Löhne Protest vor "Botschaft Germanitien" in Löhne

150 Menschen demonstrieren gegen rechtsextremes Büro in der Innenstadt

17.11.2013 | Stand 17.11.2013, 20:48 Uhr |

Löhne. Lautstark haben am Samstagnachmittag etwa 150 Menschen vor der "Botschaft" des Fantasiestaats "Germanitien" in Löhne (Kreis Herford) protestiert. Das Büro besteht seit mehr als einem Jahr und wird der rechtsextremen Reichsbürgerbewegung zugeordnet, die zum Deutschen Reich in den Grenzen von 1937 zurückkehren will. Unter den Demonstranten war auch der Löhner Bürgermeister Heinz-Dieter Held (SPD) sowie der Kabarettist Harald Mewes. Aufgerufen hatte das "Bündnis für Vielfalt", ein breiter gesellschaftlicher Zusammenschluss von Bürgern und Parteien. Während des Löhner Oktoberfests hatte das Bündnis die "Reichsbürger" mit einer satirischen Aktion aufs Korn genommen: Einige Bündnis-Mitglieder verkleideten sich mit Pickelhauben und falschen Schnurrbärten und errichteten "Grenzposten für Vollpfosten" mitten in der Stadt. Die Demonstration am Samstag fand ohne Verkleidung statt. Die Polizei begleitete die Teilnehmer bis vor das vermeintliche Botschaftsgebäude. Zur Konfrontation mit den "Reichsbürgern" kam es nicht. Nach Überzeugung der Veranstalter vom "Bündnis für Vielfalt" werden in dem Löhner Büro rechtsextreme Aktivitäten unter dem Deckmantel einer angeblichen "Justizopferhilfe" koordiniert. Ehemalige Mitglieder des verbotenen Collegium Humanums aus Vlotho sollen hier ein neues Betätigungsfeld gefunden haben. Im Sommer hatte ein "Germanit" aus Vlotho in einer Rundmail antisemitische Hetze verbreitet und offen zum Mord an Juden aufgerufen. Die "Germaniten" haben sich von diesem Mitglied inzwischen distanziert. Doch der Vorfall zeigt nach Überzeugung des "Bündnis für Vielfalt", dass die vermeintliche Botschaft "Brutstätte menschenverachtender Gedanken" sei. Bürgermeister Held lobte das Engagement der Bürger: "Jetzt ist der Zeitpunkt da, wo wir gegen diesen Quatsch antreten müssen." Der Kabarettist Harald Mewes äußerte sich ebenfalls: "Am Anfang habe ich darüber geschmunzelt, dass die hier eine Botschaft aufmachen für ein Reich, das längst untergegangen ist, aber inzwischen schmunzele ich nicht mehr darüber. Wehret den Anfängen!" Bei einer Razzia im September 2012 hatte die Polizei auf dem vermeintlichen Botschaftsgelände zwei "Germaniten" verhaftet. Beide wurden dabei verletzt, einer durch den Biss eines Polizeihunds sogar schwer.

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