Das dritte Bild aus der Serie "Tribut" von Thomas Pöhler ist anderthalb mal drei Meter groß. Das kalte, grelle Kadmium-Gelb im Hintergrund steht für das gleißende Licht in 5.000 Metern Höhe. Darunter toben Gesteinsblöcke hinter fließenden Schlammschichten und Geröllbergen. Direkt neben fein geschliffenen Kristallen.
Das dritte Bild aus der Serie "Tribut" von Thomas Pöhler ist anderthalb mal drei Meter groß. Das kalte, grelle Kadmium-Gelb im Hintergrund steht für das gleißende Licht in 5.000 Metern Höhe. Darunter toben Gesteinsblöcke hinter fließenden Schlammschichten und Geröllbergen. Direkt neben fein geschliffenen Kristallen.

Die Natur neu erfinden

Der Künstler Thomas Pöhler lässt sich von gestalterischer Rohheit inspirieren

VON ELKE NIEDRINGHAUS-HAASPER

Löhne. Schmerzhaft gleißendes Licht. Umgestürzte Steinformationen. Geröllberge und Schlammfluten, daneben fein geschliffene Kristalle. Die großformatigen Gletscher-Bilder von Thomas Pöhler sind so komplex und vielschichtig, dass man sie aufmerksam betrachten muss. "Ich möchte keine Kunst machen, die auf den ersten Blick überwältigt", sagt der 42-Jährige.

Seit zwei Jahren beschäftigt sich der auf der Stadtgrenze zwischen Löhne und Bad Oeynhausen geborene Künstler mit dem Gletscher als Bildmotiv. Seitdem erwandert der Löhner seine Bildräume. Bis auf 5 000 Meter klettert der Künstler den Himalaja hinauf. Genau bis an den Punkt, von dem aus man in verschiedene Gletschertäler auf einmal schauen kann. "Das ist ein Ort, der für Menschen nur schwer erreichbar ist. Wo man der Natur und sich selbst ausgesetzt ist. Ein Ort, an dem man seine Erdung verloren hat", beschreibt der wandernde Künstler seine Empfindungen.

"Für mich gibt es eine Analogie zwischen Malen und Wandern" sagt der Löhner. Weit oberhalb der Baumgrenze notiert Thomas Pöhler seine Eindrücke als Guache-Zeichnungen, bevor er die Befreiung, die er in der Natur empfindet, in seinem Düsseldorfer Atelier mit den Mitteln der Malerei neu erfindet.

"Tribut" heißt die mehrteilige Serie von großformatigen Gletscher-Bildern. In der Größe von 1,50 mal 2,80 Meter zeigt sie farb- und formintensive Bildräume, deren Plastizität an Architektur erinnert. Wie Skulpturen ragen vertikale Bildräume auf und geben den Blick in unterschiedliche Lichtsituationen frei. Auf Kalklandschaften, die so hell sind, dass dort keine Blumen mehr wachsen. Um die Farbintensität vermitteln zu können, greift Thomas Pöhler im Atelier auf ein kaltes, grelles Kadmium-Gelb zurück. "Weiß würde nicht genug schmerzen", versichert der Natur-Maler.

Gesteinsblöcke in der Höhe eines vierstöckigen Hauses toben wie Skulpturen in dem Bildraum. Die Kraft der Malerei von Thomas Pöhler liegt in der Form. "Gestalterische Rohheit finde ich inspirierend", sagt der 42-Jährige, der mit Unterbrechung bis zu einem Jahr an einem Gletscherbild arbeitet: "Der staunende Ausgangspunkt und die Neugier sind für mich der Endpunkt in meiner Malerei". Eines der Bilder aus der Serie "Tribut" hat das Düsseldorfer Museum Kunstpalast angekauft, ein anderes hängt in der Privatsammlung der Deutschen Entwicklungsgesellschaft in Köln.

"Das Gebirge ist aufgerichtet. Für mich ist es malerisch ergiebig, wenn sich mir etwas entgegenstellt", sagt der Maler. Demnächst macht Thomas Pöhler neue Erfahrungen mit der umgekehrten Richtung: In einem Gastatelier in Rotterdam bewegt sich der Löhner auf einem Terrain sechs Meter unter dem Meeresspiegel.

Im eigentlichen Sinn sei er kein politischer Künstler, sagt Thomas Pöhler. Aber: "Ich male einen Standpunkt. Den Standpunkt, dass es für uns Menschen wichtig ist, den Kontakt zur unerschöpflichen Inspirationsquelle Natur zu halten. Wir laufen Gefahr, diesen Kontakt zu verlieren", warnt der Künstler.

Ohne seine Kindheit und Jugend in Löhne wäre die Natur niemals zu seinem Thema geworden, behauptet der 42-Jährige: "Die Naturverbundenheit, mit der man in dieser Gegend aufwächst, hat mich geprägt". Und das Talent? "Das war von Anfang an da. Ich habe schon als Vorschulkind sehr gern gemalt. Als ich 14 war, war mir klar, dass ich Künstler werden wollte", sagt Thomas Pöhler.
    

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