0
Im zweiten Brief fordert "Czech Media Factoring" bereits 125 Euro für einen Anruf, den es gar nicht gab. - © FOTO: MARTIN FRÖHLICH
Im zweiten Brief fordert "Czech Media Factoring" bereits 125 Euro für einen Anruf, den es gar nicht gab. | © FOTO: MARTIN FRÖHLICH

LÖHNE Dubiose Telefon-Abzocke

Mennighüffener Ehepaar soll 90 Euro für einen Sex-Anruf bezahlen / Firma als unseriös bekannt

VON ANNA-LENA WAGNER
08.10.2010 | Stand 07.10.2010, 19:57 Uhr

Löhne. Da staunten Inge und Heinz Steiner (Namen geändert) aus Mennighüffen nicht schlecht, als sie Post von der Firma "Czech Media Factoring" bekamen. Für einen Anruf bei einer dubiosen Sex-Hotline sollte das Ehepaar 90 Euro bezahlen und diesen Betrag innerhalb von acht Tagen an das Unternehmen überweisen. "Dabei waren wir zur angegebenen Uhrzeit überhaupt nicht zu Hause", sagt Inge Steiner.

Im Schreiben an das Ehepaar Steiner verweist das Unternehmen auf acht Telefonnummern, von denen eine zur oben angegebenen Uhrzeit angerufen worden sei. Dabei sei eine kostenpflichtige Telefonsex-Serviceleistung des Unternehmens "R.M.I." in Anspruch genommen worden. Dieses sitzt laut Rechnung in Road Town Tortola – der Hauptstadt einer Insel in der Karibik.

"Das stimmte natürlich nicht. Schon der Briefkopf von ,Czech Media Factoring‘ hat mich stutzig gemacht, weil nur ein Postfach, aber keine Adresse oder Telefonnummer angegeben war", sagt Inge Steiner, die während des angeblichen Gespräches gemeinsam mit Ehemann und Tochter bei einer Veranstaltung in der Werretalhalle war. "Unser Sohn war auch nicht zu Hause, sondern bei seinen Großeltern", sagt Inge Steiner.

Der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen mit Sitz in Düsseldorf ist dieses Problem bekannt. "Häufig ist die Masche: Die Menschen werden per Ping-Anruf gelockt, rufen diese Nummer zurück und sollen dann für die hohen Kosten aufkommen", sagt Fachreferent Thomas Bradler. Die Verbraucherzentrale sei der Ansicht, dass die Kunden diesen Forderungen nicht nachkommen sollten. "Vor allem dann nicht, wenn es nachweislich überhaupt keinen Telefonanruf gab", sagt Bradler.

Das Ehepaar Steiner hat reagiert und mit Unterstützung der Verbraucherzentrale die Rechnung schriftlich abgewehrt. Doch das Unternehmen "Czech Media Factoring" lässt nicht locker: Im Juli erhielten die Steiners ein Mahnschreiben mit Zahlungsaufforderungen in Höhe von 125 Euro, weil Mehrkosten etwa für Porto und Bürokosten angefallen seien. Mitte September gab es dann erneut Post – diesmal von einem Münchner Inkassobüro, das für die Firma "R.M.I." Forderungen von nun über 250 Euro eintreiben wollte. "Für uns ist das abgehakt, wir werden darauf nicht mehr reagieren", sagt Heinz Steiner.

Laut Thomas Bradler ist genau dies die richtige Methode: "Die Betroffenen sollten auf jeden Fall einen Widerspruchsantrag stellen, um keinen Schufa-Eintrag zu riskieren." Und dann sollte man Ruhe bewahren. "Meist verschwinden solche Firmen relativ schnell und tauchen dann unter anderem Namen wieder auf", sagt der Fachreferent.

Wer aus Unsicherheit das Geld bereits überwiesen hat, kann auch im Nachhinein gegen dubiose Firmen vorgehen, wenn ein Anruf nicht nachzuweisen ist. "Selbstverständlich gibt es einen Rückforderungsanspruch. Wenn die Firma ohne Gegenleistung Geld einfordert, liegt der Tatbestand des Betruges vor", sagt Gisela Eschenbach, Rechtsanwältin aus Löhne. Bei einer Strafanzeige könne die Kriminalpolizei den Kontoinhaber ausfindig machen.

Problematisch ist es, wenn die Firma nicht mehr existiert. "Dann war das Vorgehen erst einmal umsonst. Aber die Frage der Strafbarkeit bleibt bestehen, eine Anzeige sensibilisiert ", sagt Eschenbach.

Etliche Hinweise im Internet über ähnliche Erfahrungen mit der dubiosen Telefonfirma haben die Steiners bestärkt, weiterhin abzuwarten und kein Geld zu überweisen. Aufwühlend ist die Situation für Heinz Steiner trotzdem: "Es ist nicht leicht, die Nerven zu bewahren."

Kommentare

Die Kommentarfunktion für diesen Artikel ist deaktiviert.

nw.de bietet Ihnen unter vielen Artikeln und Themen die Gelegenheit, Ihre Meinung abzugeben, mit anderen registrierten Nutzern zu diskutieren und sich zu streiten. nw.de ist jedoch kein Forum für Beleidigungen, Unterstellungen, Diskriminierungen und rassistische Bemerkungen. Deshalb schalten wir bei Artikeln über Prozesse, Straftaten, Demonstrationen von rechts- und linksradikalen Gruppen, Flüchtlinge usw. die Kommentarfunktion aus. Näheres dazu lesen Sie in unseren Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion (Netiquette) und in dem Kommentar unseres Chefredakteurs Thomas Seim zur Meinungsfreiheit im Forum der NW.

realisiert durch evolver group