Reimund Hartig, professioneller Klavierstimmer des Osnabrücker Musikfachgeschäfts Rohlfing, hatte am Montag und Dienstag reichlich Arbeit mit den zwölf Pianos im neuen Musikschulgebäude. Für jedes Instrument benötigt er etwa zwei Stunden. - © FOTO: JÜRGEN NIERSTE
Reimund Hartig, professioneller Klavierstimmer des Osnabrücker Musikfachgeschäfts Rohlfing, hatte am Montag und Dienstag reichlich Arbeit mit den zwölf Pianos im neuen Musikschulgebäude. Für jedes Instrument benötigt er etwa zwei Stunden. | © FOTO: JÜRGEN NIERSTE

Löhne Für Wohlklang ist vorgesorgt

Ab heute kommt Leben ins neue Musikschulgebäude im Stadtzentrum

Von Jürgen Nierste
05.09.2013 | Stand 03.09.2013, 20:13 Uhr

Löhne. Neues Gebäude, zweiter Versuch: Die Musikschule ist in den Sommerferien wieder ins Stadtzentrum umgezogen. Nach der langen Zwangspause kommt ab heute wieder Leben in den attraktiven Rundbau. Der erste Bezug vor mehr als zwei Jahren wurde im wesentlichen innerhalb von zwei Tagen über die Bühne gebracht. "Diesmal haben der Umzug und die Rückinstallation der Technik mehrere Wochen in Anspruch genommen", so Musikschulleiter Gerd Sowa.

Das sei durchaus so geplant gewesen, denn die Möbel und Instrumente sollten so schonend wie möglich transportiert und wieder aufgebaut werden. "Das hat hervorragend funktioniert. Bis auf einige Kleinigkeiten ist alles wieder am vorgesehenen Platz", versichert Sowa.

In den letzten Tagen wurden im Gebäude noch eine Reihe von kleineren Arbeiten erledigt. So wurde ein Raumplan erstellt, der direkt im Eingangsbereich den Weg weist, damit die Schülerinnen und Schüler ihre jeweiligen Lehrer heute zur Neueröffnung auch problemlos finden.

Die meiste Arbeit bewältigte in den letzten beiden Tagen Klavierstimmer Reimund Hartig aus Osnabrück. Er sorgte wieder für Wohlklang bei den insgesamt zwölf Klavieren und Flügeln im neuen Gebäude. Pro Instrument benötigt er im Schnitt zwei Stunden. Deshalb brachte Hartig zeitweise noch einen Kollegen mit, um rechtzeitig fertig zu werden.

Selbst für einen professionellen Klavierstimmer ist das komplette Durchstimmen eines Instruments ein zeitaufwendiges Unterfangen. "Für jeden der hohen Töne gibt es im Klavier gleich drei Saiten und für die Mittelstimmen jeweils zwei", erklärt Hartig. Diese Saiten müssen haargenau gleich gestimmt sein, denn selbst kleinste Unterschiede in der Tonhöhe seien deutlich zu hören. Nur die ganz tiefen Töne der 88 Klaviertasten kommen mit je einer Saite aus – aber auch die wollen ja gelegentlich gestimmt sein.

Zum Handwerkszeug eines Klavierstimmers zählt nicht nur ein exaktes Gehör, sondern auch ein ganzer Koffer voller Spezialwerkzeug. Mit dem behebt Reimund Hartig kleinere Probleme der Klaviatur und Mechaniken an Ort und Stelle.

Für den Wohlklang der Instrumente ist also gesorgt, wenn an ihnen ab heute wieder der Unterricht läuft – sollten ab jetzt doch noch schiefe Töne an den Klavieren erklingen, liegt's nicht am Instrument ...

Weitere Wohlklänge – und zwar auch solche, die elektronisch erzeugt werden – sind ab heute im großen Saal des neuen Musikschulgebäudes zu hören. Tontechniker Jörn Nettingsmeier legte gestern noch letzte Hand an und installierte vier erstklassige Lautsprecher in dem vielseitig verwendbaren Saal, dessen Akustik nochmals optimiert wurde. Sowohl für die Besucher, aber auch für Tonaufnahmen herrschen hier nun sehr gute Bedingungen.

"Es haben bis zu 120 Zuhörer Platz. Gleichzeitig ist der Saal aber so angelegt, dass darin auch ein komplettes Orchester proben kann", erläutert Sowa. Für ihn ist der schöne Saal das Schmuckstück der Musikschule. "Dieser Raum allein bietet schon Möglichkeiten, von denen wir bislang nur träumen konnten", schwärmt er. Hier finden nicht nur nur klassische Ensembles beste akustische Voraussetzungen, sondern ebenso laute Rockbands.

Die Möglichkeiten, die der neue Saal bietet, bringen den Musikschulleiter auf Ideen: "Meine Wunschvorstellung ist, hier zusammen mit dem Kulturamt eine regelmäßige Reihe von kleineren Konzerten zu veranstalten."

Es wäre toll, wenn es gelänge, eine kleine richtige Livemusik-Szene in Löhne ins Leben zu rufen, mit Musikstilen, die hier bislang kaum vertreten sind wie Jazz, Blues oder Folk, hofft Sowa. Am Geld werde das wohl kaum scheitern, sagt er mit mehr als einem Anflug von Ironie – dies seien ja musikalische Bereiche, in dem viele Bands schon fürs Eintrittsgeld spielen.

Wichtig sei in jedem Fall, dass nun Leben ins Gebäude komme. Und vor allem auch in den schönen Orchestersaal.

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