Im Hochregallager: L&S-Geschäftsführer Udo Gottschalk erzählt den NW-Lesern, wie die Produktion der Leuchten läuft. Im Hochregallager im Hintergrund lagern die Materialien für die Leuchten. - © Foto: Anne Webler||
Im Hochregallager: L&S-Geschäftsführer Udo Gottschalk erzählt den NW-Lesern, wie die Produktion der Leuchten läuft. Im Hochregallager im Hintergrund lagern die Materialien für die Leuchten. | © Foto: Anne Webler||

Rödinghausen NW öffnet Türen bei L&S: Ein ungewöhnlicher Chef

24 NW-Leser bekamen exklusive Einblicke beim Leuchtenhersteller L&S in Ostkilver. Geschäftsführer Udo Gottschalk führte durch sein Unternehmen und erzählte von seiner Philosophie

Anne Neul

Rödinghausen. Hans-Georg Beinke und seine Frau wohnen 500 Meter von L&S entfernt. "Wir sehen die Lkw immer vorbeifahren", erzählt Beinke. Nun waren sie neugierig, was sich im Inneren der Firma abspielt. Neben dem Ehepaar Beinke hatten 22 NW-Leser am Mittwoch die Gelegenheit, hinter die Kulissen von L&S in Ostkilver zu schauen. Firmenchef Udo Gottschalk persönlich führte durch die Produktion, das Hochregallager, die Abteilung Technik und Entwicklung, das Labor sowie die Mitarbeiter-Lounge und erzählte von seiner ungewöhnlichen Mitarbeiterführung. Seine Angestellten arbeiten in Gleitzeit, können zwei Stunden Mittagspause machen und bei der Arbeit duschen, donnerstags ist eine Masseurin im Haus und erteilt 30-minütige Massagen. "Das ist gut investiertes Geld", sagt Gottschalk. Einige seiner Sätze klingen in den Ohren mancher Besucher revolutionär. Wie: "Wer keine Fehler macht, arbeitet nicht. Sie müssen Fehler machen, sonst können Sie nicht besser werden. Deshalb haben wir gerne Mitarbeiter, die Fehler machen." "Toll", sagt eine Besucherin beeindruckt. Der Erfolg des Unternehmens gibt Udo Gottschalk recht. 2002 startete sein Bruder Horst Gottschalk mit elf Mitarbeitern in Hiddenhausen, heute arbeiten 70 Angestellte für Udo Gottschalk. 2008 baute Horst Gottschalk in Ostkilver neu, 2015 verdoppelten sie die Produktionsfläche. Udo Gottschalk ist seit 2012 im Unternehmen, sein Bruder schied Ende 2015 als Geschäftsführer aus. Den Umsatz von 2 auf 40 Millionen Euro gesteigert 2003 erzielte L&S einen Umsatz von 2 Millionen Euro, in 2017 waren es 40 Millionen. Nimmt man alle vier L&S-Standorte weltweit zusammen (Deutschland, Italien, USA und Shanghai), waren es 2017 92 Millionen Euro Umsatz. L&S beliefert neben Ikea alle großen Küchenfirmen der Region: Nobilia, Nolte, Ballerina, Siematic, Eggersmann - nur Häcker nicht. Auch in Prada-Boutiquen sorgt L&S für einen perfekt ausgeleuchteten Verkaufsraum. 6.000 verschiedene Leuchten hat L&S im Programm. Heute würden in Badezimmern ganze Lichtsysteme eingebaut, erzählt Gottschalk. Es geht nicht mehr um Licht an, Licht aus, sondern um Beleuchtung in verschiedenen Farbtönen und Dimmstufen, die sich durch Bewegungsmelder selbstständig einschaltet. Auch wenn es um große Umsätze gehe, gebe es zwischen den meisten Firmen der Region und L&S keine Verträge über die Aufträge, erzählt Gottschalk. Das laufe per Handschlag und ostwestfälisch knapp, in etwa so: "Kannste das machen?" - "Ja, kann ich". "Ich hätte Lust, hier anzufangen" Am Schwarzen Brett hängen die Umsatzzahlen, "damit alle Mitarbeiter wissen, wo wir stehen". Weil die Mitarbeiter ein gutes Ergebnis erzielt haben, wird Gottschalk mit ihnen einen Betriebsausflug machen. Wohin, ist eine Überraschung. "Das klingt gut und motiviert", sagt Heide Vogtländer aus Kirchlengern. Die vielen Freiheiten für die Mitarbeiter klängen wie Freizeit. "Ich hätte Lust, hier anzufangen", sagt die 77-Jährige. Sie würde gerne noch arbeiten. "Wir suchen immer Mitarbeiter", sagt Gottschalk. Da die Firma weiter wachse, sei er ständig auf Personalsuche. Im ehemaligen Pausenraum überrascht er mit einem weiteren ungewöhnlichen Ausspruch. Der Raum sei für die wachsende Mitarbeiterzahl irgendwann zu klein gewesen. Die Mitarbeiter hätten sich in kleinen Grüppchen abgesondert und nicht mehr unterhalten. "Das fehlte", sagt Gottschalk. Der Austausch der Abteilungen sei wichtig. Deshalb bauten er und sein Bruder einen neuen Loungebereich für die Mitarbeiter, mit Sofas, vielen Tischen und einer großen Terrasse am Teich, um die Kommunikation zu fördern. Dort können die Mitarbeiter ihre zweistündige Mittagspause verbringen und sich in Ruhe unterhalten. "Ich wusste gar nicht, dass wir hier so ein tolles Unternehmen haben", sagt Bärbel Rosenkötter. Und wenn das Ehepaar Beinke den nächsten L&S-Lkw vorbeifahren sieht, wissen sie, wo er herkommt und was sich im Inneren des Leuchtenherstellers abspielt.

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