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Abu Dhabi/Löhne Für den Scheich und seine Gäste

Der Löhner André Struckmeier arbeitet als Hotelmanager in Abu Dhabi

18.01.2010 | Stand 17.01.2010, 19:42 Uhr
Das Vier-Sterne-Hotel Le Royal Meridien mit dem Drehrestaurant auf dem Dach überragt die umstehenden Gebäude deutlich. - © FOTOS: STEFAN SCHELP
Das Vier-Sterne-Hotel Le Royal Meridien mit dem Drehrestaurant auf dem Dach überragt die umstehenden Gebäude deutlich. | © FOTOS: STEFAN SCHELP

Abu Dhabi/Löhne. In Westscheid pfeift der Wind kalt über die Felder. In Abu Dhabi sorgt die Klimaanlage für angenehme Kühle. In Westscheid sind die Wohnzimmer zu Weihnachten geschmückt. In Abu Dhabi leuchten statt der Kerzen nur Neonreklamen. André Struckmeier ist ein Wanderer zwischen diesen beiden Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Und er fühlt sich in beiden wohl.

Die Löhner kennen den 30-Jährigen noch als Handballer des VfL Mennighüffen, in Abu Dhabi am Persischen Golf ist Struckmeier Manager im Hotel Le Royal Meridien, einem schicken Klotz mit einem sich drehenden Restaurant im obersten Stockwerk.

Eigentlich hätte Struckmeier an diesem Tag frei. "Endlich mal wieder", sagt er. Und zuckt die Schultern. Weil es mit dem "frei" dann nämlich doch nichts geworden ist. Der Scheich hatte sein Kommen angekündigt, Familientreffen im eigenen Hotel. "Und wenn Scheich Nayar ruft, dann kommen alle." Ob nun freier Tag oder nicht. "Da gibt es überhaupt keine Debatte."

Für Struckmeier ist das ohnehin kein Problem. "Scheich Nayar ist ein netter Kerl", versichert er. Und er bezahlt gut. Struckmeier bekommt nicht nur sein Gehalt, natürlich steuerfrei. Auch das Apartment ("in Superlage"), das Auto und ein Handy gehören zum Paket. "Dafür arbeitet man dann auch gern 16 bis 18 Stunden am Tag", erzählt der Löhner. "Wenn du hier was erreichen willst, dann geht das sowieso nicht anders."

Im Vier-Sterne-Hotel ist Struckmeier verantwortlich für eine Mannschaft von 42 Mitarbeitern. Die Rezeption ist ihm unterstellt, die Telefon-Zentrale, das Business-Center, der Gäste-Service, die Hausmeister-Abteilung und der Park-Service für die sehr gut betuchten Gäste und ihre noblen Karossen.

Keine ganz leichte Aufgabe, denn das Hotel-Personal kommt aus aller Herren Länder. Vielleicht gerade deshalb ist der Zusammenhalt besonders gut. "Es sind ja alle weit weg von zu Hause." Da lädt man sich gegenseitig nach Hause ein, geht gemeinsam auf die Rolle, nachts wenn es kühler geworden ist. "Die Menschen sind einfach lockerer hier."

Dass es in den Hotels rund um den persischen Golf so viele deutsche Fachleute gebe, sei dennoch kein Wunder, findet Struckmeier. "Die Menschen verlassen sich auf den guten Service, den die Deutschen bieten."

Wie das mit dem guten Service funktioniert, das hat Struckmeier daheim in Löhne und in Herford gelernt. Seine Ausbildung als Hotelkaufmann hat er im Entenhof in Löhne und im Herforder Domhotel gemacht. Dass er dort nicht bleiben wollte, war für ihn allerdings von vornherein klar. Kaum hatte er das Abschlusszeugnis in Händen, ist er nach Ägypten gegangen. Dann nach Abu Dhabi, danach auf die Malediven, danach für ein halbes Jahr nach München. Und vor drei Monaten zurück nach Abu Dhabi. "Ich bin eben rastlos", erzählt er. "Wo es mir gefällt, da bleibe ich einfach." Dass es ihm in Abu Dhabi so gut gefällt, liegt übrigens nicht zuletzt an seiner Verlobten, die in derselben Stadt im Hilton arbeitet. "Ich bin ihr eben hinterher gereist."

Und was ist mit Heimweh? Nach Löhne, Schnee und Graupel? "Der Regen fehlt mir", gesteht Struckmeier: "Doch wirklich. Die Jahreszeiten vermisst man schon." Und die stillen Tage am Ende des Jahres, die fehlen ihm auch. Aber zum Glück versorgt die Mutter ihren Sohnemann auch über knapp 5.000 Kilometer. "Sie hat mir Weihnachtskekse geschickt", erzählt er. "Und Schokolade." Im Februar kommt die Familie ihn besuchen. "Ich freue mich riesig drauf."

Wann André Struckmeier seine Zelte in Abu Dhabi wieder abbricht, ist zurzeit völlig offen. Das hängt vom nächsten großen Ziel ab: "Einmal eine Hotel-Neueröffnung mitmachen. Das wär was", überlegt Struckmeier. Das könnte am Persischen Golf sein. Auf den Malediven oder in Amerika. In Löhne allerdings eher nicht.

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