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Löhne Mit Radfahren Taschengeld aufbessern

Wenn Schüler ihr Schulwegticket abgeben, erhalten sie dafür eine Entschädigung

VON SUSANNE BARTH
28.04.2013 | Stand 26.04.2013, 19:47 Uhr
Nils Stengert, ehemaliger Schüler, fand die Aktion super.
Nils Stengert, ehemaliger Schüler, fand die Aktion super.

Löhne. Wenn Luca und Robin morgens zur Schule fahren, schwingen sie sich aufs Rad. "Damit sind wir wesentlich schneller als mit dem Bus", sind sich die beiden Freunde, die in die zehnte Klasse der Städtischen Realschule gehen, einig. Und damit sind die beiden Schüler nicht nur sportlich unterwegs, sondern verdienen sich jeden Monat auch noch 15 Euro dazu.

Denn Luca (15) und Robin (16) wohnen über 3,5 Kilometer von der Schule entfernt. Luca erstrampelt sich täglich aus der Ellerbuscher Straße den Weg zur Schule, Robin wohnt in den Ellern. Damit steht den Realschülern wie insgsamt 1.390 Schülern ein Busfahrticket zu. Einige davon verzichten auf die Fahrt mit dem Bus, steigen aufs Fahrrad und verdienen damit sogar Geld.

Am Schuljahresanfang bekommen Luca und Robin für jeden Monat ein so genanntes Schulwegticket mit dem sie den Bus zur Schule nutzen können. "Nun können sie sich überlegen, ob sie das Schuljahr über mit dem Bus fahren oder im Sommer lieber das Rad nutzen", sagt Claudia Dahlmann vom Schulverwaltungsamt. Entscheiden sich die Schulkinder einen oder mehrere Monate fürs Rad, geben sie die nicht benötigten Tickets bei der Schulsekretärin zurück. Dann erradeln sie sich pro Monat 15 Euro. "So können sie sich das Taschengeld aufbessern und sind gesünder unterwegs", sagt Dahlmann. Auch die Stadt profitiert davon. Denn ein Busticket kostet je 46,20 Euro. Geben Schüler es zurück, zahlen die Stadt an sie 15 Euro. Damit bleibt ein Plus von gut 30 Euro.

Robin Windmann (l., 16) und Luca Adam (15) von der Städtischen Realschule schwingen sich morgens aufs Rad und polstern sich so ihr Taschengeld auf. - © FOTO: SUSANNE BARTH
Robin Windmann (l., 16) und Luca Adam (15) von der Städtischen Realschule schwingen sich morgens aufs Rad und polstern sich so ihr Taschengeld auf. | © FOTO: SUSANNE BARTH

Luca und Robin verdienen sich so etwas dazu. Beide haben nur im Dezember und Januar das Ticket behalten. "Sonst fahren wir bei Wind und Wetter", sagt der 15-jährige Luca. Viel praktischer sei es. "Denn mit dem Bus sind wir nicht nur fast doppelt so lange unterwegs, wir müssen auch mega pünktlich sein", sagt Robin. "Mit dem Rad können wir morgens auch mal trödeln, die verlorenen Minuten holen wir durch das schnelle Fahren wieder auf", ergänzt Luca und grinst.

Die Aktion können nur Schüler nutzen, denen ein Busticket zusteht. Das heißt, sie müssen mindestens 3,5 Kilometer von ihrer Schule entfernt wohnen. Dabei ist das Schulverwaltungsamt ganz genau. Der kürzeste Weg wird gemessen. "Von der Haustür bis zum nächstgelegenen Eingang der Schule", sagt Dahlmann. Dabei wird kein Auge zugedrückt: "Wenn es eng wird, laufe ich den Weg zu Fuß mit einem Messrad ab."

Doch nicht jeder, der die nötigen Kilometer vorweisen kann, darf sich die Belohnung auch erradeln. Da ist das Merkblatt, das Dahlmann seit gut zehn Jahren an den weiterführenden Schulen verteilt, sehr deutlich: "Für Schulwegtickets, die auf Grund eines ärztlichen Attestes oder eines gefährlichen Schulweges ausgegeben wurden, gilt dies nicht."

Und schnell wird eine Straße zur gefährlichen Strecke. "Das müssen auch nur 50 Meter sein, wenn es gefährlich ist, können wir die Schüler nicht mit gutem Gewissen Rad fahren lassen", sagt Dahlmann. Fehlt ein geeigneter Gehweg, liegt der Schulweg am Waldesrand, gibt es keine ausreichende Beleuchtung oder fehlt auf einer vielbefahrenen Straße die Überquerungshilfe schon wird die Strecke als gefährlich eingestuft.

Die Strecke entlang des Werredeichs, ein Teil der Oeynhausener Straße oder der Alte Postweg sind als gefährlich eingestuft: "Würde ich die Kinder trotzdem dort entlang fahren lassen und es passiert etwas, würde ich mir nur Vorwürfe machen", argumentiert Dahlmann ihre Entscheidung.

Die Rad-Aktion wird von den Schülern seit mehreren Jahren gut angenommen. Auch Nils Stengert nutze die Aktion in der 9. und 10. Klasse: "Sobald es warm wurde, bin ich die gut fünf Kilometer zur Gesamtschule mit dem Rad gefahren." Nils findet die Aktion "super, allerdings war ich der einzige in meiner Klasse".

Gymnasiasten nutzen das Rad am meisten. Gut 80 Schüler nehmen an der Aktion teil. Von der Goethe-Realschule und der Hauptschule beteiligen sich jeweils drei Schüler daran, an der Städtischen Realschule sind es 21. Überlegen lohnt sich: Bis Dienstag, 30. April, können die Tickets noch im Sekretariat der Schule abgegeben werden.

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