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Walter Dökel zeigt die Handwerke, auf denen die Freimaurerei basiert. Von der Bearbeitung des Steins mit dem Meißel geht es über das Mauern bis zur Planung mit dem Zirkel. So wird die Entwicklung eines Freimaurers vom Suchenden zum Meister gesehen. - © FOTO: DIRK WINDMÖLLER
Walter Dökel zeigt die Handwerke, auf denen die Freimaurerei basiert. Von der Bearbeitung des Steins mit dem Meißel geht es über das Mauern bis zur Planung mit dem Zirkel. So wird die Entwicklung eines Freimaurers vom Suchenden zum Meister gesehen. | © FOTO: DIRK WINDMÖLLER

Löhne Das Gute im Menschen finden

Walter Dökel ist Freimaurer aus Leidenschaft / Aktuelle Entwicklung bereitet ihm Sorgen

VON DIRK WINDMÖLLER
15.06.2010 | Stand 14.06.2010, 19:08 Uhr

Löhne. Wolfgang von Goethe, Ludwig van Beethoven, George Washington. Sich mit solchen Männern in eine Reihe zu stellen, ist nicht die schlechteste Position. Der Löhner Walter Dökel kann dieses Recht für sich in Anspruch nehmen. Verbunden sind sie in einer Grundhaltung: Der Freimaurerei.

Geheimnisumwittert ist diese Vereinigung . Mal wird ihr unterstellt, eine Verschwörung zur Erringung der Weltherrschaft vorzubereiten. Mal stellen konservative Katholiken wie der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller bizarre Verbindungen her. Vor kurzem äußerte er sich mit Blick auf die Mißbrauchsdebatte in der katholischen Kirche laut der "Katholischen Nachrichtenagentur":

"Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gehört einer Art Freimaurer-Vereinigung an, die Pädophilie als Normalität darstellt, die entkriminalisiert werden soll. Also kann sie uns nicht kritisieren". Wenn Walter Dökel, 73 Jahre, Freimaurer mit Leib und Seele, diese Sätze liest, dann macht er sich Sorgen. Sorgen, dass das Klima für die Sache der Freimaurer in Deutschland wieder rauer wird.

Dazu passt nach seiner Meinung auch, dass seiner Loge mit Freimaurern aus Löhne, Bad Oeynhausen und Umgebung vor Kurzem eine Tafel, die auf den Sitz der Loge in einem heimisc hen Hotel hinweist, gestohlen wurde. "Die Vorurteile gegen uns haben nie aufgehört. Die Kirche hält uns für Gegner", sagt Dökel.
Der ehemalige technische Angestellte ist seit 20 Jahren Freimaurer. In der Herforder Loge war er lange "Meister vom Stuhl". So wird der Vorsitzende einer Loge bezeichnet. 2003 hat er die Loge "Zur heilbringenden Quelle" gemeinsam mit anderen wieder gegründet und führt sie noch heute als Meister vom Stuhl an.

Das Verschwiegenheitsgebot der Freimaurer hat die Verbindung immer wieder in die Kritik gebracht. Dinge, die innerhalb der Bruderschaft besprochen werden, dürfen nicht nach außen dringen. Dabei gibt es nach Dökels Überzeugung kein eigentliches Geheimnis der Freimaurer. "Das freimaurerische Geheimnis ist unsere Herzensbildung und für andere Menschen da zu sein."

Entsprechend geht es bei den regelmäßigen Treffen der Loge um Themen wie Gerechtigkeit oder den Sinn des Lebens. "Wir sind dem Humanismus verpflichtet. Dabei spielt die Religion keine Rolle. Es gibt Freimaurer aus den verschiedensten Religionsgemeinschaften", sagt Dökel.

Öffentlich wirkt die Loge durch die Unterstützung des Ronald-Mc-Donald-Kinderhauses. Entscheidend ist jedoch nicht die Arbeit nach außen.

Entscheidend ist, Gutes im Menschen freizulegen. "Das lässt sich mit der Arbeit an einem rauen Stein vergleichen", erklärt Dökel und verweist auf die Herkunft der Freimaurer, die sich aus der mittelalterlichen Steinmetz-Tradition entwickelt haben.
In den Freimaurerlogen gibt es auch Treffen, zu denen Interressierte kommen können. In der heimischen Loge treffen sich zurzeit 28 Freimaurer im Alter zwischen 22 und 83 Jahren. "Das geht bei uns quer durch alle Berufe. Vom Mediziner über Techniker bis zum Opernsänger reicht das berufliche Spektrum unserer Mitglieder", sagt Dökel.

Auch in diesem Jahr werden neue Mitglieder nach einer Phase der gegenseitigen Prüfung in die Loge aufgenommen. "Wenn wir feststellen, dass es nicht passt, stellen das beide Seiten sehr schnell fest." Als der amerikanische Bestseller-Autor Dan Brown mit seinem Freimaurer-Roman "Illuminati" auf den Markt kam, gab es einen kleinen Freimaurer-Boom.

"Die Bücher von Dan Brown haben mit der Wirklichkeit nichts zu tun", sagt Walter Dökel. Da empfiehlt er Interessierten lieber einen anderen Bestseller. "Die Säulen der Erde von Ken Follet stellen die Anfänge gut dar."

Über diesen Anfang ist Dökel schon lange hinaus. Der Meister vom Stuhl hat längst das Stadium erreicht, wo er anderen helfen kann, das Gute in sich zu finden Und daran will er noch lange arbeiten.

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