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Außerhalb der üblichen Öffnungszeiten müssen heiratswillige Paare wohl künftig tiefer in die Tasche greifen. - © FOTO: MENZEL
Außerhalb der üblichen Öffnungszeiten müssen heiratswillige Paare wohl künftig tiefer in die Tasche greifen. | © FOTO: MENZEL
Löhne

Heiraten soll samstags teurer werden

Stadt schlägt eine Satzungsänderung der Verwaltungsgebühren vor / Rat beschließt am 6. Februar die Erhöhungen

30.01.2013 | Stand 29.01.2013, 20:36 Uhr

Löhne. Individuell soll der schönste Tag des Lebens sein. Das eine Hochzeitspaar mag Rosen, das andere Lilien. Das eine Paar begleitende Musik zum Kuss, das andere vollzieht die Trauung ohne jegliche musikalische Untermalung. Und zum perfekten Hochzeitstermin passen für einige Paare die normalen Öffnungszeiten der Villa Meyer montags bis freitags von 8 bis 12.30 Uhr eben nicht unbedingt dazu. Wollen Paare sich freitags bis 16 Uhr oder auch samstags das Jawort geben, soll es für sie künftig teurer werden. Für 76 Euro schließt ein Standesbeamte dann den Bund fürs Leben. Das sind zehn Euro mehr als zu den normalen Öffnungszeiten des Standesamtes. Durchaus zu vertreten.

Das sieht auch Marcus Tarrach so. Er ist im Rathaus für die Verwaltungssteuerung zuständig und hat die Änderungen der Gebührensatzung neu verfasst. 15,15 Prozent teurer soll die Eheschließung samstags dann werden, wenn die Mitglieder im Finanzausschuss die Änderungen so am Donnerstag abnicken und der Rat abschließend am 6. Februar darüber entscheidet.

Die Eheschließung außerhalb der üblichen Öffnungszeiten ist nicht die einzige Erhöhung für die Bürger. Eine Fotokopie oder ein Ausdruck bis DIN A4 soll statt 50 Cent dann 65 Cent kosten, eine Zeugnisbeglaubigung erhöht sich von 2 auf 4,60 Euro. Eigentlich nicht wirklich viel, wenn sich die Prozente nicht so bedrohlich anhören würden: 130 Prozent Aufschlag zum bisherigen Tarif, heißt es in der Vorlage, wenn Zeichnungen, Pläne oder eben Zeugnisse beglaubigt werden müssen.

"Wir greifen die höheren Gebühren nicht einfach aus der Luft", sagt Marcus Tarrach. Die neuen vorgeschlagenen Satzungen sind erstens Empfehlungen von der Gemeindeprüfungsanstalt und müssen zweitens so kalkuliert werden, dass sie den nötigen Aufwendungen des Mitarbeiters im Rathaus entsprechen. Tarrach bringt es auf den Punkt: "Wenn sich etwas bei uns ändert, wie eine Erhöhung der Personalkosten, müssen wir es an die Bürger weitergeben."

Zudem befindet sich die Stadt momentan in einer nicht allzu rosigen Lage. Löhne ist verschuldet und muss an allen Ecken und Kanten sparen, um durch den Stärkungspakt 2018 aus eigener Kraft einen ausgeglichenen Haushalt zu schaffen. Vorher muss jeder mithelfen: "Jede Einnahmemöglichkeit wird ausgeschöpft", sagt Tarrach, der aber im gleichen Satz betont, "auch wenn es der Stadt gerade gut gehen würde, können wir trotzdem keine Geschenke machen." Generell sei man immer verpflichtet, sparsam und wirtschaftlich zu handeln.

In der neuen Verwaltungsgebührensatzung ist nur ein kleiner Ausschnitt der Gebühren verzeichnet. Denn viele Gebühren sind vom Land rechtlich vorgegeben. "Die, die wir aufführen, sind entweder landesrechtlich nicht klar geregelt oder Löhner Besonderheiten." Dazu zählt eben auch die samstägliche Eheschließung: "Ich denke das versteht jeder", sagt Tarrach. "Der Preis rechtfertigt einen besonders schönen Tag. Schließlich muss der Standesbeamte auch extra kommen." Sollten Gebühren allerdings exorbitant steigen, dann könne Tarrach Aufregungen, die in der Bevölkerung entstehen könnten, verstehen: "Ich würden mit Sicherheit auch keine Butter kaufen, die dreimal so teuer wie der Normalpreis ist."

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