Gyronimus der Basstard, Kelaino der Dunkle, Garik Sturmbringer, Aello die Windboe, Michael von Ullrichstein, Mechthild Hexengeige und Podargo der Schnellfliegende (v. l.) dürfen beim Wacken Open Air auftreten. - © Foto: Privat||
Gyronimus der Basstard, Kelaino der Dunkle, Garik Sturmbringer, Aello die Windboe, Michael von Ullrichstein, Mechthild Hexengeige und Podargo der Schnellfliegende (v. l.) dürfen beim Wacken Open Air auftreten. | © Foto: Privat||

Löhne Harpyies Blindflug nach Wacken

Löhner Mittelalterband spielt beim größten Open-Air-Heavy-Metal-Festival in Schleswig-Holstein

von miriam scharlibbe

Löhne. Es ist eine fünftägige Schlammschlacht unter freiem Himmel - und der Traum vieler Musiker. Am Mittwoch startet das Heavy-Metal-Festival "Wacken Open Air". Unter den rund 80 Künstlern, die in dem schleswig-holsteinischen Ort auftreten sollen, ist auch die Band Harpyie dabei. Die Mittelalter-Rocker kommen aus dem gesamten Raum Herford, ihren Probenraum aber haben sie in Löhne.

Sie wollten anders sein, auffallen und hatten den Traum, dass sie ihre Leidenschaft irgendwann auf die ganz große Bühne bringt. Das haben die Bandmitglieder von Harpyie jetzt viel schneller geschafft, als sie jemals zu träumen gewagt hätten. Denn gegründet hat sich die Gruppe erst 2011. "Dass wir jetzt in Wacken spielen dürfen, haben wir zum einen unserem übertriebenen Optimismus zu verdanken und zum anderen, dass wir dem Veranstalter wohl positiv aufgefallen sind", sagt Michael von Ullrichstein. "Wenn wir vor Monaten in Interviews gefragt wurden, wo wir in einem Jahr sein wollen, haben wir immer gesagt, dass wir nach Wacken wollen."

Aus mehr als 2.000 Bewerbungen wurden die Rocker aus OWL ausgewählt, um auf dem mit etwa 80.000 Besuchern angeblich weltgrößten Heavy-Metal-Festival aufzutreten. Für diese Ehre gibt es dann allerdings auch keine Gage oder Sonderbehandlung. Die Instrumente dürfen zwar ins trockene Lager, aber Aello die Windboe (Gesang), Mechthild Hexengeige (Geige/Gesang), Garik Sturmbringer (Sackpfeifen/Flöten/Gitarre), der Herr von Ullrichstein (Sackpfeifen), Podargo der Schnellfliegende (Gitarre), Gyronimus der Basstard (Bass) und Kelaino der Dunkle (Schlagzeug/Gesang) müssen ihre Nächte wie alle Wacken-Besucher auf dem schlammigen Zeltplatz verbringen.

Für die Musiker, die im zivilen Leben als Webdesigner, Heilerziehungspfleger oder Computerfachmann arbeiten, ist die Teilnahme dennoch ein Ritterschlag. "Das wird definitiv unser größter Auftritt und die beste Werbung für unser neues Album, die wir uns nur wünschen können", sagt Michael von Ullrichstein, der genau wie seine Bandkollegen seinen bürgerlichen Namen geheim halten will. Er hofft, viele neue Fans für seine Musik begeistern zu können. "Wir wollen immer etwas neues machen, etwas ganz eigenes", sagt von Ullrichstein. Darum hat sich die Band auch nach dem geflügelten Mischwesen aus der griechischen Mythologie benannt. "Dabei wissen wir, dass wir auch polarisieren."

Neben den düsteren gibt es aber auch etliche positive Lieder. Die Musiker, die aus Löhne, Herford, Bielefeld, Bad Oeynhausen und Hille kommen bieten einen wechselwarmen Sturm zwischen Elementen des modernen Metal, Aufbereitungen klassischer Spielweisen und mittelalterlichen Klängen mit deutscher Sprache.

Viele Hörer würden die Musik von Harpyie wohl als Folk-Metal oder Mittelalter-Rock bezeichnen. Von Ullrichstein sagt: "Wenn eine ganz eigene Erzählstimme und folkloristische Instrumente mit dem Druck des modernen Metal zu einer Windhose werden, dann sind Harpyie ein Jahrhundertsturm." In Wacken werden die Harpyien neben Liedern aus ihrem 2012 erschienenen Debütalbum "Blindflug" auch einige neue Titel präsentieren. Ihre zweite CD "Willkommen im Licht" soll im Herbst erscheinen.

Michael von Ullrichstein freut sich auf das Open-Air-Festival. "Ich bin bisher noch nie dort gewesen, auch nicht als Besucher", sagt von Ullrichstein. "Ich habe immer gesagt, wenn ich nach Wacken fahre, dann um dort auf der Bühne zu stehen. Und jetzt hat es geklappt."

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