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Hans-Jürgen Schneider rollt ein Ackergerät aus seinem Lkw. Zwei griechische Nonnen helfen mit. - © FOTO: NW
Hans-Jürgen Schneider rollt ein Ackergerät aus seinem Lkw. Zwei griechische Nonnen helfen mit. | © FOTO: NW

LÖHNE Trucker aus Leidenschaft

Seit 20 Jahren fährt Hans-Jürgen Schneider mit dem Lkw Waren - ausschließlich nach Griechenland

20.05.2011 | Stand 19.05.2011, 21:40 Uhr

Löhne. Das Büro steckt im Notebook auf dem Küchentisch. In einer Tabelle hat Hans-Jürgen Schneider seine nächste Tour geplant. In wenigen Tagen bricht er auf nach Griechenland. Seit 20 Jahren ist der Löhner Kleinspediteur, dessen Fuhrpark einen Mercedes-Lkw samt Hänger umfasst auf Transporte nach Griechenland spezialisiert.

Für seine Kunden transportiert er ganze Wohnungseinrichtungen, Autos, Motorräder, Kartons, Kleinteile. Alles, was in seinen Lkw passt, wird transportiert. Von Deutschland nach Griechenland und von Griechenland zurück. "Bei der nächsten Tour habe ich auch einen Billardtisch und Unimogreifen geladen", sagt Schneider, der gerade ein Telefongespräch beendet.

"Das war eine Deutsche Kundin, die in Griechenland ein Hotel betreibt", erzählt Schneider. Bei der nächsten Tour bringt er ihr einen Karton. Der Service von Schneider beschränkt sich nicht auf den Transport. "Wenn diese Kundin etwas von Ikea braucht, dann kaufen wir es hier für sie ein und nehmen es mit nach Griechenland", sagt Schneider.

Bei einer anderen Kundin, die sich regelmäßig durch ihn beliefern lässt, wird das Frachtgut auch schon mal deutlich kleiner. "Die hat mich neulich angerufen, weil es in Griechenland keinen Gelierzucker gibt. Den habe ich hier im Supermarkt gekauft und als es beim nächsten Mal auf der Strecke lag, ihr gebracht."

Schneider, der auch häufig von seiner Frau begleitet wird, die ebenfalls einen Lkw-Führerschein hat, steuert von Löhne Ziele in ganz Griechenland an. Auch die zahlreichen Inseln gehören zum Liefergebiet. "Überall dort, wo ein Lkw fahren kann, da bin ich unterwegs."

Schneiders Arbeit ist aufgeteilt zwischen Deutschland und Griechenland. Etwa drei Wochen ist er mit einer Tour in Griechenland unterwegs. Zwei Wochen fährt er durch Deutschland, um die Fracht für seine Tour abzuholen. Und diese Fracht reicht eben vom Kleinteil bis zum kompletten Umzug.

Schränke und Tische kann er schlecht alleine tragen. "In den meisten Städten gibt es eine Drogenhilfe. Dort habe ich meine Ansprechpartner, die mir Helfer vermitteln. Das sind absolut zuverlässige Menschen, die sich gerne was dazu verdienen." Wenn er in Griechenland Hilfe braucht, dann gibt er Tagelöhnern eine Verdienstmöglichkeit.

"Die stehen in größeren Städten an bestimmen Kreuzungen und warten auf Arbeit. Die verdienen im Schnitt 30 Euro pro Tag, ich zahle ihnen 10 Euro pro Stunden. Das ist angemessen, weil ein Umzug echt Knochenarbeit ist", sagt Schneider.

Viele seiner Kunden, zum Beispiel auch der Löhner Liebich, greifen regelmäßig auf die Transportdienste von Schneider zurück. "Ich bin für viele Deutsche so was wie die Post", sagt er lächelnd.

Viel Werbung macht Schneider nicht. "Die meisten meiner Kunden bekomme ich durch Empfehlungen. Zum Beispiel auch das Goethe-Institut und die Deutsche Botschaft in Athen." Gearbeitet hat er auch für den ehemaligen deutschen Botschafter Wolfgang Schultheiß. Der hat vor Kurzem Fracht aus Löhne abgeholt und ihm zum Dank für seine Arbeit ein von ihm geschriebenes Buch über die deutsch-griechischen Beziehungen geschenkt.

Hans-Jürgen Schneider ist Trucker aus Leidenschaft. "Das ist für mich viel mehr Freude als Arbeit." Das liege nicht zuletzt an der Gastfreundschaft der Griechen. "Wenn ich dort bei einem Kunden ankomme, dann heißt es erst mal: Setz Dich und trink’ einen Kaffee. Dann wird abgeladen."

Durch die Krise in Griechenland hat sich allerdings die Stimmung der Griechen verändert. Schon seit der Euro-Einführung sei es hektischer geworden, das habe sich noch verschärft. "Der normale Bürger versteht, dass Schulden abgebaut werden müssen. Er versteht aber nicht, warum viele Politiker in Saus und Braus leben." Für Schneider ist Griechenland schon fast seine zweite Heimat. Vor mehr als 20 Jahren sah seine Lebensplanung anders aus: "Ich habe bei der Telekom gearbeitet und wäre fast Beamter geworden." Er ist froh, dass er diesen Schritt nicht gegangen ist. "Was ich jetzt tue, ist die beste Arbeit, die ich mir vorstellen kann."

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