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523 Flüchtlinge hat die Stadt Löhne 2015 zugewiesen bekommen. Die Zahl ist rapide gesunken, könnte durch die aktuellen Krisen aber wieder steigen. - © Capri23auto /Pixabay
523 Flüchtlinge hat die Stadt Löhne 2015 zugewiesen bekommen. Die Zahl ist rapide gesunken, könnte durch die aktuellen Krisen aber wieder steigen. | © Capri23auto /Pixabay

Löhne Wohnungsnot für Singles in Löhne: Schlechte Chancen für Flüchtlinge

Die Flüchtlingswelle ist abgeebbt, doch die Herausforderungen sind für die Mitarbeiter des Sozialamts nicht kleiner geworden. Es fehlt vor allem an günstigem Wohnraum für Alleinstehende.

Susanne Barth
25.10.2019 | Stand 25.10.2019, 12:03 Uhr

Löhne. Im Herbst 2015 war der Höhepunkt der Flüchtlingswelle. 523 geflüchtete Personen sind der Stadt zugewiesen worden. Die Versorgung und Unterbringung der vielen Menschen bereitete den Mitarbeitern im Sozialamt schlaflose Nächte. "Die Hausmeister haben im Akkord Wohnungen zurecht gemacht", erinnert sich Peter Köhn. Heute werden Löhne zwar deutlich weniger Flüchtlinge zugewiesen, die Herausforderungen sind laut dem Sozialamtsleiter aber nicht kleiner geworden: "Sie haben sich verschoben." Der Blick in die Nachrichten sorgt bei den Verantwortlichen erneut für Sorgenfalten. Ob vor politischer Gewalt, Kriegen, getrieben von Hunger oder einer ungewissen Zukunft: Millionen von Menschen sehen sich weltweit gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Die aktuelle Situation im Grenzgebiet Türkei/Syrien werde deutliche Auswirkungen für uns haben, sagt Peter Köhn. Zudem weigern sich weiterhin einige EU-Staaten, Flüchtlinge aufzunehmen und auch die Lage in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln sei "für die EU zum Fremdschämen". Köhn: "Ich denke nicht, dass die Zahlen auf dem vergleichsweise niedrigen Niveau bleiben." "Die Hilfeempfänger bleiben unverändert hoch" Ein Überblick: 2013 hat die Stadt Löhne 53 Flüchtlinge zugewiesen bekommen. Die Zahlen stiegen rasant: 2014 waren es 147, ein Jahr später 523 Zuweisungen. Durch die Schließung der Balkanroute 2016 reduzierte sich der Zustrom wieder, schreibt Ilknur Güler vom Sozialamt in einer Vorlage für den Migrationsbeirat. So dass dann noch 199 Menschen nach Löhne kamen, 2017 ging es auf 21 extrem runter. Seit 2018 (30) ist wieder ein leichter Zuwachs zu verzeichnen. Bisher sind 40 Personen diesem Jahr Löhne zugewiesen worden (Stand 1. Oktober). Die Anzahl der Menschen, die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen, ist allerdings seit mehr als zwei Jahren stabil. "Die Hilfeempfänger bleiben unverändert hoch", sagt Köhn. 169 Menschen brauchen finanzielle Förderung, die ähnlich hoch wie Hartz IV ist. Gemessen an diesen Zahlen sei nicht alles gut, bilanziert der Sozialamtsleiter. 866 Euro pro Person im Monat zahlt das Land. "Doch das ist nicht auskömmlich", sagt Köhn. Ausgaben für Wohnung, Krankengeld und Lebensunterhalt liegen im Schnitt bei 1.000 Euro. Zwangsprostitution in Löhne aufgedeckt Auch dreht das Land bei abgelehnten Flüchtlingen drei Monate später den Geldhahn zu. Dann muss die Stadt alle Kosten tragen. Und die können rasant nach oben steigen, sobald etwa ein Krankheitsfall auftritt. Köhn nennt ein Beispiel, das eine seltene Ausnahme sei, dennoch mal vorkomme. Bei einer Razzia in einem Gohfelder Puff ist eine Zwangsprostituierte aus Asien aufgetaucht. Die Frau ist illegal in Deutschland, hat eine schwere Krankheit und ist zur Dialysepatientin geworden. "Bisher liegt die medizinische Versorgung im fünfstelligen Bereich. Das bleibt bei der Stadt hängen." Um die Integration zu fördern, sind die Wohnungen für Geflüchtete im Stadtgebiet verteilt. Darauf hat die Kommune von Anfang an Wert gelegt. 324 Personen sind dort momentan untergebracht. Die Lage hat sich seit der Hochzeit entspannt. Statt zu viert auf einem Zimmer, gebe es aktuell etliche Einzelzimmerbelegungen. 550 Betten verteilt auf 388 Zimmer stehen in Löhne zur Verfügung. Zu wenig Wohnraum für Singles Und obwohl von den 324 Menschen 155 davon entweder Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II beziehen oder arbeiten gehen und eigenes Geld verdienen, haben sie es schwer eine eigene Wohnung zu finden. "Diese Menschen sind anerkannt, haben ein Bleiberecht, gelten rein rechtlich aber als obdachlos", sagt Köhn. Aus diesem Grund sind die Obdachlosenzahlen explosionsartig gestiegen - bundesweit. Die meisten der anerkannten Flüchtlinge seien alleinstehende Männer. Und in Löhne gibt es zu wenig günstigen Wohnraum. "Das ist unsere Herausforderung heute. Wir müssen sie auf dem Wohnungsmarkt unterbringen", sagt Köhn. Zudem gehe es langfristig um Sprache, Bildung und Beruf. Sprich, um die Faktoren, die wichtig für eine Zukunft in der Werrestadt sind.

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