Löhne Rustikaler Chique

Fotograf Oliver Windus setzt Möbel der Firma Treibholz in der alten Schokoladenfabrik in Szene

von ulf hanke
Fotograf Oliver Windus (l.) und Treibholz-Geschäftsführer Thorsten Keller beim Fotoshooting für Treibholz-Möbel in der alten Rehmer Schokoladenfabrik. - © FOTO: ULF HANKE
Fotograf Oliver Windus (l.) und Treibholz-Geschäftsführer Thorsten Keller beim Fotoshooting für Treibholz-Möbel in der alten Rehmer Schokoladenfabrik. | © FOTO: ULF HANKE

Löhne. Es ist angerichtet. Kerzen flackern vor dem Bretterverschlag, der Wind pfeift durch die Ritzen und letzte Sonnenstrahlen erhellen den nackten Beton. Das Fensterglas ist schon lange zerbrochen. Die alte Rehmer Schokoladenfabrik ist der richtige Ort, um Treibholz in Szene zu setzten.

Treibholz, das ist ein junges Start-Up aus Löhne. Die Firma baut Gartenmöbel aus Gebrauchsholz, die ausschließlich im Internet vertrieben werden. Und dort sind bisher nur Fotos zu sehen, die Treibholz vorm Kaiserpalais im Kurpark zeigen.

Das ist ohne Frage ein starker Kontrast, doch es geht krasser. Der Löhner Fotograf Oliver Windus hat die Möbel jetzt auf den Flugplatz Vennebeck und in die alte Rehmer Schokoladenfabrik ins rechte Licht gerückt.

Das Dinner vorm Bretterverschlag auf Treibholz-Tisch und Bänken ist nur eins von etwa 20 Motiven, die Oliver Windus im Auftrag der drei Geschäftsführer Thomas Kilian, Christian Wählen und Thorsten Keller in der Schokoladenfabrik gemacht hat. Wichtig war den Treibholz-Chefs dabei vor allem eins: Auf den Tisch müssen sechs Gedecke passen. Das Foto soll nämlich Restaurantbesitzer davon überzeugen, ihre Möbel für die Außengastronomie in Löhne zu ordern.

Das zweite Motiv an diesem Tag sind Lounge-Sessel. "Ich mag diesen Kontrast", sagt Thorsten Keller und setzt sich erst mal selbst hinein. Der Tag war lang. Unten vor der Fabrik steht ein Möbelwagen des Küchenzulieferers Keller und Wehbrink. Diese Firma ist das erste geschäftliche Standbein von Thorsten Keller. Die Treibholz-Möbel im Internet-Vertrieb sind sein zweites. Und dafür legt der Chef auch selbst Hand an. Sämtliche Möbel mussten rauf in den zweiten Stock. Dort ist das Licht am besten und die Graffiti am schönsten.

Die Abriss-Immobilie in Rehme ist ein gefragter Ort für Film- und Foto-Shootings. Der Fotograf hat den Kontakt zum Eigentümer, dem Architekten Henning Bökamp hergestellt. Der denkt gar nicht daran, den Bau abzureißen, hat er neulich der NW verraten. Im Gegenteil: Die alte Fabrik könnte neue Heimstätte für junge Kreative werden. Für Leute wie die von Treibholz. Doch das ist Zukunftsmusik. Bis zum Umbau lockt die Fabrik die Kreativen nur mit ihrem morbiden Charme.

Stilleben: Thorsten Keller sitzt auf seinen Lounge-Möbeln unter farbenfrohem Graffiti zur Probe. - © FOTO: ULF HANKE
Stilleben: Thorsten Keller sitzt auf seinen Lounge-Möbeln unter farbenfrohem Graffiti zur Probe. | © FOTO: ULF HANKE

Auf dem grauen Lounge-Tisch steht eine Obstschale mit Bananen, Trauben, Äpfeln. Sie geben einen ebenso hübschen Farbtupfer wie das leuchtende Graffito an der Wand. Die Schokoladenfabrik transportiert ihre eigene über 100 Jahre alte Geschichte, genauso wie die Möbel aus Gebrauchsholz.

Oliver Windus drückt auf den Auslöser. Das Motiv ist im Kasten. Der Löhner Fotograf belohnt sich mit einem Schluck Tee aus der Thermoskanne, die aussieht wie ein Objektiv seiner Profikamera und lächelt versonnen. Dann zeigt er am Klapprechner das vorläufige Ergebnis. Zuhause wird er die Bilder noch nachbearbeiten.

In wenigen Tagen sind sie dann im Internet zu sehen.

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