Naturnah: Das brachliegende Feld hinterm Busbahnhof der Gesamtschule Rödinghausen. Foto: Meiko Haselhorst - © Meiko Haselhorst
Naturnah: Das brachliegende Feld hinterm Busbahnhof der Gesamtschule Rödinghausen. Foto: Meiko Haselhorst | © Meiko Haselhorst

Rödinghausen Der Krautreport

10-Minuten-Reportage: Eigentlich sollte es ein kleines Stück über die Bushaltestelle der Gesamtschule werden – dann kam mal wieder alles anders

Meiko Haselhorst

Rödinghausen. Üppige Kamille und verblühte Disteln. Die Sonnenblumen recken ihre riesigen Blüten in den bleigrauen Himmel – und der längst vergangene Raps seine zahllosen, knochentrockenen und braunen Schoten. Am Horizont flimmert in der heißen Luft das Wiehengebirge. Kein Vogel ist zu hören, nur das Knacken im Rapsfeld, in der Mittagshitze gönnen sich alle eine kleine Siesta. Kein Zweifel – es ist Hochsommer. Eigentlich will ich eine kleine Reportage vom „Busbahnhof“ der Gesamtschule an der Stertwelle machen. Ein paar Gesprächsfetzen, ein paar Alltagsbeobachtungen – und danach in der Redaktion alles schön aufschreiben. Aber ganz offensichtlich bin ich hier zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Kein Schüler lässt sich blicken, und auch kein Bus. Na ja, kann ja noch kommen. Die brachliegende Fläche hinterm Parkplatz erregt meine Neugier. Zwischen kniehohem Kraut mache ich ein paar Schritte in die Botanik. Unter meinen Füßen knackt es, auf dem harten und sandigen Boden liegen längst vertrockneter Grünschnitt und Gehäckseltes verteilt. Auch Bäume wurden hier gefällt. Kohlweißlinge - zu Hunderten taumeln sie hier durch die Luft Ich setze mich auf einen der Stümpfe, die ein paar Meter weiter noch aus dem Boden ragen und schaue mich um. Zwischen den zahllosen Kamillen- und Distelblüten steht hier und da noch ein Stängel knallroter Klatschmohn. Die orangefarbenen Margeriten sind wohl eher verwildert als wild. Auf einem kleinen Erdhügel haben sich fünf oder sechs Sonnenblumen angesiedelt – wahrscheinlich haben ein paar Vögel hier nachgeholfen. Den Insekten scheint diese bunte Pflanzenmischung jedenfalls sehr zu gefallen – vor allem den Kohlweißlingen: Zu Hunderten taumeln sie hier durch die Luft, ein in unseren Tagen sehr selten gewordenes Bild. Hier und da flattern auch ein Tagpfauenauge und sogar ein Bläuling durchs Panorama. Und am Busbahnhof? Gähnende Leere, nach wie vor. Kein Mensch, kein Bus. Nur ein paar Glasscherben von geborstenen Bierflaschen liegen herum. Und dort, wo normalerweise die Schüler stehen und in die Busse steigen, kleben zahllose Kaugummiflecken am Boden. Hier soll demnächst eine große Sportanlage entstehen - schade eigentlich Über dem Asphalt ist die Luft noch viel heißer als im krautigen Feld. Nach einer guten halben Stunde des Wartens setze ich mich verschwitzt ins backofengleiche Auto und fahre zurück. In der Redaktion erfahre ich: Die Gesamtschule hatte heute Wandertag, darum war niemand da. Und auf jener brachliegenden Fläche hinterm Busbahnhof, so klären mich die Kollegen auf, soll demnächst eine große Sportanlage entstehen. Schade eigentlich.

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