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Löhne Das Erbe des Löhner Fotopioniers

Dietrich Schäffer renoviert das historische Atelier seines Großvaters Gottlieb

VON CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER
03.01.2013 | Stand 02.01.2013, 22:14 Uhr
Dietrich Schäffer hält ein historisches Foto des Westscheider Ateliers in den Händen. Geknipst hat es 1958 sein Vater Friedrich, der als Porträt genau wie Gründer Gottlieb Schäffer (r.) an der Backsteinwand hängt. - © FOTOS: CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER
Dietrich Schäffer hält ein historisches Foto des Westscheider Ateliers in den Händen. Geknipst hat es 1958 sein Vater Friedrich, der als Porträt genau wie Gründer Gottlieb Schäffer (r.) an der Backsteinwand hängt. | © FOTOS: CAROLIN NIEDER-ENTGELMEIER

Löhne. Das letzte Familienfoto, bevor der Sohn in den Krieg zieht. Das Alltagsleben in Westfalen. Das glückliche Paar nach der Trauung. Gottlieb und Friedrich Schäffer hielten mit ihren Kameras Zeitgeschichte fest. Sie waren Pioniere der ländlichen Fotografie. Ihnen verdankt die Stadt Löhne ein klares Bild des 19. und des 20. Jahrhunderts.

Die meisten Szenen hielten die Mennighüffer Fotografen in ihrem Atelier fest, das Gottlieb Schäffer zwischen 1880 und 1890 baute. Es wurde sowohl von seinem Sohn Friedrich als auch von seinem Enkel Dietrich genutzt. Noch heute steht die Fotowerkstatt in Westscheid. Dietrich Schäffer renoviert sie und erhält so das Erbe seines Großvaters Gottlieb.

"Seit vielen Jahren renoviere ich das Fotoatelier, doch da die Werkstatt meines Großvaters unter Denkmalschutz steht, ist das sehr zeit- und kostenintensiv", erzählt Dietrich Schäffer, der seinen Großvater nur aus Erzählungen und von Bildern kennt. "Doch mein Großvater ist mir die Mühe wert."

Vor einigen Jahren begann Dietrich Schäffer mit der Renovierung. Die Nordseite, die komplett aus Glas besteht, wurde erneuert. "Damals gab es noch kein elektronisches Licht, aus diesem Grund wurden Fotowerkstätten mit einer Glasseite gebaut", weiß Schäffer. "Das Licht aus dem Norden war stark, aber nicht zu grell und es gab keine Schatten." Zudem wurden das Fenster und die Decken mit Gardinen abgehängt. "So erhielt man weiches Licht."

Vor wenigen Monaten folgte ein neues Dach. Doch vorher musste der Efeu, der die gesamte Fassade umrankte, entfernt werden. "Der Denkmalschutz hat strenge Vorschriften", weiß Schäffer aus eigener Erfahrung. Das bestätigt auch Michael Kellermeier, der für den Denkmalschutz in der Löhner Stadtverwaltung zuständig ist: "Renovierungen an Gebäuden, die unter Denkmalschutz stehen, müssen mit der Stadt Löhne und dem Amt für Denkmalschutz in Münster abgestimmt werden." So durfte das Fotoatelier nicht mit glasierten Dachpfannen gedeckt werden. "Wegen der vielen Regeln nimmt die Renovierung auch so viel Zeit und Geld in Anspruch", so Schäffer.

Information
Die Schäffers

Sie sind lokale Berühmtheiten in Löhne: die Schäffers.

Gottlieb Schäffer (1861 bis 1934) war eigentlich Glaser und Maler. Nach einer Bleivergiftung eröffnete er 1897 die Tageslicht-Fotowerkstatt.

Sohn Friedrich (1891 bis 1976) übernahm das Atelier nach dem ersten Weltkrieg. Neben seinem Beruf als Fotograf lernte er in Bielefeld das Zeichnen.

Enkel Dietrich setzte die Arbeit als Fotograf fort.

In den nächsten Monaten soll der Innenraum der Werkstatt erneuert werden. "Dann werde ich die Gardinen wieder aufhängen und die alte Ausrüstung wieder aufbauen", kündigt der Fotograf an. "Denn die habe ich auseinandergebaut und auf dem Dachboden verstaut."

Bis dahin nutzt Schäffer das ehemalige Atelier als Abstellraum. "Meine Äpfel aus dem Garten halten sich hier besonders gut", sagt Schäffer, für den es als junger Mann selbstverständlich war, die Arbeit seines Vaters Friedrich und seines Großvaters Gottlieb fortzuführen.

In den 1960er Jahren schloss Dietrich Schäffer die Fotowerkstatt und arbeitete in seinem Wohnhaus weiter als Fotograf. "Irgendwann hatte ich auch den Gedanken, die Fotowerkstatt abzureißen, doch die Stadt Löhne und das Freilichtmuseum Detmold konnten mich vom Gegenteil überzeugen."

Heute sei er froh, dass historische Atelier nicht abgerissen zu haben. "Ich will die Werkstatt wieder so aufbauen wie früher." Und dafür sind ihm bestimmt nicht nur die Stadt und das Freilichtmuseum Detmold, sondern auch viele Löhner dankbar, denn kaum jemand hat sich nicht von Familie Schäffer auf einem Foto für die Nachwelt festhalten lassen.

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