Löhne Hermes: Krach rund um die Uhr

Gutachter sagen mehr Lärm voraus

VON ULF HANKE

Löhne. Auf dem Papier sind es nur Buchstaben- und Zahlenkolonnen, doch schon bald könnten daraus Lastwagenkolonnen werden. Rund um die Uhr soll das geplante Hermes-Logistikzentrum betrieben werden. Dann rollt der Schwerlastverkehr ohne Pause auf den Straßen durch Gohfeld.

Das Schallgutachten für die Wohnhäuser rings um das Warenverteilzentrum zeigt, wie sehr der Lärm ins Leben der Anwohner eingreifen wird. Mittwoch, 18.30 Uhr, will der Rat über den Hermes-Entwurf entscheiden. Das Logistikzentrum wird an den Häusern im Westen und Südwesten neun Dezibel, im Süden elf Dezibel zusätzlichen Lärm verursachen. Im Osten gibt es bereits eine hohe Belastung durch das Gewerbegebiet und die Bahnstrecke.

Der Krach am Scheidkamp wird für alle Anwohner lauter – und zwar beträchtlich: Eine Steigerung um drei Dezibel bedeutet eine Verdoppelung der Schallenergie, zehn Dezibel mehr bedeuten zehnmal so viel Energie. Das menschliche Ohr nimmt eine Steigerung um zehn Dezibel etwa als doppelt so laut wahr.

Die geplanten Schutzmaßnahmen senken den Lärm zwar unter die zulässigen Richtwerte. Allerdings gelten unterschiedliche Höchstwerte für Verkehrs- und Betriebslärm. Zudem müssen die Anwohner im Außenbezirk Leinkamp weniger gut vor Lärm geschützt werden als im Wohnbezirk Schierholzstraße.

Am Mühlenbach rechnen die Gutachter laut Ratsvorlagen mit einer Belastung von 54 Dezibel am Tag und 40 Dezibel in der lautesten Nachtstunde. Im Westen und Südwesten, an der Schierholzstraße, sagen sie Werte von tagsüber 51 und 37 Dezibel nachts voraus. Die Richtwerte für die Wohngebiete sehen maximal 55 Dezibel am Tag und 40 Dezibel in der Nacht vor. Die sechs Meter hohe Lärmschutzwand mindert den Krach auf ein zulässiges Maß.

Am Leinkamp werden die Anwohner tagsüber mit Lärm von 53 und nachts von 44 Dezibel rechnen müssen. Weil hier im Außenbereich andere Richtwerte gelten, maximal 60 Dezibel tags und 45 nachts, liegen die Werte im zulässigen Bereich. Im Osten des Zentrums, Scheidkamp und Unterer Hellweg, errechneten die Gutachter eine Punktlandung: In dem Mischgebiet wird der Betriebslärm die zulässigen Werte wegen einer acht Meter hohen Lärmschutzwand nicht überschreiten.

An einem Haus mitten im Gewerbegebiet werden die Werte nicht erreicht. Die Schallingenieure rechnen am Scheidkamp 5 mit Lärmpegeln von tagsüber 61 und nachts 46 Dezibel. Hauptverursacher für den Lärm ist nicht Hermes, sondern das bereits vorhandene Gewerbe.

Der Verkehr wird mit dem Neubau wachsen und damit auch der Straßenlärm. Das Gutachten geht von 510 Fahrten am Tag und 220 in der Nacht aus. Am Scheidkamp 4 und 5 sowie am Unteren Hellweg 8 und 23 wird das zu deutlichen Überschreitungen der Richtwerte führen.

Zulässig ist in dem Mischbegebiet Lärm von 64 Dezibel am Tag und 54 in der Nacht.Vorausgesagt wird allerdings Dauer-Lärm durch Lastwagen und Autos von 66 bis 68 Dezibel tags und 59 bis 66 Dezibel nachts. Diese Werte überschreiten teilweise selbst den zulässigen Straßenlärm in weniger streng geschützten Gewerbegebieten, der bei 69 Dezibel tags und 59 Dezibel nachts liegt. Der Gutachter empfiehlt deshalb zusätzlichen Lärmschutz, die Verwaltung spricht von "Schallschutzfenstern".

Im Zentrum Gohfelds wird der Straßenlärm durch das Hermes-Logistikzentrum besonders nachts lauter werden, tagsüber dagegen werden die Werte kaum wahrnehmbar steigen. An der Löhner Straße und der Weihestraße errechneten die Ingenieure eine Lärmsteigerung um ein bis zwei Dezibel am Tag, nachts sogar um sechs bis sieben Dezibel. Am Alten Postweg und Großen Kamp steigen die Lärmpegel vermutlich um vier Dezibel am Tag und neun Dezibel in der Nacht. Die Verwaltung hält den Lärm für "vertretbar". Im weiteren Verfahren soll aber "ein angemessenes Maßnahmenpaket für Schallschutz" mit Hermes abgestimmt werden.

Copyright © Neue Westfälische 2018
Texte und Fotos von nw.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group