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Löhne Tummelplatz für Kreative

Handmade ist in: Immer mehr Löhner nutzen dafür die Plattform "Dawanda"

VON SUSANNE BARTH VON SUSANNE BARTH
10.01.2013 | Stand 09.01.2013, 21:27 Uhr
Mit dem eigens eingerichteten Nähzimmer hat sich Susanne Schreiber einen "Mädchentraum" verwirklicht. Hier schneidet die Löhnerin, die hauptberuflich Computer zusammenbaut, Stoffe zu und näht diese als Taschen zusammen. - © FOTOS: SUSANNE BARTH
Mit dem eigens eingerichteten Nähzimmer hat sich Susanne Schreiber einen "Mädchentraum" verwirklicht. Hier schneidet die Löhnerin, die hauptberuflich Computer zusammenbaut, Stoffe zu und näht diese als Taschen zusammen. | © FOTOS: SUSANNE BARTH

Löhne. Ob Handtaschen oder Häkelpullis, Platzdeckchen oder Perlenschmuck: Auf der Internetplattform "Dawanda" gibt es nichts, was es nicht gibt. Die Seite ist ein Tummelplatz für Kreative. Handarbeit ist in, Selbstgemachtes ein Zeichen von Individualität. In rund 170.000 "Dawanda-Shops" gibt es Kostbarkeiten für jeden Geldbeutel. Unter den Kreativen tummeln sich auch Löhner wie Regina Stuke und Susanne Schreiber.

Massenwaren von der Stange? Keinesfalls gewünscht. Individuell soll es für die meist weiblichen Nutzer von "Dawanda" sein. Und die haben die Qual der Wahl: Über 170.000 Hersteller bieten über drei Millionen Produkte an. Den Motor Internet nutzt auch Regina Stuke (43). Die Löhnerin bietet seit Anfang 2011 unter dem Pseudonym "Kunsthandwerk der Wolle" witzige Kleinkindermode an. Ob eine Piratenwendehose, angesagte Loop-Schals oder eine feine, beleidigte Leberwurst - ihre Produkte haben Charme. Gefertigt werden diese zuhause. Dafür richtet sich Regina Stuke gerade ein eigenes Zimmer ein.

Begonnen hat alles mit einem Pferd. "Als meine Tochter Joanna anderthalb Jahre alt war, liebte sie Pferde über alles", erinnert sich Stuke. Um Joanna eine Freude zu machen, strickte Mutter Regina ihr ein Pferd. Das Stofftier kam nicht nur bei der heute Fünfjährigen gut an, Freunde und Bekannte ermunterten sie weiterzumachen.

Ob Zebras, Giraffen oder Kraken - einen regelrechten Zoo hat Regina Stuke seitdem erstellt, alles in reiner Handarbeit. "Es gibt kein Tier doppelt." Im November 2010 kam dann der Durchbruch. Stuke schickte ihre liebevoll gefertigten Einzelstücke an die Redaktion von Frauenmagazinen und bekam prompt Antwort. Seitdem läuft es.

Nähen, stricken, werkeln heißt es nun für Regina Stuke, die, bevor ihre Tochter zur Welt kam, als Verlagsbetreuerin arbeitete. Mittlerweile sitzt sie statt im Büro täglich an der Nähmaschine. "Leben könnte ich davon nicht, aber es ist ein Full-Time-Job." Denn an einem Stofftier arbeitet die 43-Jährige über 15 Stunden. Und in den Sommermonaten ist sie voll ausgelastet: "Dann stelle ich Schultüten her." Natürlich individuell.

Unikate und Selbstgemachtes gibt es seit 2006 auf dem Online-Marktplatz "Dawanda" zu kaufen. Der Name ist Programm: "Dawanda" - ein afrikanischer Frauenname - bedeutet "die Einzigartige". Die Idee wurde von Claudia Helming und Michael Pütz aus Berlin geboren. Mittlerweile arbeiten in dem Kreativ-Unternehmen 150 Mitarbeiter. Laut "Dawanda" geht jede Minute ein Kleidungsstück über den virtuellen Ladentisch, alle 30 Sekunden ein Accessoire und alle 20 Sekunden ein Produkt aus dem Bereich Schmuck.

Was früher ein Gebot der Not war, liegt im Trend. Immer mehr Menschen schwingen Häkelnadeln, sitzen vor der Nähmaschine. Das man damit Profit machen kann, hat auch Susanne Schreiber (su-sanne-68) erkannt. Eigentlich baut die 44-Jährige Computer zusammen, doch in ihrer freien Zeit dreht sich alles rund ums Nähen und Gestalten. "Es ist mein Hobby", sagt Schreiber, die ein eigenes Nähzimmer hat. "Mein Mädchentraum", sagt sie und zeigt glücklich auf die rosafarbigen Wände, die bunten Stoffe und ihre ausgefallenen Taschen.

"Dawanda" hat die Mutter von zwei Kindern 2011 entdeckt: "Damals habe ich dort selbst eingekauft", erzählt sie. Dann habe sie ihre Tochter, die selbst begeisterte Näherin ist, dazu gebracht, ihre selbstgemachten Taschen dort anzubieten. "Ich kann schließlich nicht alle selbst benutzten", sagt Susanne Schreiber, deren Lieblingsstück eine "Pippi-Langstrumpf-Tasche" ist.

Mittlerweile geht es über Taschen hinaus, Schreiber stellt Knopf-Ringe, gehäkelte Mützen und Bücherhüllen her. Gut 30 Stücke bietet sie momentan auf "Dawanda" an. Und genau wie bei Regina Stuke sind alle Stücke "handmade", je nach Wunsch individuell verändert.

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