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Tischlermeister Andreas Möller setzt ein neues Brett in eine Bank vor der Simeonkirche ein. Material und Arbeitskraft stellt er gratis zur Verfügung. - © FOTO: MARTIN FRÖHLICH
Tischlermeister Andreas Möller setzt ein neues Brett in eine Bank vor der Simeonkirche ein. Material und Arbeitskraft stellt er gratis zur Verfügung. | © FOTO: MARTIN FRÖHLICH

Löhne Jeder packt mit an

In Gohfeld startet ein Projekt für bürgerliches Engagement, das auf ganz Löhne abfärben soll

VON MARTIN FRÖHLICH
25.03.2010 | Stand 24.03.2010, 19:13 Uhr

Löhne. Er wohnt erst seit November in Löhne. Doch wenn es darum geht, seine neue Heimat in Ordnung zu bringen, ist Günter Matysiak sofort dabei. Der Neu-Gohfelder will mit anpacken, wenn der Ortskern an der Weihestraße künftig von den Gohfeldern selbst gepflegt wird. Denn das ist die große Idee von Hans-Wilhelm Bökamp. Und die reicht weit über Gohfeld hinaus.

Beruflich entwirft Diplom-Ingenieur Bökamp Häuser. Ganz privat hat er ein Bild von "einer sauberen, aufgeräumten, einfach gepflegten Stadt Löhne" entworfen. Nun mag ja mancher sagen, dies sei Aufgabe der Stadtverwaltung, doch genau da sieht Bökamp das Problem: "Die Kommune hat kein Geld mehr und das wird wohl über Jahre so bleiben", vermutet der Architekt: "Deshalb müssen wir anfassen – wir, die Bürger der Stadt."

Ehrenamtlich heißt das Zauberwort oder auch einfach nur freiwillig. Und anstatt lange zu reden haben Bökamp und seine Mitstreiter in Gohfeld schon zweimal konkret losgelegt. "Wir haben vor Weihnachten das Umfeld der Simeonkirche in Schuss gebracht."
Gestern folgte auf das Aufräumen die erste Renovierung. Marco Schulz vom Malerbetrieb Birkobein strich die Verteilerkästen in "jenem dunklen Grün, das sie schon früher einmal hatten". An Schulz hatte sich Hans-Wilhelm Bökamp mit der Bitte um einen Eimer Farbe gewandt. Der Maler hatte gleich abgewinkt und gesagt: "Lass mal, das mache ich gleich selbst."

Tischlermeister Andreas Möller setzte gestern neue Bretter in eine zerstörte Bank ein. Auch er stellte Arbeitskraft und Material gratis zur Verfügung. "Ich war am Samstag in der Sparkasse gegenüber, als ich die Gruppe hier drüben stehen sah", berichtete Möller. Man sei ins Gespräch gekommen, prompt war er dabei.

Hans-Wilhelm Bökamp säuberte die anderen Bänke um die Kirche. Auch der Neu-Gohfelder Günter Matysiak und Sölve Hannusch vom Presbyterium packten mit an. Die Hoffnung des Initiators ist, dass sich zahlreiche Nachahmer finden. "Vielleicht schaffen wir es ja, eine feste Gruppe aufzustellen, die sich regelmäßig um das Gelände kümmert. Den Rasen mäht, die Sträucher und Bäume beschneidet und all die anderen Kleinigkeiten erledigt."

Bei Guido Kunze, dem technischen Leiter der Wirtschaftsbetriebe, rennt Bökamp damit offene Türen ein: "Wir freuen uns riesig über solche Initiativen", sagte Kunze auf Anfrage der NW. Die Kapazität der WBL bei der Grünflächenpflege sei mehr als ausgelastet. Manchen Auftrag vergebe man extern, weil er sonst nicht zu schaffen sei. "Jede Hilfe der Bürger entlastet uns." Gerade in diesem Jahr, wo durch den langen Winterdienst tausende Überstunden bei den WBL angefallen sind.

Was in Gohfeld möglich ist, kann auch für andere Ortsteile eine Variante sein. "Ich bin gerne bereit, auch dort Aufbauarbeit zu leisten", sagt Hans-Wilhelm Bökamp.

Er hält Eigeninitiative in Zeiten öffentlicher Finanznot für den einzig möglichen und auch zu bewältigenden Weg. "Es gibt so viele Rentner, die noch fit sind und Spaß an der Arbeit haben." So wie Günter Matysiak, der als Frühpensionär reichlich freie Zeit zur Verfügung hat. Er betrachtet den Einsatz an der Simeonkirche nicht mal als Arbeit, im Gegenteil: "Ich hatte früher einen Garten und der fehlt mir sehr. Hier finde ich ein bisschen Ersatz", sagt Matysiak und fügt dann mit einem Blick auf die Alt-Gohfelder an seiner Seite an: "Und außerdem lerne ich so viel schneller Leute kennen und fühle mich in Gohfeld heimisch."

    

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