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Löhne Revolution im Klassenzimmer

Das Gymnasium testet vier interaktive elektronische Tafeln

VON MARTIN FRÖHLICH
30.11.2010 | Stand 29.11.2010, 19:36 Uhr
Beim Spiel am Whiteboard im Englischunterricht der 5. Klasse ist die Resonanz riesig. Die neue interaktive Tafel macht Spaß. - © FOTO: MARTIN FRÖHLICH
Beim Spiel am Whiteboard im Englischunterricht der 5. Klasse ist die Resonanz riesig. Die neue interaktive Tafel macht Spaß. | © FOTO: MARTIN FRÖHLICH

Löhne. Die Kreidezeit geht noch einmal zu Ende - mitten im Mathematikunterricht. Während das Erdzeitalter bereits 65 Millionen Jahre zurückliegt, hat sich die Kreide an den Schultafeln bis heute gehalten. Bis heute. Denn das Gymnasium arbeitet jetzt in vier Klassenräumen ganz und gar ohne Kreide. Und ohne Schwamm. Und ohne Tageslichtprojektor, Fernseher, Videorekorder, Landkarten. Das Gymnasium hat interaktive Whiteboards (weiße Tafeln) eingeführt.

Auf den ersten Blick tut Mathematiklehrer Jens Bieneck in der 11. Klasse das, was alle Lehrer tun: Er schreibt an die Tafel. Aber Bieneck benutzt einen Spezialstift und schreibt auf einer erleuchteten Fläche, die einem PC-Dokument gleicht.

Dann drückt Bieneck eine Taste auf dem Laptop daneben und an der Tafel erscheint ein Formular. Der Lehrer trägt eine Differentialfunktion ein. Ein Mausklick auf "Ausführen" - schon erscheint die exakt gezeichnete Kurve im Koordinatensystem. "Früher hätte ich dafür viel länger gebraucht", sagt Bieneck. Ganz zu schweigen vom umständlichen Geodreieck und dem Lineal.

Sie ist ein Universalgenie für Klassenräume, die elektronische Tafel mit dem englischen Namen "Whiteboard". "Man kann sie wie eine Tafel benutzen", erklärt Bieneck. Doch man kann sie auch wie Computer benutzen. Zugriff aufs Internet? Kein Problem. Einen Film zeigen? Nichts leichter als das. Ein Blick auf den Globus? Bitteschön. Tafelbilder abspeichern und an Schüler versenden? Geht auch.

Seit diesem Schuljahr testet das Gymnasium Whiteboards. "Wir können uns dieser technischen Entwicklung nicht verschließen", sagt der stellvertretende Schulleiter Uwe Bastemeyer. Das sei man Schülern, Kollegen und auch gerade den Referendaren schuldig. "Für letztere ist das eine tolle Möglichkeit in ihrer Ausbildung."

Fest steht bereits: "Wir werden die Tafeln auf jeden Fall behalten." Bastemeyer koordiniert die Aktion. Bezahlt hat die Tafeln der Förderverein. 10.000 Euro hat das gekostet. "Wobei wir auf einer Messe noch einen sehr guten Preis bekommen haben", so Bastemeyer. Das Zubehör wie Beamer ist eingerechnet.

Der Aufbau ist simpel: Der Laptop wird mit dem Beamer verbunden, der projiziert alles auf die Tafel. In der befindet sich ein weiterer Rechner, der verarbeitet, was auf die Fläche geschrieben wird.

Bislang setzt das Gymnasium die Whiteboards hauptsächlich in der Oberstufe ein. Doch auch in einer fünften Klasse. "Da haben sich die Kinder besonders schnell daran gewöhnt", so Lehrer Jens Bieneck. Während die Schüler den ganzen Tag damit arbeiten, war es für die Lehrer oft nur eine Stunde. "Wenn wir dann was nicht wussten, halfen die Schüler."

Anfangs war mancher Kollege skeptisch, wie Uwe Bastemeyer einräumt, doch inzwischen "spricht es sich rum, dass das gut läuft". Natürlich sei nicht in jedem Fach die interaktive Tafel notwendig, aber in den meisten mache es Sinn. Das hat auch Horst Brockfeld festgestellt.

Als er in der 5. Klasse Englisch unterrichtet, reißen sich die Schüler darum, an die Tafel zu dürfen. "Hier sind plötzlich ganz neue Abläufe möglich", so Brockfeld. Er projiziert ein Wortspiel auf das Board. Die Kinder ziehen bestimmte Gegenstände mit dem Stift in Körbe. "Das ist viel besser als mit Kreide, denn jetzt bekommt man keine schmutzigen Finger mehr", hat die elfjährige Kimberly festgestellt. Sie hat allerdings auch einen Makel gefunden. "Der Stift schreibt leicht versetzt, daran muss ich mich noch gewöhnen."

Ansonsten, da sind sich Jens Bieneck und Horst Brockfeld einig, hält sich die Kritik in Grenzen. "Es verleitet vielleicht dazu, mehr Frontalunterricht zu machen", sagt der Mathelehrer. Und der sei ja nicht mehr gewollt. "Da muss schon man aufpassen." Auch das Unterrichtstempo erhöhe sich durch das Hilfsgerät. "Es besteht die Gefahr, dass man zu schnell wird."

Aber da kann man ja im Notfall eine Pause machen und die Tafel einfach mal laut lachen lassen. Diese technische Spielerei lieben die Fünftklässler.

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