachfrage wird das Angebot klar übersteigen, was bedeutet, dass die Tickets mehr als üblich kosten werden. „Wir werden keine Mondpreise aufrufen", verspricht Müller. Das Spiel gegen den FC Bayern soll aber besonders vermarktet werden, etwa mit einmaligen Fanartikeln wie einem Pokalschal, den beide Vereinswappen zieren. Auch Presse- und Stadionsprecher Max Moldehn hat jetzt alle Hände voll zu tun. In seiner Brust schlagen zwei Herzen: Er hat vor fünf Jahren in der Medienabteilung des FC Bayern für einen Monat hospitieren dürfen, ist noch dazu Fan der Roten. „Bayern München hat allein in dieser Abteilung so viele Mitarbeiter wie unser ganzer Verein", sagt er. Auf der Webseite des Viertligisten stellte er am späten Sonntagabend phasenweise mehr als 25.000 Besucher aus aller Welt fest – üblich sind beim SVR etwa 1.000 Internetnutzer pro Tag. „Darunter waren Leute aus Russland, Dubai und Australien", sagt Moldehn. Rödinghausen geht um die Welt – zumindest bis zum Pokalabend im Oktober.

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